Orientierungspunkt für andere Wirtschaftszweige
Hintergrund: Chemie setzt erneut erste Tarifmarke

Die Chemie hat 2002 - wie schon vor zwei Jahren - die erste wichtige Tarifmarke gesetzt. Damit dürfte die vergleichsweise kleine Branche mit 580 000 Beschäftigten in Westdeutschland auch für andere Wirtschaftszweige einen Orientierungspunkt geben.

dpa HAMBURG. Der Metall- und Elektroindustrie mit bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten ist es dagegen abermals nicht gelungen, mit dem ersten Durchbruch der Tarifsaison die Marschroute vorzugeben.

Es folgt eine Auswahl der spektakulärsten Tarifkonflikte der vergangenen Jahre.

2000: Den ersten großen Abschluss bringt die Chemie unter Dach und Fach. Spektakulär ist die Einigung mit zweijähriger Laufzeit vor allem, weil der von der IG Metall damals verlangte Einstieg in eine "Rente mit 60" damit faktisch zu Fall gebracht wird. Gewerkschaft und Arbeitgeber der Chemie entwickeln stattdessen ihr schon früher vereinbartes Modell der Altersteilzeit weiter. Wenig später einigen sich auch die Metall-Tarifparteien auf einen Abschluss, der neben mehr Geld eine Fortentwicklung bestehender Altersteilzeitmodelle umfasst.

1999: Ein Streik in der Metall- und Elektroindustrie wird in letzter Minute abgewendet. In einem außerordentlichen Schlichtungsverfahren einigen sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in Baden-Württemberg unter Regie des Schlichters Hans-Jochen Vogel auf einen Tarifabschluss.

1996: Stellvertretend für viele andere Branchen entschärft die Metallindustrie den nach einer entsprechenden Gesetzesänderung entbrannten Konflikt um Kürzungen bei der bis dahin vollen Lohnfortzahlung bei Krankheit. Nach einer Serie von Warnstreiks, Protestaktionen und Streikdrohungen der Gewerkschaft einigen sich Arbeitgeber und IG Metall in Niedersachsen darauf, dass Kranke weiterhin den vollen Lohn bekommen. Erkauft wird dies allerdings unter anderem mit Abstrichen beim Weihnachtsgeld.

1995: Mit dem bislang letzten großen Streik setzt die IG Metall rund 4 % mehr Geld durch. Nach gescheiterten Verhandlungen legen Metaller in Bayern ihre Arbeit fast zwei Wochen lang nieder. Im Tagesdurchschnitt hatten 20 000 Streikende etwa 20 Betriebe lahm gelegt. In Urabstimmungen hatten 88,4 % für Streik gestimmt; das Verhandlungsergebnis wurde mit 73,5 % akzeptiert.

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