Organisierte Verbrechen bedrohen die Wirtschaft
Organisierte Kriminalität in Europa gewinnt immer mehr an Einfluß

Die Organisierte Kriminalität in Europas Metropolen gewinnt immer mehr an Einfluss über Politik, Unternehmen und Gesellschaft. Mit dem Zusammenwachsen der europäischen Staaten entsteht ein gemeinsamer Markt für Verbrecher, Drogendealer und Mafia-Mitglieder. Experten warnen vor der neuen Mafia. Die EU- Polizei Europol hat alle Hände voll zu tun.

dpa HAMBURG. Eine genaue Definition des «Schreckgespenstes» Organisierte Kriminalität fällt Experten zufolge schwer. Unterschiedliche Strukturen der Banden oder verschiedene Formen des Verbrechens erschweren eine Eingrenzung des Phänomens.

«Die Realität ist nicht so nett, dass sie sich in einen solchen Begriff übertragen lässt», sagte der mit Organisierter Kriminalität befasste Wissenschaftler von der Freien Universität Berlin, Klaus von Lampe. Eine Definition des Bundeskriminalamtes (BKA) ist seiner Auffassung nach nur eine «ganz grobe Orientierungshilfe». Eine seriöse Definition sei nicht möglich. Hierarchische Organisationen mit staats- oder unternehmensähnlichen Strukturen, seien ebenso Merkmale wie gut vorbereitete Straftaten, der Einsatz moderner Technik oder auch die Möglichkeit, Einfluss auf Politik und Gesellschaft ausüben zu können. Die Merkmale ließen sich jedoch nicht immer auf alle Formen organisierten Verbrechens übertragen.

Das BKA definiert Organisierte Kriminalität als von Gewinn- und Machtstreben bestimmte Begehung von Verbrechen, die jedes für sich oder als Komplex von erheblicher Bedeutung sind. Dabei müssen mindestens zwei Täter länger zusammenarbeiten. Gewalt oder Einschüchterung sowie der Versuch, Einfluss auf die Politik oder die Wirtschaft zu nehmen, gehören zu den Kriterien. Ausnahmen sind terroristische Aktionen.

Das Organisierte Verbrechen sei in jedem Fall viel komplexer als in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde, sagte von Lampe. Der Begriff sei «emotional aufgeladen». Die Menschen würden an Filme wie «Der Pate» oder Bilder aus dem Chicago der 20er Jahre denken. Dies sei jedoch nicht auf die bundesdeutsche Wirklichkeit übertragbar.

International agierende Verbrecherbanden drängen zunehmend in Unternehmen und Betriebe.

In Zentren des Organisierten Verbrechens wie Frankfurt, Berlin, Moskau, Wien oder London waschen Kriminelle ihre schmutzigen Gewinne und versuchen, Einfluss auf Politik oder Wirtschaft zu bekommen. Europa ist nach Angaben der europäischen Polizeibehörde Europol in Den Haag ein «gemeinsamer Markt auch für Verbrecher». Nach dem jüngst vorgestellten Lagebericht des Bundeskriminalamtes steigt die Zahl der Verfahren gegen organisierte Wirtschaftskriminalität in Deutschland seit 1998 stetig an. Im vergangenen Jahr gab es hier 103 Verfahren, nach dem Drogenhandel der größte Deliktbereich.

In Italien investiert die Mafia in legale Wirtschaftszweige, und in Russland haben Verbrecherbanden älteren Schätzungen zufolge bereits bei 50% der Privatwirtschaft und 60% der Staatsbetriebe die Finger im Spiel. Drogen-, Waffen- oder Menschenhandel: Trotz jüngster Erfolge und zunehmenden Drucks der Fahnder sehen europäische Ermittler auch bei anderen Formen des Organisierten Verbrechens keinen Grund zur Entwarnung, ergab eine Umfrage der dpa.

«Das Organisierte Verbrechen bedroht die wirtschaftlichen Grundlagen dieses Landes, und seine Tentakel reichen bis in die entlegensten Bereiche unserer Gesellschaft», sagte der Generaldirektor des britischen Nachrichtendienstes, John Abbott. Alleine in Großbritannien wird der Profit der Gauner auf jährlich 50 Mrd. Pfund (157 Mrd. DM/80 Mrd.

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