Optimismus nach Höhentraining
Ingo Schultz: „Alle sind schlagbar“

Der Aufstieg von 400-m-Europameister Ingo Schultz vom Spätzünder zum Siegertypen verlief in der atemberaubenden Rekordzeit von nur drei Jahren. Und geht es nach dem 2,01 m großen Riesen, soll in Paris ein neues Kapitel hinzukommen.

HB/dpa PARIS. "Ich bin diesmal kein Favorit wie bei der EM in München, habe aber auch keine Angst und konzentriere mich Runde für Runde. Ich bin ein Turnierläufer, alle sind schlagbar", sagte Schultz vor seinem ersten Auftritt am Samstag selbstbewusst.

Der 28-Jährige nimmt in der Jahresbestenliste mit 45,06 Sek. zwar nur den 20. Platz ein, setzt aber auf den Effekt seines ersten Höhentrainings und seine langfristige Vorbereitung. "Meine Leistungshöhepunkt soll Paris sein. Die Voraussetzungen sind besser als vor zwei Jahren." Auch Trainer Jürgen Krempin ist überzeugt: "Die Grundlagen sind gelegt. Wir wollen ins Finale und um eine Medaille kämpfen." Optimistisch stimmt ihn, dass sein Schützling in Kienbaum bei Testrennen über 150 m schneller war als vor München.

Schultz sieht es als Vorteil an, dass er sich kontinuierlich vorbereiten konnte. "Die Amerikaner um Tyree Washington mussten schon bei ihren Trials in Höchstform sein. Bei mir war das günstiger", bleibt er angesichts seiner Ausgangssituation gelassen und rechnet fest mit einer 44 vor dem Komma. Zudem sieht er über die Stadionrunde keinen Überflieger vom Format des Weltrekordlers Michael Johnson und meint, Zeiten unter 44 Sekunden seien gegenwärtig schwer vorstellbar.

Als sensationeller WM-Zweiter war Schultz in Edmonton der Shooting Star. Er hat die Stadionrunde in Deutschland nach längerer Durststrecke mit der Steigerung auf 44,66 Sekunden wieder salonfähig gemacht. Seitdem ist nichts mehr wie früher, steht er als Hoffnungsträger im Mittelpunkt des Medieninteresses. "Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst und kann mit Druck sehr gut umgehen", sagt Schultz über sich.

Kurz vor der WM äußerte er Kritik am Förderkonzept im deutschen Sport und betonte, dass die Grundsatzprobleme bei der Förderung von Talenten und Hochbegabten in der DDR positiver gelöst worden seien. "Der Westen hätte keine Fehler gemacht und Größe gezeigt, wenn er zumindest Grundzüge dieses Erfolgsförderkonzepts in das neue gesamtdeutsche Modell eingewoben hätte."

Der rasante Aufstieg von Ingo Schultz führte dazu, dass er 1999 trotz Qualifikation nicht für die WM in Sevilla nominiert wurde, weil er kein Kaderathlet war und damit nicht die notwendigen Dopingkontrollen vorweisen konnte. Das hat ihn in seinem Tatendrang eher noch beflügelt.

Auch im privaten Bereich bewies er Lernfähigkeit und gesteht, Fehler gemacht zu haben. Nachdem bei der EM in München seine sportliche Leistung in den Hintergrund gerückt war und die zerbrochene Partnerschaft zur Schwimmerin Antje Buschschulte in den Mittelpunkt rückte, soll "das Privatleben in Zukunft privat bleiben".

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