Optionen und Optionsscheine
Die Analyse von Optionsscheinen im Internet hat ihre Tücken

Durch das World Wide Web hat sich der Vorsprung der Optionsschein-Profis gegenüber den privaten Anlegern dramatisch verkürzt. "Im Internet findet man heute hervorragende Infos und tausende Vergleichsmöglichkeiten, die dem Wissensstand der professionellen Anleger gleichkommen", findet Dirk Heß, Warrant-Experte der Citibank.

6.6.2001 FRANKFURT/M. Er lobt beispielsweise die Finanzplattform Onvista, die mit den Analysewerkzeugen für Optionsscheine groß geworden ist. Allerdings gibt es in den Brokerboards auch herbe Kritik an Onvista. "Deren Kursversorgung ist ja zur Zeit echt ein Problem", monierte jüngst ein Surfer bei wallstreet-online.

Auch wenn es gelegentlich Schwierigkeiten mit der Aktualisierung der Zahlenströme gibt, so sind die Analyse-Tools doch in der Regel recht brauchbar. Neben der Suche über Wertpapierkennnummer, Basiswert, Kategorie (Aktien, Baskets,Währungen) oder Emittent gehört der Optionsscheinvergleich zum Herzstück von Onvista. Nach Eingabe von beispielsweise BASF als Basiswert bekommt man bei der Suche nach Calls genau 197 Optionsscheine mit Geld-Brief-Kursen, Volatilität, Aufgeld, Omega etc. verschiedener Emittentenhäuser. Das größte Manko sind die fehlenden Echtzeitkurse, laut Business Development Manager Jan Decken soll aber bereits im Juli Abhilfe geschaffen werden.

Ein wichtiger Konkurrent ist der Optionsschein-Arm der Stuttgarter Börse, die Euwax. Hier gibt es schon Realtime-Kurse und die so genannten historischen Emittentenkurse von rund 24 000 Scheinen, wobei aber nur 5 bis 10 % als sehr liquide einzustufen sind. Die historischen Kurse werden zwar zeitverzögert um einen Tag publiziert, stellen aber nach Auskunft von Jörg Leichinger von der Euwax Broker AG eine gute Möglichkeit dar, Trends auf Basis handelbarer Kurse nachzuvollziehen.

Die Kurse sind letztlich die Achillesferse der gesamten Netz-Informationen, da man zwischen Emittenten- und Börsenkursen wählen kann und diese auch vermischt auftauchen. Grob gesagt bewegen sich die im Netz veröffentlichten Börsenkurse in einer gewissen Spanne um die Emittentenkurse, die ebenfalls ins Web gestellt werden. Die meisten Experten halten die Emittentenkurse "für das einzig Wahre", wie es Torsten Iben, Mitgeschäftsführer von Financial WebWorks, formuliert. Denn die Börsenkurse könnten alt sein und seien deshalb zur Analyse unbrauchbar.

Wer im Netz unterwegs ist, muss sich also vergewissern, was für ein Datenmenü er serviert bekommt. Aber auch die Emittentenkurse sind als "indikative Kurse"" zu verstehen, wie Citibank-Manager Heß erklärt. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Kurse auch handelbar sind, sicher sein kann man aber nicht. Deshalb empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

1. Suche und Kennzahlenvergleich via Onvista oder Euwax.

2. Realtime-Kurse der Emittenten aufspüren, wobei man diese oft auf deren Homepages findet. Zeitnahe Kurse gibt es auch im Videotext.

3. Telefonische Order oder via Direktbank handeln, um sicher zu gehen, dass die Kurse aus dem Netz auch wirklich ausgeführt werden. Eine weitere "Kurs-Tücke" ist die zeitlich versetzte Lieferung von Basis- und Warrantpreisen. Werden die Zahlen zu unterschiedlichen Zeitpunkten "abgegriffen" und in die Datenbank gestellt, können im Extremfall die Analyse-Tools falsche Ergebnisse liefern. Dagegen sollte sich der Anleger von niedrigen oder fehlenden Umsatzzahlen zu einzelnen Scheinen im Internet nicht täuschen lassen. Oftmals werden nur börsliche Aufträge erfasst, ein Großteil des Geschäfts erfolgt heute aber außerbörslich. Illiquide Scheine dürfte es sowieso nicht geben, weil die Emittenten immer eintreten, also dem Makler einen Geld- und Briefkurs nennen müssen.

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