Oracle, Siebel und Microsoft schwach
Wall Street nachbörslich: Software fällt, CIT kommt

Die High-Tech-Werte sind momentan das Sorgenkind der Börsen in den USA.

Ed Yardeni, der Chef-Stratege von Prudential Securities, geht mit gemischten Gefühlen ins dritte Quartal. Nachdem das zweite mit einem fürchterlichen Knall zu Ende gegangen ist und die Bilanzskandale um Worldcom und Xerox erneut das Vertrauen der Anleger in Corporate America erschüttert haben, sieht er doch Licht am Ende des Tunnels. Die nahende Ertragssaison werde wohl besser ausfallen als die Analysten bisher erwarten, unter anderem weil zahlreiche Unternehmen aus der Konsumbranche vom schwachen Dollar und guten Exportgeschäften profitieren würden.

Eine Ausnahme macht Yardeni: High-Tech-Aktien. Deren Gewinne seien noch sehr unsicher, die Branche jedoch umso anfälliger. Und kaum hatte der Stratege gesprochen, gaben ihm zwei Software-Schmieden recht: Rational und Advent. Bei Rational Software geht man davon aus, die Prognosen um runde 10 % zu verfehlen, beim Konkurrenten nimmt man Abstriche von rund 20 % vor. Völlig desillusioniert gibt sich unterdessen der Online-Programmierer THQ, der sich aus einer erfolglosen Partnerschaft in Großbritannien zurückzieht und dafür Kosten von 7 Cent pro Aktie in Kauf nimmt - auch hier sind die ursprünglichen Prognosen der Analysten unerreichbar geworden.

Es sind aber nicht nur die Kleinen, um die sich Anleger Sorgen machen. Dem allgemeinen Sturzflug nach Börsenschluss schlossen sich die Papiere von Oracle, Siebel und Microsoft an, die am Dienstag noch schwächer eröffnen dürften als sie am Montag aus dem Handel gegangen waren.

Auch ein Blick in andere Tech-Bereiche macht nicht eben Freude. Experten gehen zwar bislang davon aus, dass Research in Motion am Dienstag die Prognosen bestätigt, doch lauten die auf einen Verlust von 19 Cent pro Aktie. Research in Motion ist ein Hersteller von elektronischen Notizbüchern, so genannten Organizern, und damit Konkurrent von Palm und Handspring. Die webtaugliche Oberfläche Blackberry hat das Unternehmen noch nicht zum ganz großen Erfolg geführt.

Andere Unternehmen der High-Tech- und Computerbranche würden sich unterdessen wieder gerne ihren Quartalsergebnissen zuwenden, müssen sich aber weiter mit Gerüchten herumschlagen. IBM werde noch vor der Quartalskonferenz in zwei Wochen warnen, hieß es am Montag bereits am Nachmittag. Dieses Gerücht taucht mit historischer Regelmäßigkeit immer auf, bevor "Big Blue" Zahlen vorlegt. Die Aktie verliert ebenso wie Cisco. Den Netzwerkbetreiber sehen einige Analysten in einem undurchsichtigen Bilanzgeflecht, sie befürchten ein neues Enron-Worldcom-Xerox. Konkrete Hinweise darauf gibt es bislang nicht.

Die Folgen sind hingegen klar. Das Worldcom-Desaster habe den amerikanischen Aktienmarkt 5 % der Einlagen gekostet, hat Prudentials Ed Yardeni errechnet. Er hält das für "ein wenig übertrieben, aber nachvollziehbar." Schließlich habe der 4 Mrd. $ schwere Betrug dem US-Markt erneut einen nachhaltigen Dämpfer verpasst, das Vertrauen der Anleger sei vorerst dahin.

Das wiederum scheint den Börsengang von CIT nicht zu belasten: Der Finanzarm des Industrie-Multis Tyco, der wiederum Dauergast in der Gerüchteküche ist und aus allen Töpfen des Bilanz- und Betrugsverdachtes nascht, soll am Mittwoch erfolgen. Den Preis für die Anteile hat man am späten Montagabend auf 23 $ festgelegt.

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