Oracle-Kurs bricht weiter ein und reißt SAP ins Minus
Software-Aktien stürzen ab

HANDELSBLATT FRANKFURT/M. Die wachsende Skepsis der Investoren gegenüber Technologie-Aktien bekommen nun auch Hersteller von Unternehmenssoftware zu spüren. Betroffen sind vor allem Anbieter von Programmen für Internetgeschäfte zwischen Unternehmen (B2B). Die Papiere des deutschen Softwareriesen SAP AG verloren gestern fast 8 % und zogen den gesamten Dax ins Minus.

"Im B2B-Sektor herrscht Ausverkaufsstimmung", kommentierte Bob Austrian, Analyst beim Investmenthaus Bank of America Securities, die Entwicklung. Auslöser für die SAP-Abschläge waren am Dienstag Kursverluste um 12 % beim SAP-Konkurrenten Oracle Corp. Gestern verlor Oracle schon kurz nach Handelsbeginn an der Technologiebörse Nasdaq erneut rund 10 %. Grund für den Kurssturz sind Vermutungen, dass das Unternehmen das bisherige Gewinnwachstum nicht aufrecht erhalten kann. Oracle-Chef Larry Ellison hatte auf einer Anwenderkonferenz darauf hingewiesen, dass wegen des Starts der neuen Datenbank-Software im nächsten Jahr die Umsätze dieser Sparte vorübergehend niedriger ausfallen könnten.

Die Analysten reagierten prompt. Marshall Senk, Analyst beim Investmenthaus Robertson Stevens, stufte die Aktie von "Kaufen" auf "langfristig attraktiv" herunter. Charles Wittman, Analyst beim Investmenthaus First Union Securities, senkte das Kursziel für Oracle von 95 $ auf 80$. Infolgedessen setzte am Dienstag ein Ausverkauf bei den großen B2B-Anbietern ein. Commerce One und i2 Technologies Inc. fielen seitdem um rund 15 %, PurchasePro.com um knapp 10 %. Selbst Ariba, die dem Internetabschwung bisher standgehalten hatten, mussten Abschläge hinnehmen.

Damit vollzieht sich ein weiterer Stimmungsumschwung im Technologiesektor. Bis vor kurzem hatten Aktien von Software-Anbietern im Bereich Business-to-Business als letzte Bastion unter den Internetunternehmen gegolten. "Ich vermute, da wurden querbeet Gewinne mitgenommen. Das trifft natürlich Aktien, die sich in den letzten Monaten gut gehalten haben", sagte Friederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank.

Fundamental gäbe es für die SAP-Abwertung keinen Grund, so Herkommer. "Ich erwarte bei den Neun-Monats-Zahlen nichts Bedrohliches." Auch Michael Bahlmann von der M.M. Warburg Bank & Co. und Jörg Natrop von der WGZ-Bank sehen keinen aktuellen Grund für die SAP-Kursschwäche. Allerdings könnten die Abschläge durchaus mit den üblichen Schwankungen im Vorfeld der SAP-Quartalszahlen zusammenhängen. Selbst bei Oracle ist die Meinung der Analysten gespalten. So gibt sich Hugh Anderson, Analyst beim Investmenthaus Bank of America, optimistisch. Er hält Oracles Aktienkurs für verlockend. Der Gewinn pro Aktie werde in den nächsten Jahren jeweils um mindestens 50 % wachsen. Auch Merrill Lynch bestätigte gestern sein bisheriges Kaufurteil.

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