Oracle ist kein Orakel – Intel schon
Wall Street nachbörslich

Ziemlich orientierungslos haben die US-Börsen die Woche begonnen. Zwei Tage lang ging es abwärts für Dow und Nasdaq, am Mittwoch suchte man sich Gründe, doch noch eine kleine Rallye zu rechtfertigen. Da kam eine Meldung von Oracle gerade recht.

NEW YORK. CEO Larry Ellison gab sich geradezu empört, nachdem Analysten die Performance seines Software-Unternehmens mehrfach angezweifelt hatten. "Wir hätten wohl eine Gewinnwarnung ausgesprochen, wenn das nötig gewesen wäre", blaffte er am späten Mittwochnachmittag und Anleger fraßen den Knochen. Das Sorgenkind der High-Tech-Branche schloss mit einem Plus von fast 10 % - und zog andere Aktien mit.

Dennoch weiß man auf dem Parkett, dass von Oracle weder auf lange Sicht noch marktbreit eine Trendwende an den US-Börsen einläuten könnte. Dies könnte viel eher Intel gelingen, wenn der Chipriese im Laufe des Donnerstags die richtigen Zahlen nennt. Das Quartals-Update dieses zur Zeit wichtigsten Tech-Unternehmens soll dem Markt eine Richtung geben, und Anleger wie Analysten sind im Vorfeld nervös. Am Montag fiel die Aktie, nachdem es kritische Stimmen aus dem Analystenlager gegeben hatte. Am Dienstag machte Intel mehr als 3 % an Boden gut, und am Donnerstag schien die Aktie gar keine Richtung zu finden: Hoch ging?s nach einer Empfehlung von Merrill Lynch, runter ging?s als Zweifel aufkamen an der Zukunft Intels im Bereich der Mobilfunkchips, von dem sich Anleger viel versprochen hatten, bevor sie enttäuschende Prognosen vom finnischen Handyriesen Ericsson vernehmen mussten.

Und nun? Nichts genaues weiß man nicht. Anleger und Analysten warten gespannt auf Zahlen, die den Markt bewegen könnten. Gefährlich wäre es, wenn die lange erwartete Konferenz zu einem Non-Event werden, wenn Intel sich nicht präzise zu den Erwartungen äußern würde. Das könnte durchaus passieren, denn der Chip-Riese macht den Löwenanteil seiner Umsätze im Juni, genaue Daten dürften also noch nicht vorliegen.

Sollte Intel sich positiv zu den Aussichten - bis Jahresende und darüber hinaus - äußern, dann dürfte der Markt zumindest bis zum Wochenende klettern. Der Arbeitsmarktbericht am Freitag sollte eine Rallye im Fahrwasser der Chips nicht gefährden, denn dass die Arbeitslosenquote auf einen weiteren historischen Höchststand klettert, ist ziemlich sicher. Einen Stand von 6,2 % erwarten Experten, und nach den jüngsten Entlassungsmeldungen sind auch ein paar Zehntel mehr eingepreist.

Abgesehen davon, dass der Markt auf Konjunkturdaten schon seit Wochen nicht mehr reagiert.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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