Organisatoren demonstrieren Gelassenheit
Millionen-Klagen lasten auf CHIO und WM 2006

Mit dem CHIO in Aachen wurde am Dienstag der Countdown für die Weltreiterspiele 2006 eingeläutet. In drei Jahren sollen die Weltmeisterschaften in sieben Reitsportdisziplinen in der Aachener Soers stattfinden. Doch über dem bedeutendsten Reitturnier der Welt und der WM 2006 liegt ein dunkler Schatten. Noch immer sind mehrere Schadenersatzklagen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 7,5 Millionen Euro anhängig. Müssten der Aachener Laurensberger Rennverein (ALRV) und die Aachener Reitturnier (ART) GmbH komplett zahlen, wären sie wohl pleite.

HB/dpa AACHEN. Die Organisatoren des CHIO versuchen trotz des Horror-Szenarios Gelassenheit zu demonstrieren. Nach dem bisher letzten Urteil des Oberlandgerichts Köln müssen sie lediglich 1,228 Millionen Mark (600 000 Euro) plus Zinsen zahlen. "Wir haben dafür Rücklagen gebildet", versichert ART-Geschäftsführer Michael Mronz. Die wirtschaftliche Existenz des Turniers, das in diesem Jahr einen Etat von 8,5 Millionen Euro hat, und die rund 35 Millionen teure WM sind nach Mronz' Ansicht nicht gefährdet.

In Sicherheit wiegen können sich die Turnierveranstalter nicht. Dennoch steht ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus. Der Ausgang sei "völlig offen", heißt es aus Karlsruhe dazu. Möglicherweise wird das Revisions-Verfahren gar nicht eröffnet. Aber im schlimmsten Fall müssen die CHIO-Organisatoren in voller Höhe (8,2 Millionen Mark) zahlen. Schon jetzt haben die gesamten Prozesskosten die Millionen- Grenze überschritten. Und beim Landgericht Aachen liegt eine weitere Klage über 3,58 Millionen Euro vor. Darüber soll nach Angaben eines Gerichtssprechers erst nach Abschluss des Karlsruher Verfahrens entschieden werden.

Die Rechtsstreitigkeiten reichen bis ins Jahr 1994 zurück. Damals hatten die Turnierorganisatoren Verträge mit dem Vermarkter Wolfgang Goetz und seiner Agentur Gesellschaft für Entwicklung von Medienprojekten (GEM) zum Ende des Jahres gekündigt. Zwar hatte Goetz die Einnahmen aus Sponsoring und Bandenwerbung in seiner rund vierjährigen Tätigkeit um mehr als 50 Prozent gesteigert. Allerdings ärgerte es das ALRV-Präsidium offensichtlich, dass Goetz dafür 40 Prozent Provision kassierte.

Goetz forderte nach der Kündigung zunächst 8,2 Millionen Mark Schadenersatz. Eine Summe, die ALRV-Präsident Klaus Pavel als "völlig überzogen" bezeichnet. Ende 2001 schob der ehemalige Vermarkter dann eine weitere Klage über rund 7 Millionen Mark nach. Das letzte Urteil, so steht zu befürchten, wird erst gesprochen, wenn die Weltmeister 2006 ihre Medaillen nach Hause gebracht haben.

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