Organisationsstruktur soll gestrafft werden
Commerzbank will jede fünfte Filiale schließen

Die Commerzbank AG will nach den Worten ihres Vorstandssprechers Martin Kohlhaussen ihre Organisationsstruktur straffen und im Extremfall jede fünfte Filiale schließen. Das wären bis zu 200 Standorte.

dpa/afx/rtr FRANKFURT. "Wir wissen, dass wir nicht in allen Bereichen über die kritische Masse verfügen", sagte Kohlhaussen am Mittwoch anlässlich der Präsentation der Neun-Monats-Zahlen in Frankfurt. Ihr Filialnetz wolle die Commerzbank um bis zu 200 Filialen reduzieren. In vielen Bereichen arbeite die Bank aber so effektiv, dass keine großen Einschnitte der Personaldecke zu erwarten seien. "Wir werden versuchen, möglichst alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen", sagte der Vorstandssprecher.

Alle Aktivitäten sollen in den kommenden Monaten geprüft werden. Künftig werde es nur noch zwei große Unternehmensbereiche geben. Als Randaktivitäten seien unter anderem die Immobilien- und Leasing-Geschäfte der Bank ausgemacht worden. Diese seien zwar sehr erfolgreich, gehörten aber nicht unbedingt zum Kerngeschäft. Es sei geplant, Teile der Tochtergesellschaften aus diesem Geschäftsfeld zu verkaufen. Dies solle bevorzugt über die Börse geschehen. Allerdings sei auch geplant, Bereiche, denen die kritische Masse fehle, durch Akquisitionen oder Kooperationen zu stärken. Im Bereich Investmentbanking schließt die Commerzbank weitere Kooperationen oder Akquisitionen nicht aus. Im Bereich Asset Management sei die Commerzbank in Partnerschaft mit dem italienischen Versicherer Generali in den USA auf Partnersuche.

Commerzbank vor Rekordergebnis

In den ersten neun Monaten 2000 steigerte der Bankkonzern seinen Gewinn vor Steuern um fast 140 % auf 2,4 Mrd. Euro (4,7 Mrd. DM), teilte die Commerzbank AG mit. Damit hat Deutschlands viertgrößte Geschäftsbank ihr gesamtes 99-er Ergebnis in den ersten drei Quartalen schon fast verdoppelt.

Analysten hatten bis Ende September mit einem Zuwachs beim Vorsteuerergebnis von etwa 120 % binnen Jahresfrist gerechnet. Der Aktienkurs der Commerzbank legte am Morgen gegen den Börsentrend leicht um gut 1 % auf 33,75 Euro zu.

Commerzbank - Intraday-Chart

Unter dem Strich blieb dem Geldhaus ein Reingewinn von 1,4 Mrd. Euro. Dies waren knapp 130 % mehr als in den ersten drei Quartalen 1999. Die Steuerlast hat sich mit 931 Mill. Euro allerdings fast verdreifacht.

Vor allem der Börsengang der Direktbank-Tochter Comdirect füllte der Frankfurter Großbank kräftig die Kasse auf. Auf gut eine Milliarde Euro bezifferte die Commerzbank ihr sonstiges betriebliches Ergebnis. Fast 900 Mill. Euro davon stammen aus der Aktienplatzierung der comdirect.

"Deutlich über den Planzahlen"

Der Vorstand erwartet "auch für das gesamte Jahr 2000 ein gutes Ergebnis, das deutlich über den Planzahlen liegen wird", hieß es in der Pflichtmitteilung. Am Vormittag wollte Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen in der Frankfurter Konzernzentrale die Zwischenbilanz und die künftige Strategie des Kreditinstituts erläutern. Auch sein Nachfolger Klaus-Peter Müller, der Kohlhaussen im Mai 2001 an der Spitze der Commerzbank ablöst, wurde erwartet.

In allen Sparten konnte die Commerzbank in den ersten neun Monaten zulegen. Der Provisionsüberschuss stieg um mehr als ein Drittel auf gut 2 Mrd. Euro. Der Zinsüberschuss erhöhte sich trotz allgemein schwacher Margen um 8,1 % auf 2,6 Mrd. Euro. Auch im Eigenhandel konnte die Commerzbank drauflegen, und zwar um 22,3 % auf 751 Mill. Euro. Gleichzeitig stiegen die Verwaltungsaufwendungen um gut ein Fünftel auf 3,9 Mrd. Euro.

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