Osama bin Laden wird als Drahtzieher verdächtigt
Nahost gilt als Keimzelle des Terrors

Nicht erst seit dem Amtsantritt von Ariel Scharon als Regierungschef verfolgt Israel Terroristen sowohl im Lande selbst als auch außerhalb der Grenzen konsequent. Selbst für Außenminister Peres ist jetzt offensichtlich, dass nach den Ereignissen in den USA die Strategie im Kampf gegen den Terrorismus neu durchdacht werden muss.

ay DÜSSELDORF. Staaten und Organisationen des Nahen und Mittleren Ostens gelten als die Keimzellen des derzeitigen internationalen Terrorismus. Es sind nicht nur die radikalen palästinensischen und arabischen Organisationen wie Hamas oder Heiliger Krieg, die mit Attentaten drohen, es sind Staaten selbst, die im Verdacht der Unterstützung von Terroristen stehen.

Und nicht nur der "Schurkenstaat" Irak ist verdächtigt, sondern Iran, Syrien und Libyen erwerben nach einer Studie, die der US-Nachrichtendienst CIA am vergangenen Freitag dem amerikanischen Kongress vorgelegt hat, immer mehr Massenvernichtungswaffen. Zudem stockten diese Staaten ihr Arsenal an konventionellen Waffen weiter auf. Teheran arbeite beispielsweise daran, chemische, biologische und atomare Waffen zu entwickeln. Dabei erhalte das Land Hilfe aus Russland und China. Syrien versuche vermutlich, weitere Giftgase zu entwickeln. Der "radikale Islam", formulierte Israels Verteidigungsminister Ben-Elesier gestern, bedroht die Welt.

Afghanistan fehlt in dieser Liste des CIA, obwohl die dortigen fundamentalistischen Taliban ihre Aktionen längst nicht mehr auf ihr Land beschränken. Zu ihrem Tätigkeitsfeld gehört inzwischen Kaschmir, das zwischen Indien und Pakistan umstrittene Gebiet, und die ehemaligen südlichen Sowjetstaaten befürchten längst ein Übergreifen des Fundamentalismus von Afghanistan aus.

Die in Afghanistan herrschende radikale Taliban-Miliz weiß natürlich, dass sie jetzt zu den Hauptverdächtigten der USA für den New Yorker Anschlag gehört. Doch wenige Stunden nach den Anschlägen hat sie jede Verwicklung bestritten und die Tat verurteilt. Zugleich wiesen sie Mutmaßungen zurück, wonach der saudi-arabische Geschäftsmann Osama bin Laden Drahtzieher der Attentate sein könnte. Der weltweit als mutmaßlicher Terrorist gesuchte bin Laden genießt in Afghanistan Asyl. Der Botschafter der Taliban im benachbarten Pakistan, Abdul Salam Saif, sagte, bin Laden sei nicht in der Lage, derart gut vorbereitete Anschläge durchzuführen. Doch vor vor drei Wochen hatte bin Laden in einem Interview mit einem britischen Journalisten angekündigt, in den USA "einen noch nie da gewesenen Anschlag" zu verüben.

"Das Böse an sich"

Seit Jahren fällt unausweichlich fällt nach Anschlägen gegen amerikanische Einrichtungen der Name Osama bin Laden. Der aus Saudi-Arabien stammende 44 Jahre alte Geschäftsmann bin Laden ist für die Amerikaner so etwas wie das Böse an sich. Der Chefterrorist steht an erster Stelle der "Most-wanted"-Liste von FBI (und CIA); er lebt mit größter Wahrscheinlichkeit in Afghanistan, genießt dort nicht nur Asyl, sondern auch Schutz. Pakistanischen Zeitungsberichten zufolge versuchen amerikanische Spezialisten seit geraumer Zeit, von Pakistan aus bin Laden zu fassen, wie es heißt tot oder lebendig. Angeblich gibt es dazu ein stilles Einverständnis des Uno-Sicherheitsrates und der G8, der Gruppe der Industriestaaten. Seit Februar verhandelt ein Gericht in New York gegen bin Laden in Abwesenheit wegen internationaler Verschwörung gegen die USA.

Bin Laden wird für eine ganze Reihe von Anschlägen auf amerikanische Einrichtungen in aller Welt verantwortlich gemacht: 1. für die Bombenattentate auf Kasernen mit US-Marineeinheiten in al-Khobar in Saudi-Arabien 1997, 2. auf amerikanische Botschaften in Tansania und Kenia im Oktober 1998 und 3. auf das US-Kriegsschiff "USS Cole" vor einem Jahr vor der jemenitischen Küste. Bei diesen Anschlägen wurden mehr als 200 amerikanische Soldaten und Botschaftsangehörige getötet und mehrere Tausend Menschen verletzt.

Washington fordert seit langem von Afghanistan die Auslieferung bin Ladens - erfolglos, was die Hauptursache für das eingefrorene Verhältnis zwischen beiden Staaten ist. Die USA bestehen auf drei Bedingungen, die bei diversen Treffen mit Taliban-Vertretern in Pakistan immer wieder gestellt wurden: Auslieferung bin Ladens, Schließung der von bin Laden organisierten Ausbildungslager für "islamische Glaubenskämpfer" und Schließung der Schmuggelwege für Drogen zwischen Afghanistan und Pakistan. Angeblich ist die dritte Forderung weit gehend erfüllt. In den Ausbildungslagern unter dem Namen der Terrororganisation "al Qaida" sollen seit neun oder zehn Jahren mehrere Tausend Anhänger in der Guerilla-Kriegsführung ausgebildet worden sein. Bin Laden wird auch zugeschrieben, dass er vor allem nach dem Verfall der Sowjetunion versucht haben soll, Material zur Herstellung von Atomwaffen zu kaufen.

Warum bin Laden sich zum fanatischen Glaubenskämpfer entwickelt hat, der in den USA seinen Hauptfeind sieht, ist nicht geklärt. Auf jeden Fall dürfte er vielfacher Millionär, wenn nicht Milliardär sein: Sein aus dem Jemen stammender Vater, der vor allem wegen guter Beziehungen zum saudischen Königshaus viele Aufträge und damit Provisionen erhielt, war höchst erfolgreicher Bauunternehmen in Saudi-Arabien.

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