Optionsscheine zurzeit hoch bewertet
Achterbahnfahrt der Kurse kann teuer werden

Erst stark runter, dann wieder rauf, jetzt wieder runter. Die Aktienkurse schwanken seit den Anschlägen in den USA stark. Das kann sich bald ändern. Besonders Optionsscheinkäufer müssen fürchten, trotz richtiger Spekulation leer auszugehen. Manche Anlageprodukte sind jedoch gerade jetzt attraktiv.

DÜSSELDORF. "Schlimmer geht?s nimmer", dachten sich wohl viele Anleger und legten sich am Börsentiefpunkt nach den Attentaten Kauf-Optionsscheine (Calls) in ihre Depots. Die Spekulation auf steigende Notierungen erwies sich zwar als richtig, denn zumindest vorübergehend haben die Kurse ja tatsächlich zugelegt. Doch leider haben einige Anleger die Rechnung ohne die Schwankungsbreite der Kurse (Volatilität) gemacht. Da die Ausschläge weiter stark zurück gehen könnten, drohen statt der erhofften überproportionalen Gewinne teilweise sogar Verluste. Manche Papiere verlieren nämlich bei zurückgehenden Volatilitäten so stark an Wert, dass auch bei richtiger Kursspekulation kein Gewinn mehr übrig bleibt.

Schwankungen noch sehr hoch

Doch woran liegt es, dass die Volatilität bei Optionsscheinen so eine große Rolle spielt? Wer einen Call kauft, geht letztlich eine Wette ein. Er setzt darauf, dass die zu Grunde liegende Aktie ein festgesetztes Limit (Basispreis) deutlich überschreitet. Schwanken die Kurse stark, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies auch geschieht. Die Wette wird daher mehr wert. Umgekehrt wird sie billiger. Wer in Zeiten hoher Volatilität Optionsscheine kauft, geht das Risiko ein, bei geringer werdenden Schwankungen am Aktienmarkt Verluste zu erleiden. Genau dies ist zur Zeit der Fall. Starke Abwärtsbewegungen haben die Volatilität zuvor in die Höhe getrieben. Jetzt erwarten die Märkte leicht steigende Notierungen, was sich in einem Rückgang der Schwankungen ausdrückt.

Ein Blick auf den VDax zeigt, dass die Schwankungsbreite trotz des Rückgangs noch auf einem sehr hohen Niveau liegt. Der VDax gibt an, welche Volatilität die Marktakteure innerhalb der nächsten 45 Tage für den Dax erwarten. "Der VDax wird bald weiter sinken, einige Investoren haben zu schnell zugegriffen und die falschen Papiere gekauft", sagt Experte Dirk Heß von der Citibank.

Mit einigen Papieren können Anleger allerdings den drohenden Volatilitäts-Rückgang abfedern. Reinhard Bellet von der Deutschen Bank empfiehlt, jetzt solche Produkte zu bevorzugen, die eine lange Laufzeit haben und bereits "im Geld" liegen. Dies bedeutet, dass die Aktie bei Kaufscheinen bereits über dem Basispreis notiert. Wer etwa auf eine stetige Erholung der Lufthansa (aktueller Kurs: 10,45 Euro) setzt, kann zu einem Optionsschein mit einem Basispreis von 8 Euro und einer Laufzeit bis Dezember 2002 greifen. "Mit solchen Papieren kann man der Vola-Falle entgehen", sagt Bellet. Preis der größeren Sicherheit ist allerdings, dass solche Papiere nicht so dynamisch reagieren wie Scheine, bei denen der Basispreis noch in weiter Ferne liegt. Außerdem ist das Angebot teilweise noch recht gering, da viele Banken ihre Produktpalette noch nicht an das neue Kursniveau angepasst haben.

Esther Benamou von der Société Générale (SocGen) empfiehlt Anlegern ohnehin noch zu warten, bis die Volatilitäten wieder gesunken sind. "Auf dem niedrigen Niveau der Kurse bieten sich dann wieder interessante Spekulationsmöglichkeiten."

Discount-Zertifikate als Alternative

Viele Anlageexperten bringen derzeit Discount-Zertifikate als Alternative ins Gespräch. Bei diesem im Vergleich zu Optionsscheinen eher defensiven Instrument erwirbt der Anleger eine Aktie mit einem Rabatt, der umso größer ausfällt, je höher die Volatilität am Aktienmarkt ist. "Dies ist zurzeit natürlich ziemlich attraktiv", sagt Christine Dillinger von der BNP Paribas. Der Käufer profitiert allerdings nur bis zu einer Obergrenze von Kurssteigerungen der zu Grunde liegenden Aktie.

Beispiel Allianz: Wer die Aktie über ein Discount-Zertifikat erwirbt, zahlt dafür 203 Euro, das ist ein Rabatt von rund 17 % auf die aktuelle Notierung (243 Euro). Der Anleger profitiert allerdings nur bis zum Cap von 245 Euro von einer eventuellen Wertsteigerung. Wer Discount-Zertifikate kauft, erwartet einen stagnierende bis verhalten positiven Kursverlauf der Aktie.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%