Organisatoren zeigen sich offen für Kooperation mit Cebit
Computermesse Comdex blutet aus

Die Krise der IT-Branche drückt auch die Besucherzahlen auf der Computermesse Comdex in Las Vegas. Der Veranstalter Key3Media steht kurz vor dem Aus. Sony und Intel blieben dem Messegelände in diesem Jahr fern, und die Besucher machten sich vergeblich auf die Suche nach wirklichen Innovationen.

LAS VEGAS. Christian Averill von Samsung USA, war gerade mal einen halben Tag auf der Computermesse Comdex in Las Vegas, da musste er bereits Visitenkarten und Broschüren nachbestellen. "Nach allem Negativen, was ich im Vorfeld über die Comdex gehört habe, war ich auf einen ruhigen Tag eingestellt", sagte Averill. "Stattdessen bin ich busy, busy, busy."

Über solche Geschäftigkeit kann sich Kim Myhre, verantwortlich für das internationale Geschäft beim Comdex-Ausrichter Key3Media nur freuen. Schließlich steckt das Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten und muss möglicherweise noch in dieser Woche Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen. In den ersten 9 Monaten des Jahres machte Key3Media knapp 300 Mill. $ Verlust, im Vorjahreszeitraum wies das Unternehmen noch 14 Mill. $ Gewinn aus. Neben hohen Abschreibungen macht Myhre dafür vor allem die schlecht laufenden Messen verantwortlich. Deshalb versucht der Veranstalter, einen finanzkräftigen Partner zu finden oder von einem Mitbewerber gekauft zu werden. "Es ist noch zu früh, zu sagen, was mit Key3Media passieren wird", sagte Myhre zum Handelsblatt. Aber die Comdex werde es auch nächstes Jahr geben. Schließlich sei Comdex eine internationale Marke, mit der Key3Media inzwischen in 15 Ländern präsent sei.

Tatsächlich ist es für viele Besucher schwer vorstellbar, dass das Großereignis aus Las Vegas verschwinden könnte. Andererseits bauten die High- Tech-Konzerne Sony und Intel in diesem Jahr keine Messestände auf und hielten stattdessen Veranstaltungen in Hotels ab. Zudem bekommt die Comdex Konkurrenz durch die Deutsche Messe AG, die am 15. Juni in New York mit der Cebit USA startet. "Wir nehmen die Deutsche Messe AG ernst, glauben aber nicht, dass sie die Comdex ersetzen wird", sagte ein Messe-Manager, zeigte sich aber bereit zur Zusammenarbeit: "Wenn die deutsche Messe etwas gemeinsam mit uns in Las Vegas machen würde, wären wir dafür schon offen", sagte er. Es gebe aber keine Gespräche.

Und die Branchenkrise drückt die Besucherzahlen ohnehin. Aktuell rechnet Myhre mit 125 000 Besuchern - rund 25 000 weniger als im vergangenen Jahr, obwohl damals viele internationale Gäste nach den Terroranschlägen vom 11. September nicht mehr reisen wollten. Unerreicht bleibt das Niveau vom Jahr 2000, als 240 000 High-Tech-Fans in die Wüstenstadt Las Vegas pilgerten.

Da helfen auch Superstars als Besuchermagneten nicht viel. In diesem Jahr kamen Microsoft-Gründer Bill Gates und Carly Fiorina, die smarte Chefin des Computerkonzerns Hewlett Packard. Und selbst Hollywood-Schauspieler und Oscar-Preisträger Kevin Spacey reiste in die Spielerstadt, um seinen neuen Online-Dienst für Drehbuchschreiber und Filmemacher, Triggerstreet.com, persönlich vorzustellen. Sponsoren und Partner des Dienstes sind der Bierbrauer Anheuser-Busch und das Internet-Portal Yahoo. Sie setzen offenbar auf einen Imagegewinn durch die Zusammenarbeit. Auch HP-Chefin Fiorina setzt auf Image und präsentierte sechs Monate nach dem Zusammenschluss mit dem einstigen Rivalen Compaq eine neue entsprechende Kampagne des Konzerns. Die Kosten für "Plus HP - alles ist möglich" schätzen Marktbeobachter auf 300 bis 400 Mill. $. Analyst Steven Milunovich vom Investmenthaus Merrill Lynch glaubt allerdings, dass die Imagekampagne HP nicht stark genug gegen den Konkurrenten IBM abgrenzt. HP wolle für zu Viele zu Vieles darstellen und das verwirre die Investoren, schreibt Milunovich in einem Report.

Fiorina lässt sich indes auch durch die Wirtschaftsflaute nicht beirren: "Ich bin jetzt hoffnungsvoller, als ich es je war", sagte sie. "Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, dem Terror und einem möglichen Krieg." Worauf sie ihre Zuversicht stützt, war der Rede nicht zu entnehmen. Und auch die Messebesucher, die auf Produktneuheiten gewartet hatten, kamen bei Fiorinas Rede nicht auf ihre Kosten. Sie präsentierte einzig den neuen Tablet-PC und die neue Version des iPaq- Taschencomputers, der den Besitzer jetzt anhand des Fingerabdrucks erkennen kann. Überhaupt gibt es auf der Comdex wenig Innovatives. "Ich habe nichts wirklich Neues gesehen", sagte Messebesucherin Debbie Deline, Ingenieurin bei Sony, auf der Suche nach Neuheiten vor allem bei Geräten für den drahtlosen Zugang zum Internet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%