Organisation Abu Nidals zweifelt an Darstellung
Bagdad: Abu Nidal erschoss sich selbst

Der weltweit gesuchte Top-Terrorist Abu Nidal hat sich nach Darstellung des irakischen Geheimdienstes bei einem Polizeiverhör in seiner Wohnung erschossen. Damit habe er sich einem Prozess wegen illegalen Aufenthalts entziehen wollen.

dpa BAGDAD/KAIRO. Gleichzeitig teilte Geheimdienst-Chef Taher Dschalil el Habusch bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Bagdad mit, Abu Nidal habe "mit Unterstützung eines ungenannten Staates Aktionen geplant, die die Sicherheit des Iraks gefährden". Es bestehe aber kein Zusammenhang mit den derzeitigen US-Drohungen gegen den Irak, fügte er hinzu.

Die Organisation Abu Nidals widersprach dieser Darstellung. Die radikale palästinensische Splittergruppe Fatah-Revolutionsrat warf in einer in Beirut veröffentlichten Erklärung dem irakischen Geheimdienstes vor, ihren Gründer und Anführer ermordet zu haben. "Abu Nidal war ein sehr religiöser Mensch, der sich niemals das Leben genommen haben würde", heißt es in der Erklärung.

Auch die irakische Oppositionsgruppe Irakischer Nationalkongress (INC) sprach auf auf ihrer Internetseite von Mord. Präsident Saddam Hussein habe die Ermordung Abu Nidals angeordnet, da dieser in den Besitz von geheimen Informationen aus dem irakischen Sicherheitsapparat gelangt sei.

In Bagdad verbreiteten Beamte unterdessen Gerüchte, wonach Sabri el Banna, so der Geburtsname Abu Nidals, Beziehungen zu Kuwait unterhalten hat. Nach Angaben des Geheimdienstchefs hatten Sicherheitskräfte vor einigen Tagen die Wohnung Abu Nidals gestürmt, um ihn wegen eines illegalen Grenzübertritts zu verhören. Angeblich gestatteten sie ihm, sich in einem Nebenraum umzuziehen. Dort habe sich Abu Nidal eingeschlossen und mit einem Schuss in den Mund umgebracht, sagte der Geheimdienstchef.

Palästinensische Quellen berichteten dagegen, zwei irakische Wächter hätten ihn erschossen und mehrere seiner Anhänger festgenommen. Einige Mitglieder der Abu-Nidal-Gruppe seien am Dienstag über die Grenze nach Jordanien entkommen.

El Habusch zeigte am Mittwoch vor der Presse in Bagdad Fotos von der am Kopf mit Blut verschmierten Leiche des palästinensischen Terroristen sowie gefälschte Pässe und Waffen, die angeblich in der Wohnung des 65-Jährigen gefunden wurden. Die Sicherheitskräfte hätten auch ein verschlüsseltes Dokument entdeckt, das beweise, dass Abu Nidal Geld von einem ausländischen Geheimdienst erhalten habe. Erstmals räumte der Irak damit offiziell ein, dass Abu Nidal bereits seit 1999 im Lande gelebt hat. Er sei mit einem gefälschten jemenitischen Pass über die Grenze zu Iran ins Land gekommen.

Abu Nidals radikale Terrorgruppe, deren Hauptziel die Zerstörung des Staates Israel war, hatte seit in den 70er Jahren von der Fatah - Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat abgespalten. Auf ihr Konto gehen zahlreiche Anschläge gegen Juden, westliche Ziele und gemäßigte arabische Politiker, bei denen insgesamt rund 280 Menschen ums Leben kamen.

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