Optimisten erwarten Fortsetzung der Bond-Rally
Anleihemärkte stehen voll im Saft

Zehnjährige US-Staatsanleihen erreichten vergangene Woche neue Rekordstände. Trotz leichter Rückschläge am Freitag notieren Bonds auf historischen Höchstständen - auch in Europa. Kaum ein Experte hat die Bond-Rally korrekt vorausgesehen. Doch mittlerweile halten immer mehr Optimisten weitere Zuwächse für möglich.

FRANKFURT/M. Die meisten Aktien-Analysten sind notorische Optimisten. Mögen die Kurse noch so tief fallen, sie erwarten unverdrossen steigende Unternehmensgewinne und Kurse. Ganz anders die Anleihe-Analysten: Sie erklären seit Monaten, warum die Bond-Rally bald vorbei ist. Dabei boomen die Anleihemärkte munter weiter.

So fiel bei US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit die Rendite kürzlich erstmals seit 1963 unter die Marke von 4 %. Fallende Renditen bedeuten am Rentenmarkt steigende Kurse, weil beide Größen gegenläufig tendieren. Am Freitag schlossen die US-Treasuries bei 4,015 %. Auch zehnjährige Bundesanleihen haben sich zuletzt erstaunlich gut entwickelt.

Und wieder warnen Analysten wie Klaus Holzschuh, Research-Leiter der DZ Bank, vor Rückschlägen. Die Rendite zehnjähriger US-Bonds werde bis zum Jahresende auf 5,30 % steigen, meint er. Dann würden Anleger, die jetzt Bonds kaufen, Verluste machen. "Die Renditen liegen in den USA auf einem Niveau, als wären wir in der tiefsten Rezession", sagt Holschuh. Dem widersprächen jedoch die Konjunkturdaten. So steigt die US-Industrieproduktion seit sieben Monaten, auch Einzelhandelsumsätze und Importe legen zu. Laut Konsensschätzungen wächst die US-Wirtschaft 2002 um 2,3 %. Das klingt nicht gerade nach Rezession.

Christian Zügel von der New Yorker Vermögensverwaltung Zais Group rät Anlegern, ihr Geld jetzt zu parken und "ein halbes Jahr in Urlaub zu fahren". Vielleicht gebe es noch eine kleine Rally bei Staatsbonds. "Die hätte man dann halt verpasst, nachhaltig wird sie ohnehin nicht sein", sagt Zügel.

Doch es gibt auch andere Stimmen. "Anleihen sehen nur auf den ersten Blick teuer aus", sagt Stephan Hirschbrich, der bei Union Investment den 2,6 Mrd. Euro schweren Rentenfonds Uni-Renta verwaltet. Zwar erscheine die nominale Rendite der US-Bonds niedrig, aber wichtiger sei die reale - also inflationsbereinigte - Rendite. "Die reale Rendite liegt nur knapp unter dem langjährigen Durchschnitt, weil die Inflation sehr gering ist", sagt Hirschbrich.

Für Anleihekäufer ist die Inflation eine wichtige Kennziffer. Die Preissteigerungen nagen am realen Wert ihrer Bonds. "Wenn die Inflation niedrig bleibt oder sogar weiter sinkt, scheinen US-Staatsanleihen fair bewertet", sagt Hirschbrich. Momentan werde sogar über Deflation, also fallende Preise, spekuliert. Ein solches Szenario würde der Bond-Rally neuen Schub verleihen.

Die Trennlinie zwischen Optimisten und Pessimisten verläuft quer durch manche Banken. "Unsere Hausmeinung ist, dass die US-Wirtschaft moderat wachsen wird", sagt ein Analyst. "Aber wir in der Rentenabteilung spielen auch das Rezessions-Szenario".

Der Grund: Viele US-Konjunkturdaten sehen nur auf den ersten Blick gut aus. Zwar stieg die am Freitag veröffentlichte Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze deutlich. Aber ein Großteil der neuen Stellen entstand im Regierungssektor. Das spricht nicht gerade dafür, dass sich die Wirtschaft kräftig erholt.

Einig sind sich die Experten darin, dass die Anleihemärkte inzwischen luftige Höhen erreicht haben. Rückschläge erscheinen möglich, insbesondere wenn Anleger wieder mehr Geld in Aktien statt Anleihen investieren. "Wir agieren daher flexibel und haben bei lang laufenden Bonds zuletzt ein paar Gewinne mitgenommen", sagt Union-Experte Hirschbrich. Grundsätzlich bleibt er jedoch positiv gestimmt.

Die Commerzbank sieht zumindest kurzfristig Chancen auf eine weitere Bond-Rally. "Der Konjunkturpessismismus ist noch nicht am Hoch", heißt es. Nur eine Trendwende an den Aktienmärkten könne den Aufwärtstrend stoppen. "Die Frage ist nur, wer glaubt daran?", fragen die Commerzbanker.

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