Osama bin Ladens Tod löst das Problem nicht
Nahost-Experte Scholl-Latour skeptisch

Der Nahostexperte Peter Scholl-Latour beurteilt die Erfolgsausssichten der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan skeptisch. Scholl-Latour stellte auch den militärischen Sinn der amerikanischen Luftschläge in Frage.

ap MAINZ. Der Nahostexperte Peter Scholl-Latour beurteilt die Erfolgsausssichten der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan skeptisch. Im ZDF kritisierte der Publizist und renommierte Kenner der arabischen Welt am Sonntagabend, es konzentriere sich alles zu sehr auf eine Person. Zwar sei durchaus möglich, dass Osama Bin Laden durch Verrat ausgeliefert oder auch getötet werde. Das aber löse das Problem nicht.

Scholl-Latour stellte auch den militärischen Sinn der amerikanischen Luftschläge in Frage. Die Taliban hätten ja keine klassische Luftabwehr, weshalb es keinen Sinn mache, die Flughäfen von Kabul und Kandahar zu bombardieren. Offenbar hofften die Amerikaner mehr auf den psychologischen Effekt der gewaltigen Detonationen. Taliban und Terroristen seien aber "absolut mobil".

Ausgesprochen kritisch äußerte sich Scholl-Latour auch zur Nordallianz gegen die Taliban in Afghanistan. Mehrere ihrer Führer seien verschiedentlich gekauft worden. Der neue Chef der Nordallianz habe seinerzeit mit dem sowjetfreundlichen Nadschibullah-Regime zusammengearbeitet, ein anderer Führer sei ein Killer, der mit den Russen kooperiert habe. Und der ebenfalls mit ihnen verbündete Militärführer Gulbuddin Hekmatyar, den er sehr gut kenne, sei nicht weniger fundamentalistisch als Bin Laden, warnte Scholl-Latour.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%