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Optionsscheine: Umsätze spielen kaum eine Rolle

Ob ein Optionsschein viel oder wenig gehandelt wird, kann Anlegern eigentlich egal sein. Denn anders als bei Aktien können Warrant-Anleger ihre Scheine immer an den Emittenten - also die Bank, die die Optionsscheine ausgegegeben hat - verkaufen.

"Wir sind als Emittenten dazu verpflichtet, für unsere Produkte An- und Verkaufskurse zu stellen", erklärte Christine Dillinger, Optionsscheinexpertin bei BNP Paribas. Ändert sich beispielsweise der Kurs der Siemens-Aktie, gibt es auch neue Preise für die Scheine auf Siemens. "Der Preis eines Warrants hängt nicht vom Umsatz ab. Entscheidend ist die Entwicklung des Basiswertes, auf den der Schein begeben wurde, die Laufzeit und die Volatilität", ergänzte Dillinger.

Sind die Umsätze in einem Schein hoch, kann allerdings das Optionsscheingeschäft über eine Börse sinnvoller sein als direkt mit dem Emittenten. Denn dann besteht die Chance, dass der Anleger den Schein über die Börse günstiger bekommt bzw. teurer verkaufen kann. Florian Schopf von der Stuttgarter Optionsscheinbörse Euwax verdeutlicht dies an einem Beispiel: Ein Anleger möchte 10 000 Scheine kaufen, der Emittent würde zu 1,00 das Stück kaufen und zu 1,05 verkaufen.

Beim Handel mit dem Emittenten bezahlt der Anleger also 10 500 . An der Börse würde dagegen ein zwischengeschalteter Makler versuchen, zu diesem Kaufauftrag einen passenden Verkaufauftrag zu finden. Gibt es einen Investor, der 10 000 dieser Scheine zu 1,03 abgeben möchte, können sowohl der Anleger als auch der Investor ihr Geschäft zu 10 300 abschließen. Zwar müssen beide dem Makler zusätzlich 0,8 Promille bezahlen, die aber fallen kaum noch ins Gewicht.

Ärgerlich ist diese Maklercourtage nur, wenn auch das Geschäft über die Börse lediglich mit dem Emittenten zu dessen Bedingungen zustande kommt. Laut Yann Stoffel vom Optionsscheinteam der Société Générale ist dies in 90 bis 95 % der Börsengeschäfte der Fall. Schopf hingegen betont, dass in Stuttgart mittlerweile bei Index-Warrants jede dritte Order über die Börse besser als mit dem Emittenten ausgeführt wird. Schließlich habe Stuttgart einen Marktanteil von über 90 %, entsprechend viel würde an diesem Börsenplatz im Vergleich zu anderen gehandelt.

Der Anleger hat die Wahl

Nur in Deutschland können Warrant-Anleger zwischen der börslichen und der außerbörslichen Variante wählen. Die Entscheidung darüber teilen sei entweder ihrer Hausbank mit oder sie treffen sie bei ihrer Direktbank per Mausklick.

"Von der Bedeutung her sind der börsliche und der außerbörsliche Handel etwa gleichberechtigt", bemerkte Schopf. Beim Geschäft mit dem Emittenten lägen die Vorteile in den längeren Handelszeiten (8.00 bis 22.00 Uhr anstatt 9.00 bis 20.00 Uhr). Außerdem erhalte der Anleger sofort die Bestätigung, dass sein Auftrag ausgeführt wurde. Beim börslichen Handel erfolge die Abrechnung immer erst einen Tag später. Dafür können Anleger ihre Aufträge an der Börse limitieren, also bestimmte Preisgrenzen für ihre Kauf- oder Verkaufswünsche angeben.

Der Umsatz allein sollte aber nie der Grund für ein Warrantgeschäft sein, warnt Stoffel. Denn oft würden auch wertlose Scheine gehandelt, die Anleger nur deshalb an die Emittenten zurückverkauften, um ihre Verluste steuerlich geltend machen zu können. Eine Faustregel, wann ein Umsatz hoch und wann niedrig sei, gebe es nicht.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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