Optionsscheine
Put-Handel nimmt seit Wochen zu

Die Idee, an fallenden Kursen zu verdienen, reizt vor allem die Anleger, die den jüngsten Aufschwung an den Aktienmärkten verpasst haben.

FRANKFURT/M. Die Rally im Aktienhandel rückte Verkaufsoptionsscheine (Puts) auf den Deutschen Aktienindex (Dax) zuletzt in den Blickpunkt von Spekulanten. "Seit der Dax die 3 000er-Marke durchbrochen hat, rechnen viele Marktteilnehmer mit einem Rückgang der Kurse. Vor allem im kurzfristigen Put-Handel sind die Umsätze gestiegen", sagt Jörg Leichinger von der Stuttgarter Derivatebörse Euwax. Dort werden mehr als die Hälfte der Umsätze mit Dax-Optionsscheinen erzielt.

Mit Derivaten wetten Anleger auf fallende Kurse und können dank einer Hebelwirkung Gewinne jenseits von 100 Prozent realisieren. Doch keine Chance ohne Risiko: Im Gegenzug droht ein Totalverfall der Optionsscheine.

Ein Put ist eine Option auf den Verkauf eines Wertpapiers in Zukunft. Sinkt der Kurs, können ihn Put-Besitzer nach Ende der Laufzeit zum bereits festgelegten, teuren Preis verkaufen. Bei einem sofortigen Verkauf streicht der Anleger die Kursdifferenz als Gewinn ein. Weiterer Vorteil: Puts kosten nur den Bruchteil einer Aktie, können aber bis zu 100 Prozent an der Wertentwicklung partizipieren. Somit ergeben sich Hebeleffekte, die zu hohen Gewinnchancen führen.

In den vergangenen Wochen waren vor allem Turbo-Puts - so genannte Knockout-Zertifikate - gefragt. Als obere Grenze wird dabei zum Beispiel ein Dax-Wert von 3 200 Punkten festgelegt. Wird diese Schwelle nach oben durchbrochen, verfällt die Option und ist komplett wertlos. "Es werden fast nur Knockout-Produkte nachgefragt, denn dort ist die Gewinnchance am größten", sagt Florian Brechtel vom Optionsscheinvertrieb der Deutschen Bank. Der Großteil der Orders kommt von Spekulanten, vermutet Brechtel: "Es gibt kaum jemanden, der sein Dax-Portfolio mit entsprechenden Puts gegen einen Kursverfall absichert."

Heiko Weyand, Derivateexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, bringt den Reiz auf den Punkt: "Viele haben den Aufsprung während der Aufwärtsphase verpasst. Jetzt fehlt den Märkten die fundamentale Unterstützung, und davon profitiert der Derivatehandel." Der HSBC-Experte rechnen ohnehin mit einer Bärenmarktrally: Bis zum Jahresende wertet der Dax auf 2 600 Punkte ab, vermutet er. Damit steht er jedoch weitgehend alleine. Hypo-Vereinsbank, Dresdner Bank, die DZ-Bank und die Hessisch-Thüringische Landesbank rechnen bis Jahresende mit einem Anstieg des Dax auf bis zu 3 500 Punkte.

Für ein Engagement in Puts ist es trotz dieser unterschiedlichen Prognosen noch lange nicht zu spät. "Die Volatilität der Aktienkurse ist in den vergangenen Wochen spürbar zurückgekommen", sagt Michael Schülli, Derivateexperte bei der Hypo-Vereinsbank. Somit können Anleger vor allem auf kurzfristige Schwankungen nach unten setzen.

Als Grund für die derzeit hohe Volatilität führt Markus Reinwand, Aktienmarktstratege der Helaba-Trust, die hohe Unsicherheit in den Märkten an: "Es gibt keine eindeutigen Signale, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten ist." Die Anleger hätten sich von Bilanzskandalen und Gewinneinbrüchen bei Unternehmen noch immer nicht erholt.

Von dieser Unsicherheit profitiert gerade der Handel mit Optionsscheinen. Spekulanten setzen dabei vor allem auf kurzfristige Gewinne, kaufen und verkaufen häufig innerhalb von Stunden.

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