Optionsscheine
Wie Anleger den richtigen Schein finden

Das Angebot an Optionsscheinen in Deutschland ist groß: Mittlerweile sind rund 23 000 Papiere im Umlauf. Da fällt vielen Investoren die Auswahl schwer. Sie orientieren sich oftmals am so genannten Hebel. Doch der ist nur begrenzt aussagefähig - es gibt wichtigere Kennzahlen.

Mit geringem Einsatz schnell reich werden - davon träumen alle Optionsscheinanleger. Leider geht die Rechnung oft nicht auf; nicht nur, weil sich der Markt anders als erwartet entwickelt, sondern weil Investoren bei der Auswahl der Scheine nicht wissen, woran sie sich orientieren sollen. So ist vielen zum Beispiel nicht klar, dass das so genannte Delta wichtiger ist als der Hebel und dass man den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufspreis der Scheine (Spread) nicht außer acht lassen sollten.

Dirk Heß, Optionsscheinexperte bei der Citibank, rät Anlegern, als erstes auf den Spread zu schauen. Dabei sei es sinnvoll, den "Spread-Move" auszurechnen, also den Spread durch den Geldkurs der Bank (den Kaufkurs des Instituts) zu teilen. Bei einem Geldkurs von 10 Cents und einem Spread von einem Cent ergäbe sich 0,1. Diese Zahl - mit 100 multipliziert - , gibt die Prozentzahl an, um die der Optionsschein steigen muss, damit der Anleger überhaupt die Gewinnzone erreicht. In dem Beispiel ergeben sich demnach 10 Prozent. Anleger, die weniger risikobereit sind, sollten nach Papieren mit möglichst geringen Werten greifen.

Begrenzte Aussagefähigkeit des "Hebels"

Wer beim Kauf des Scheins den Hebel berücksichtigen will, sollte wissen: Er wird errechnet, indem der aktuelle Preis des Basiswerts, etwa der Aktie, geteilt wird durch das Produkt aus Optionsscheinprämie und Bezugsverhältnis. Der Hebel gibt theoretisch an, um wie viel mal stärker die prozentuale Änderung der Optionsprämie ausfällt, wenn sich der Aktienkurs um ein Prozent verändert. Dabei beschreibt er lediglich das Verhältnis des Kapitaleinsatzes beim Schein zum Einsatz beim Aktienkauf. Es wird nämlich unterstellt, dass sich im Zeitablauf nur der innere Wert ändert (Differenz zwischen Aktienkurs und dem festgelegten Basispreis des Scheins).

Folglich wird ein unveränderter Zeitwert (Zeitprämie) vorausgesetzt. Dies ist der Hauptkritikpunkt an der Maßzahl Hebel. Denn in der Realität ist der Zeitwert nicht konstant. Die Kennzahl ist nur dann aussagekräftig, wenn der Anteil der Zeitprämie am gesamten Preis des Papiers niedrig ist. Das trifft auf Scheine zu, die sehr tief im Geld notieren. Bei Kaufoptionsscheinen (Calls) ist dies der Fall, wenn der Kurs weit über dem Basispreis notiert. Hier gilt: Je höher der Hebel ist, desto mehr Risiko birgt das Papier.

Den Zeitwert kann man allerdings mit Hilfe der Kennzahl Delta einbeziehen. Sie gibt an, um wie viel Prozent sich der Optionskurs tatsächlich verändert, wenn der Aktienkurs um einen Euro vorrückt oder fällt. Ein Call weist stets einen Deltawert zwischen null und eins auf, das Intervall für einen Verkaufsoptionsschein (Put) erstreckt sich von minus eins bis null. Je näher der Wert an der Zahl 1 liegt, desto stärker reagiert der Preis des Calls auf Schwankungen des Aktienkurses und Gewinnchance und Verlustrisiko steigen. Zieht der Aktienkurs bei einem Delta von 0,5 (50 Prozent) um einen Euro an, verteuert sich der Schein um 0,50 Euro; vorausgesetzt, das Bezugsverhältnis beträgt genau 1:1.

Orientierungsunkt "Delta"

Berthold Grünebaum von der DG Bank plädiert dafür, dass sich Anleger am Delta orientieren sollen. Es komme darauf an, dass sie sich klarmachten: nicht automatisch bei billigen Scheinen zugreifen. Das sind meist Papiere, die aus dem Geld liegen (bei Calls notiert der Kurs unter dem Basispreis). Denn dann sind die Deltawerte oft niedrig: Der Schein reagiert schwach auf Veränderungen der Aktie. Der Anleger darf sich dann nicht wundern, wenn die Aktie um zwei Prozent steigt, sein Schein aber vor sich hin dümpelt.

Um den Hebel aussagekräftiger zu machen, wird er mit dem Delta multipliziert. Die Profis sprechen dann vom effektiven Hebel, "Leverage" oder auch "Omega". Diese Kennziffer zeigt, welche prozentuale Kursentwicklung der Schein bei einer gegebenen Performance der Aktie erwarten lässt. Ein Problem für den Anleger ist allerdings: Delta und Hebel ändern sich ständig - entsprechend den Kursschwankungen der Aktie. Daher sollte der Anleger seine Investmententscheidung von Zeit zu Zeit überprüfen.

Wer Optionsscheine kauft, sollte auch die Theta-Werte unter die Lupe nehmen, rät Heß. Sie messen die Reaktion des Optionspreises auf die Restlaufzeit des Scheins. Der Theta-Wert führe dem Investor vor Augen, dass sein Schein bei fortschreitender Laufzeit an Wert verliert.

Schwankungsbreiten berücksichtigen

Bei der Auswahl der Scheine sollten Anleger darüber hinaus die impliziten Volatilitäten berücksichtigen; das sind die erwarteten Schwankungsbreiten der Basiswerte. Eine hohe Volatilität verteuert die Optionsscheine. Denn aufgrund der höheren Schwankungsbreite der Aktien steigen die Absicherungskosten der Bank am Terminmarkt; diese Kosten schlagen sich auch im Optionsscheinpreis nieder. Was Anleger wissen sollten: Turbulente Börsenzeiten gehen mit hohen Volatilitäten einher. Wenn sich die Börsen wieder beruhigen, gehen die Volatilitäten zurück. Dann sinken auch die Preise der Optionsscheine.

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