Optimistisch für den Wiedereinzug der PDS
Gysi will weiter Wahlkampf machen

Der zurückgetretene Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) will sich in den Bundestagswahlkampf seiner Partei "angemessen" einschalten. Gysi sagte am Freitag in Berlin beim ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Rückzug, er werde alle bisher vereinbarten Wahlkampftermine auch wahrnehmen. Dass er nun mehr Zeit habe, werde aber nicht dazu führen, dass er mehr Termine absolviere.

ddp BERLIN. Die Wahlchancen seiner Partei sieht Gysi durch seinen Schritt nicht als wesentlich geschmälert an. Er bleibe optimistisch, dass die PDS wieder in den Bundestag einziehen werde. Ansonsten habe Schwarz-Gelb eine Mehrheit. Der Rücktritt habe auch eine positive Seite. Es hätte die PDS eher die fünf Prozent gekostet, wenn er sich wegen der privaten Nutzung dienstlich erworbener Vielfliegermeilen nicht vom Amt zurückgezogen hätte.

Gysi wies Spekulationen zurück, er habe nur einen Vorwand gesucht, um aus dem Amt des Wirtschaftssenators zu scheiden. Diese "Kärrnerarbeit" habe ihm "inzwischen Spaß gemacht". Auch sei er nicht erfolglos gewesen. In der Wirtschaft habe er sich ein gewisses Ansehen erworben. Er habe sich auch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gut verstanden und Achtung im Senat erhalten. Auch sei er sicher, dass die Akzeptanz für Rot-Rot in der Stadt durch die Arbeit des Senats bestehen bleibe und steige.

Er hätte den Job gern noch länger gemacht, unterstrich Gysi. "Eine Legislaturperiode hatte ich mir schon vorgesellt", sagte er. Der PDS-Politiker führte auch seinen Ehrgeiz, in einem Amt "irgendeine Spur zu hinterlassen", als Argument gegen die Vermutung an, er sei amtsmüde gewesen.

Mutmaßungen, er habe sein Amt vor der Überprüfung auf Stasi-Mitarbeit aufgegeben, wies Gysi als "unsinnig" zurück. Dieser Vorwurf sei unbegründet und falsch. Dieses Thema habe er bereits im Bundestag durchgestanden. Bei seiner Wahl habe er auch gewusst, dass es erneut Überprüfungen geben werde.

Der PDS-Spitzenpolitiker räumte ein, er habe einen Fehler gemacht, auf den er selbst "zornig" sei. Er habe über seinen Schritt Tag und Nacht nachgedacht. "Ich krieg ihn nicht gerechtfertigt", sagte Gysi über seinen Fehltritt. Den Fehler könne er auch nicht der "Bild"-Zeitung anlasten. Gysi stellte zugleich klar, dass er seine Maßstäbe nicht für andere anlegen wolle. Diesen "Nimbus" wolle er loswerden. Gysi deutete an, dass er seine derzeit ruhende Arbeit als Anwalt wieder aufnehmen werde. Dies sei das Naheliegendste. Gleichwohl bleibe er ein "politischer Mensch", allerdings ohne Amt.

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