Optimismus
Neuer Markt hat mittelfristig Aufwärtspotenzial

Der Frankfurter Neue Markt besitzt nach Einschätzung von Experten nach der starken Kurskorrektur der vergangenen Monate auf mittlere Sicht wieder Aufwärtspotenzial. Trotz erster positiver Signale für eine mittelfristige Erholung der deutschen Wachstumswerte warnten die Aktienexperten vor möglichen Rückschlägen.

rtr FRANKFURT. Eine wichtige Rolle spielt ihrer Ansicht nach die weitere Entwicklung der US-Konjunktur und die Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank FED am Dienstag. Der alle Werte des Neuen Marktes umfassende Nemax-All-Share-Index notierte am Freitag mit 0,63 % im Minus bei 1 869 Punkten. Der Blue Chip-Index Nemax50 gab 0,2 % auf 1 817 Zähler nach.

Trotz leichter Kursrückgänge sei der seit Wochen andauernde Aufwärtstrend intakt, sagte Guiseppe Amato, Händler von Lang & Schwarz. Der Nemax50 notiere noch immer über der wichtigen Unterstützungslinie von 1800 Punkten. Die Kurse könnten aber nochmals zurückfallen. Bei 1 600 Punkten gebe es eine weitere Unterstützunglinie. Ein erneutes Testen der historischen Tiefststände werde jedoch zunehmend unwahrscheinlicher, je länger die Kurse auf dem Niveau von über 1 800 Punkten verharrten, sagte Amato. Eine deutliche Widerstandslinie nach oben ist für ihn die Marke von 2 000 Punkten. Um diese Hürde zu überwinden, müsse die Nasdaq100 ebenfalls diese Marke durchbrechen. Der US-Index, der die größten 100 Werte der US-Technologiebörse umfasst, notiert derzeit bei rund 1 800 Punkten. Sollte die erwartete Zinssenkung der Fed ausbleiben, könnten die Kurse nochmals kritisch nach unten getestet werden, sagte Amato. Auch bei einer Zinssenkung würden die Kurse kurzfristig verlieren, weil dies schon eingepreist sei. "Danach wird die Nasdaq100 jedoch die 2 000 in Angriff nehmen."

Nach Einschätzung von Andre Köttner, Fondsmanager bei Union Investment, dürfte der Boden zu Beginn der zweiten Jahreshälfte gefunden sein. Eine entscheidende Rolle spiele dabei die Entwicklung der US-Konjunktur. Mit einer Rezession in den USA rechnet Köttner aber "nicht wirklich". Im zweiten Halbjahr sollten wieder steigende Kurse am Neuen Markt zu sehen sein, da dann mehr Klarheit über das wirtschaftliche Umfeld herrsche. Zudem sollten die Unternehmensnachrichten Anfang 2002 wieder besser werden, was der Markt ein halbes Jahr vorweg nehme.

Wenige Neuemissionen erwartet

Köttner erwartet, dass 2001 nur noch wenige Unternehmen an den Neuen Markt gehen werden. Bei einer deutlichen Erholung des Marktes könnten jedoch sehr viele Börsenkandidaten den Gang an den Kapitalmarkt wagen, was bestehenden Unternehmen Liquidität entziehe, sagte der Fondsmanager. Amato zufolge ist für Börsengänge "noch kein richtiger Zug im Markt. Das gehört zu einer Bodenbildung dazu, dass alle daniederliegen und erst langsam wieder Vertrauen aufgebaut wird", sagte Amato.Während Fonds nun vornehmlich in vermeintlich große Werte einstiegen, hielten sich die Privaten noch zurück.

Auch Götz Albert, Leiter der Research-Abteilung bei Independent Research, sieht eine Erholung am Markt. "Seit vier Wochen gibt es wieder ganz erfreuliche Unternehmensnachrichten und die werden auch wieder vom Markt aufgenommen", sagte Albert. Die Liquidität sei vorhanden, aber es sei noch nicht entschieden, ob das Vertrauen der Anleger generell wieder zurückgekehrt ist. "Der dramatische Verfall am Markt hat aber ein Ende gefunden." Das gelte aber nicht für einzelne Unternehmen, schränkte er ein. Mit weiteren Pleiten am Wachstumssegment sei zu rechnen. "Bis zu zehn könnten es 2001 werden", sagte Albert.

Michael Riesner, technischer Analyst bei der DG Bank, schloss nicht aus, dass der Markt nach einer möglichen Zinssenkung der Fed kurzfristig "Luft abgibt und nach unten kommt". Im schlimmsten Fall könnte es zu einer klassischen Bodenbildung auf dem Niveau von 1 420 Punkten kommen. Die schweren Werte, die charttechnisch gut aussähen, sollten den Markt aber eher auf einer starken Unterstützungslinie zwischen 1 670 und 1 700 Zählern halten. Falls es zu einer Korrektur nach unten komme, dürfte diese nach Einschätzung Riesners bis zu zwei Wochen andauern. "Danach sollte es kräftig nach oben gehen". Riesner sieht den Nemax Ende Juli bei 2 200 bis 2 600 Punkten. "Wir erwarten im September, Oktober noch einmal einen Test der Tiefststände". Die Stimmung in den USA sei schon wieder viel zu optimistisch, begründete Riesner dies.

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