Optionen und Optionsscheine
Das Geheimnis der Optionsscheinpreise

Der Anrufer ist aufgeregt: "Was haben Sie mir denn da für eine lahme Ente verkauft", schäumt er. "SAP-Aktien steigen, aber bei meinem Optionsschein passiert nichts." Die Mitarbeiterin in der Telefonzentrale der Optionsscheinbank bleibt gelassen. Für sie gehören solche Anrufe zum Alltag.

20.7.2001 DÜSSELDORF. Zwar hat sich das Wissen der meisten Anleger über die heißen Scheine verbessert, doch manche Fragen tauchen immer wieder auf. Oft herrscht Unklarheit darüber, wie der Preis der Papiere entsteht. Denn die Kursentwicklung des zu Grunde liegenden Wertes (Underlying) ist zwar ein bedeutender, aber nicht der allein bestimmende Faktor. Andere wichtige Determinanten sind: die Restlaufzeit und die Volatilität (Schwankungsbreite der Kurse).

Zunächst ist die Entwicklung des Basiswertes, also zum Beispiel der SAP-Aktie, für den Preis eines Optionsscheins wichtig. Er bestimmt den "inneren Wert" eines Scheins. Hat der Anleger mit einem Kaufoptionsschein (Call) auf die Kursentwicklung der SAP-Aktie gesetzt, steigt der innere Wert seines Scheines, wenn SAP an der Börse teurer gehandelt wird. Beim Verkaufsoptionsschein (Put) ist es umgekehrt. Hier profitiert der Anleger vom Kursverlust des Underlyings.

Was ein Optionsschein (engl.: Warrant) kostet, bestimmt jedoch nicht allein der innere Wert, sondern auch die Zeitprämie, die unter anderem durch die Restlaufzeit beeinflusst wird. Je länger die Restlaufzeit, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Kurs des Basiswertes in die richtige Richtung verändert. Hat die Aktie das vorgegebene Ziel bislang nicht erreicht, wird mit Ablauf der Zeit das Investment zunehmend riskanter, die Zeitprämie nimmt ab. Anleger sollten daher auch darauf achten, dass die Laufzeit ihres Warrants lange genug ist, damit die Aktie auch eine realistische Chance hat, das gesetzte Ziel zu erreichen. Einstieg noch sinnvoll.

Besonderen Einfluss auf den Zeitwert hat die Volatilität des Basiswertes. Der Grund: Nehmen die Schwankungen am Aktienmarkt zu, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs der jeweiligen Aktie während der restlichen Laufzeit des Calls über den Basispreis steigt. Wichtig ist dabei die implizite Volatilität: Sie gibt die in Zukunft erwartete Schwankungsintensität an - dabei handelt es sich um eine Schätzung der Emittenten. Je höher sie ausfällt, umso teurer ist der Optionsschein. Für Warrant-Käufer ist es sinnvoll, bei niedriger Volatilität zu kaufen. Große Sprünge am Aktienmarkt verteuern die Optionsscheine. Darüber freuen sich Anleger, die Scheine im Depot haben. Für Einsteiger wird es teurer. Wer dann kauft, geht das Risiko ein, bei sinkenden Volatilitäten Verluste einzufahren, auch wenn sich der Kurs des Basiswertes in die gewünschte Richtung bewegt. "Die Volatilität im Dax hat in letzter Zeit wieder angezogen", sagt Thorsten Michalik von der Deutschen Bank. "Im historischen Vergleich sind wir aber noch auf einem mittleren Niveau. Ein Einstieg über Optionsscheine ist daher immer noch sinnvoll."

Besonders stark auf steigende Volatilitäten reagieren Calls, bei denen der Börsenkurs des Underlyings den Basispreis des Scheins noch nicht erreicht hat. Solche Scheine heißen im Fachjargon "aus dem Geld". Ein Beispiel dafür ist der Lufthansa-Call von HSBC Trinkaus & Burkhardt mit einem Basispreis von 25 Euro und Laufzeit bis März 2002. Da die Lufthansa-Aktie bei rund 19 Euro notiert, ist der Schein "aus dem Geld". Wird die Volatilität größer, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Lufthansa bis zum Stichtag auf 25 Euro oder darüber klettert; der Schein wird daher mehr wert. Weniger auf Veränderung der Volatilität reagieren Scheine, die "im Geld" notieren, da bei ihnen die Aktie das gesetzte Kursziel bereits erreicht hat. Einen geringeren Einfluss auf den Preis hat der Zins. Steigen die Zinsen, erhöht sich der Preis eines Calls.

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