Optimistische Stimmung am Neuen Markt
Dax und Nemax von Technologietiteln belastet

Die deutschen Aktienwerte haben sich am Mittwoch im Zuge nachgebender Technologiewerte leichter präsentiert, nachdem sie noch am Morgen nach dem US-Gerichtsentscheid im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl zugelegt hatten.

Reuters FRANKFURT. Händler führten die Tendenz auf die Gewinnwarnung des US-Computerherstellers Compaq sowie auf Gewinnmitnahmen zurück. Stimmungsdämpfend sei zudem der etwas nachgebende Euro in Reaktion auf den jüngsten möglicherweise wahlentscheidenden Richterspruch des Obersten US-Gerichtshofes zugunsten des Republikaners George W. Bush, sagte ein Händler.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte am Mittwochnachmittag 1,03 % tiefer bei 6664 Zählern. Der Nasdaq-Future , der mit einem Plus von 24 Punkten auf eine freundliche Eröffnung der US-Technologiebörse hinweist, habe wenig Auswirkung auf den deutschen Markt, sagten Händler. Am Wachstumssegment Neuer Markt gab der alle Werte umfassende Nemax All Share 0,1 % auf 3284 Zähler ab, nachdem er im frühen Handel noch bis auf 3375 Zähler geklettert war.

Ein nun wahrscheinlicher Sieg von George W. Bush bei den US-Wahlen sei zwar grundsätzlich positiver für die Aktienmärkte als ein Sieg von Al Gore, doch warteten die Märkte offenbar noch etwas ab, bis Gore seine Niederlage auch tatsächlich eingestehe, sagte ein Händler mit Blick auf die im Tagesverlauf nachgebenden Kurse. Zudem habe der Markt einen Sieg von Bush inzwischen fast vollständig eingepreist, da die meisten Investoren seit Tagen von einem Sieg Bushs ausgehen würden.

Nach Angaben der Händler wurden die Aktien der deutschen Technologiewerte von der am Dienstag nach US-Börsenschluss ausgegebene Gewinnwarnung des US-Unternehmens Compaq sowie von Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Kursanstiegen belastet. Von Kursabstrichen waren vor allem die Papiere des Chipherstellers Infineon betroffen, nachdem Credit Suisse First Boston zudem sein Kursziel für die Aktie gesenkt hatte. Das Papier verlor 2,27 % auf 51,6 Euro und zog nach Ansicht der Händler sein Mutterunternehmen Siemens mit ins Minus. Das Indexschwergewicht führte die Verlierer mit einem Minus von 3,17 % auf 143,6 Euro an. Zudem hätten Gewinnmitnahmen die Branche belastet, zumal mit nahendem Jahresende Investoren ihre Positionen bereinigten, fügte ein Händler hinzu. Dabei verbilligten sich die Papiere von Epcos um 2,76 % auf 109,4 Euro, und auch das größte europäische Softwareunternehmen SAP verlor über zwei Prozent auf 181,5 Euro.

Fester präsentierten sich defensive Werte wie Schering , Karstadt Quelle und Versorger. Es finde wie so oft bei einer Schwäche der Technologiewerte eine Umschichtung in defensivere Werte statt, sagte ein Händler. Schering gewannen fast zwei Prozent auf 61,4 Euro. Händler begründeten den Zuwachs auch mit guten Aussichten für die Pharmabranche unter einem US-Präsidenten George W. Bush. Stark präsentierten sich die Bankentitel wie Hypovereinsbank und Dresdner Bank , was Händler jedoch nicht auf fundamentale Nachrichten zurückführen konnten.

Am Neuen Markt herrscht nach Angaben von Händlern weiterhin optimistische Stimmung unter den Anlegern. Schon seit einigen Tagen gebe es wieder tendenziell mehr Käufe von Privatkunden, sagte Thomas Lang vom Handelshaus Lang & Schwarz. Gefragt waren unter anderem Papiere von Lipro, die nach eigenen Angaben ihre Umsatzplanzahlen für das Jahr 2001 angehoben haben. Die Aktie verteuerte sich 36 % auf 14,5 Euro. Deutliche Gewinne verbuchten Händlern zufolge die Aktien von Letsbuyit.com in Erwartung auf eine Abschaffung des Rabattgesetzes. Nachdem das Papier am Dienstag ein Tief von 0,59 Euro markiert hatte, beflügele zudem eine technische Reaktion die Aktie, sagte ein Händler. Das Papier kletterte bis zum Nachmittag 72,73 % auf 1,18 Euro.

Die mittelgroßen Werte präsentierten sich leichter. Der MDax notierte um 0,56 % im Minus bei 4716,24 Punkten.

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