Ortung via Mobilfunknetz
Chip unter Kinderhaut beruhigt besorgte Eltern

Ein britischer Wissenschaftler will Eltern die Sorge um den Verbleib ihres Kindes nehmen. Er pflanzt einem elfjährigen Mädchen einen Mikrochip ein, der Signale sendet.

dpa LONDON. Ein britischer Kybernetik-Professor will elterliche Sorgen um den Aufenthaltsort ihrer Kinder mit Hilfe eines Mikrochips mindern. Nach einem Bericht der "Times" (Dienstagausgabe) will Professor Kevin Warwick (48) der elfjährigen Daniella Duval in Kürze einen Mikrochip unter die Armhaut pflanzen, dessen Signale von Mobiltelefon-Netzen empfangen werden können. Anschließend könne der Standort auf dem Computer wie der eines Handys festgestellt werden. Daniella wäre damit in Großbritannien das erste Kind, das auf diese Weise aufgespürt werden könnte. Ähnliche Ortungssysteme für Kinder bieten auch US-Firmen an.

Nach Angaben der "Times" will Warwick die Einpflanzung zum Kostenpunkt von 20 Pfund (32 ?) bei mindestens sechs weiteren Kindern vornehmen. Deren Eltern seien nach der Ermordung der zehnjährigen Holly Wells und Jessica Chapman im August in Cambridgeshire um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt. In den USA gibt es mit dem "Personal Locator" bereits ein elektronisches Armband zur Satellitenortung, das sich vor allem bei besorgten Eltern großer Beliebtheit erfreut. Auch ein entsprechendes Implantat wird beworben.

Warwick, der an der Universität Reading lehrt, hatte schon im Frühjahr von sich reden gemacht. Er hatte sich im April in einer zweistündigen Operation einen Elektronik-Chip mit 100 Elektroden einpflanzen lassen, um sein Nervensystem an einen Computer anzuschließen. So hofft der umstrittene Professor - wenn alles nach Plan geht - seine "Gefühle und Empfindungen" messen und aufzeichnen zu können. Auch Ehefrau Irena (53) will sich am Handgelenk Elektroden einsetzen lassen.

Führende Neurologen halten die neuen Methoden von Warwick allerdings für ein "reines Publicityunternehmen." Die Nerven, mit denen Gefühle übertragen würden, seien zu klein, um mit der heutigen Technik zu brauchbaren Ergebnissen zu kommen, erklärte Neurologieprofessor Steve McMahon im April zu den Experimenten Warwicks.

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