Organisation gibt Protestanten und London Schuld
IRA nicht mehr zur Entwaffnung bereit

Die nordirische Untergrundorganisation IRA hat ihr jüngstes Angebot zur eigenen Entwaffnung am Dienstag zurückgezogen und den Bemühungen um eine Rettung des Friedensabkommens für die Unruheprovinz damit einen neuen Rückschlag versetzt.

ap DUBLIN. In einer Erklärung an irische Medien hieß es, die jüngsten britischen und protestantischen Forderungen seien inakzeptabel. Schon am Wochenende war spekuliert worden, dass die IRA ihr Versprechen zurückziehen könnte, ihre Waffen unbrauchbar zu machen. In Kolumbien wurden unterdessen drei mutmaßliche IRA-Mitglieder festgenommen.

Der bisherige Erste Minister David Trimble und Vorsitzende der protestantischen Ulster Unionists (UUP) hatte den IRA-Vorschlag mit der Begründung zurückgewiesen, er traue nicht mehr Worten, sondern nur noch Taten der IRA. Erst wenn die Untergrundorganisation mit der Entwaffnung beginne, wolle er die Zusammenarbeit mit der IRA-nahen Sinn Fein fortsetzen. Die IRA erklärte nun, die UUP hätte den Vorschlag als ausreichend annehmen müssen. Die Ablehnung, "verbunden mit dem Stellen von Bedingungen, ist völlig inakzeptabel", hieß es in der Erklärung der IRA. Ebenfalls inakzeptabel sei die daraufhin folgende Handlungsweise der britischen Regierung, die ihre Verpflichtungen nicht erfüllt habe. "Daher sind die Bedingungen nicht gegeben, unseren Vorschlag aufrechtzuerhalten."

Ein Sprecher der UUP erklärte, die Tatsache, dass die IRA das Angebot so eilig zurückgezogen habe zeige, dass sie es mit der Entwaffnung nicht ernst meine. Dies und die Festnahme der Verdächtigen in Kolumbien deute darauf hin, dass die IRA kein Stück von der "Theologie des revolutionären Terrorismus" abgerückt sei, sagte Jeffrey Donaldson.

IRA-Mitglied in Kolumbien festgenommen

Die IRA hatte den Vorschlag ihrer Entwaffnung am vergangenen Donnerstag bekannt gegeben, zwei Tage vor Ablauf der Frist zur Wahl eines neuen Regierungschefs. Einen konkreten Termin für den Beginn der Waffenabgabe nannte die Untergrundorganisation jedoch nicht, auch blieb das genaue Verfahren offen. Der Leiter der internationalen Entwaffnungskommission (IICD), der kanadische General John de Chastelain, hatte den Vorschlag als zufrieden stellend bezeichnet.

Wie eine Sprecherin der kolumbianischen Armee am Montag mitteilte, handelt es sich bei den Festgenommenen um Sprengstoffexperten. Sie seien gefasst worden, als sie ein von linksgerichteten Rebellen kontrolliertes Gebiet verließen. Diese entmilitarisierte Zone war 1998 für die größte Guerillagruppe des Landes, die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), eingerichtet worden. Verbindungen zwischen der IRA und der FARC könnten nach Ansicht von Beobachtern den Friedensprozess sowohl in Nordirland als auch in Kolumbien schwer belasten.

Am Wochenende hatte die britische Regierung Nordirland mit einem Verfahrenstrick eine neue Frist zur Wahl eines Regierungschefs eingeräumt. Nach eintägiger Aussetzung der Regionalregierung legte Nordirlandminister John Reid in der Nacht zum Sonntag die Verwaltungsvollmacht für die nächsten sechs Wochen wieder in die Hände der nordirischen Parteien. Bis dahin müssen sie einen neuen Ersten Minister präsentieren, um den drohenden Verlust der Selbstverwaltung abzuwenden.

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