Ordnungspolitik im Handelsblatt
Die Gefahren sind allgegenwärtig

Seit dem Eintritt in die Währungsunion und dem Übergang zur Gemeinschaftswährung sind mittlerweile mehr als fünf Jahre vergangen. Der Euro ist in dieser Zeit nicht nur zu einem Symbol für Europa geworden, er hat sich inzwischen auch international als eine starke Währung etabliert und bewährt.

In der gewerblichen Wirtschaft und an den Finanzmärkten hatte sich der Übergang zur neuen Währung schon Anfang 1999 weitgehend problemlos vollzogen. Auch der zum Jahresbeginn 2002 durchgeführte Umtausch von Noten und Münzen hat erstaunlich reibungslos funktioniert. Mehr als 300 Millionen Menschen in den Euro-Ländern und den Nachbargebieten haben den Euro rasch akzeptiert und die damit verbundenen Vorteile, insbesondere bei Reisen über nationale Grenzen hinweg, schätzen gelernt.

Die Europäische Zentralbank konnte in den ersten fünf Jahren ihrer Verantwortung für die gemeinsame Geldpolitik, ähnlich wie früher die Deutsche Bundesbank und auch andere nationale Zentralbanken, eine stabilitätspolitische Reputation aufbauen. Dass es der EZB gelang, das Preisniveau in der Währungsunion weitgehend stabil zu halten, ist auch für die künftige Einschätzung ihrer Politik, vor allem durch die internationalen Märkte, von großer Bedeutung.

Die interne Stabilitätsorientierung konnte den Außenwert des Euros allerdings erst im Laufe der vergangenen Jahre stärken. Im Wechselkurs einer Währung schlagen sich aber neben der Geldpolitik erfahrungsgemäß auch vielfältige andere Beurteilungen und Erwartungen nieder. So haben außerordentlich positive Markteinschätzungen der US-Wirtschaft in den Jahren 1999 bis 2001 den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Inzwischen belasten die beträchtlichen Defizite im öffentlichen Budget und in der Außenbilanz der USA den Kurs des Dollars. Das zeigt sich auch in der zwischenzeitlichen Stärke der europäischen Währung. Für die weitere Außenbewertung des Euros werden aber nicht nur die Entwicklungen in den USA, sondern auch die Erwartungen hinsichtlich der Wirtschaftsdynamik und der internen stabilitätspolitischen Konvergenz im Euro-Gebiet selbst eine wichtige Rolle spielen.

An den internationalen Finanzmärkten ist der Euro heute in nahezu allen Segmenten nach dem Dollar die zweitwichtigste Währung. Vor allem in den Nachbarregionen des Euro-Währungsgebiets spielt er mittlerweile eine bevorzugte Rolle bei Kreditbeziehungen und an den Devisenmärkten. Insgesamt lässt sich festhalten: Die gemeinsame Währung hat bisher nicht nur die Bedeutung ihrer Vorgänger übernehmen, sondern sie teilweise auch schon weiterentwickeln können.

Diesen Erfolgen stehen allerdings Herausforderungen gegenüber. In einigen europäischen Ländern haben sich über längere Zeit schwer wiegende Strukturprobleme aufgestaut. Das gilt in besonderem Maße für Deutschland. Der Arbeitsmarkt sowie das Sozial-, Bildungs- und Steuersystem bedürfen in unserem Land einer grundlegenden Erneuerung.

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