Oscar für "In der Hitze der Nacht"
Rod Steiger gestorben

Rod Steiger, Oscar-Preisträger und Hollywoodveteran, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit seiner Rolle als rassistischer Polizist in dem Drama "In der Hitze der Nacht" holte sich der Schauspieler 1967 einen Oscar als bester Darsteller.

HB LOS ANGELES. Rod Steiger, Oscar-Preisträger und Hollywoodveteran, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Nach US- Medienberichten vom Dienstag starb der Amerikaner nach einer Gallenblasenoperation an den Folgen von Lungenentzündung und Nierenversagen in einem Krankenhaus in Los Angeles. Steiger hatte seit den 50er Jahren in mehr als 100 Filmen mitgespielt.

Mit seiner Rolle als rassistischer Polizist in dem Drama "In der Hitze der Nacht" holte sich der Schauspieler 1967 einen Oscar als bester Darsteller. Seinen Durchbruch als Charakterdarsteller hatte er 1954 an der Seite von Marlon Brando in dem Drama "Die Faust im Nacken". In seiner langjährigen Film- und Fernsehkarriere porträtierte Steiger häufig berühmte historische Figuren, darunter Napoleon, Rudolf Hess, Mussolini und Al Capone.

Von Napoleon bis Al Capone - Rod Steiger verkörperte mächtige Männer

Die Frage, wie er gerne sterben würde, beantwortete Rod Steiger einmal in typischer Hollywood-Manier: "Am liebsten gar nicht, nur vor laufender Kamera hätte ich nichts dagegen." Diese Vorstellung des Oscar-Preisträgers ging aber nicht in Erfüllung. Am Dienstag (Ortszeit) starb Steiger im Alter von 77 Jahren nach einer Gallenblasenoperation in einem Krankenhaus in Los Angeles an Nierenversagen und einer Lungenentzündung.

Mit Steiger hat die Filmwelt einen eigenwilligen Darsteller verloren, der das Handwerk des Charakterschauspielers glänzend beherrschte, in den Rollen von Bösewichten und berühmten Persönlichkeiten brillierte und gleichzeitig von Depressionen und Selbstzweifeln gequält wurde.

Er selbst beschrieb sich als "nervösen Typ", der anfangs nur die Schauspielschule besuchte, "weil da die ganzen Mädchen waren". Doch sein wandlungsfähiges Talent und seine intensive Ausstrahlung zeigten sich spätestens 1953 in dem Drama "Die Faust im Nacken" unter der Regie von Elia Kazan an der Seite von Marlon Brando. Zur Belohnung gab es eine Oscar-Nominierung. Eine weitere holte sich Steiger 1965 in der Rolle eines Holocaust-Überlebenden in Sidney Lumets Drama "Der Pfandleiher", den Steiger als seinen besten Film bezeichnete.

Doch Höhepunkt seiner Karriere wurde der Klassiker "In der Hitze der Nacht" (1967), gekrönt mit einem Oscar für die beste Hauptrolle. Steiger beeindruckte als rassistischer Südstaaten-Sheriff neben Sidney Poitier.

Am liebsten schlüpfte Steiger in die Rollen historischer, oft machtbesessener Persönlichkeiten. Für Film und Fernsehen porträtierte er Napoleon, Mussolini, Pontius Pilatus, Al Capone, Rudolf Heß, aber auch Papst Johannes XXIII. Während er auf der Leinwand starke Männer mimte, bekannte sich Steiger im Privatleben zu Selbstzweifeln und Depressionen. Offen setzte er sich für psychisch Kranke ein und zog sich in seinen Tiefphasen immer wieder aus dem Showgeschäft zurück. Offen kritisierte der Charakterdarsteller auch die Hollywoodstudios und Kollegen, die "nur noch am Geldverdienen interessiert" seien und hielt an seinen Prinzipien fest.

Wiederholt kehrte er Hollywood den Rücken zu und wirkte in europäischen Produktionen mit. In der deutschen Verfilmung des Thomas-Mann-Romans "Der Zauberberg" schlüpfte er 1982 in die Rolle des Mijnheer Peepercorn.

Der am 14. April 1925 im US-Staat New York geborene Steiger verließ bereits als 16-Jähriger das zerrüttete Elternhaus, um seiner alkoholsüchtigen Mutter zu entkommen. Nach einem Marine-Einsatz im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach New York zurück und schloss sich einer Theatergruppe an. Ihm gelang der Sprung an das berühmte Actors Studio, wo er an der Seite von Marlon Brando, Karl Malden und Eva Marie Saint sein Handwerk lernte. Um Al Capone zu spielen habe er dessen Autobiografie gelesen, alte Zeitungen studiert und sich gefragt, was dieser Mann eigentlich wollte, erklärte Steiger in einem Interview seine gründliche Vorbereitung für große Rollen.

Auftritte als Liebhaber und Herzensbrecher zählten nicht zu Steigers umfangreichen Repertoire, doch im wirklichen Leben spielten Frauen eine große Rolle. Fünf Mal war der zweifache Vater verheiratet, darunter zehn Jahre lang mit der britischen Kollegin Claire Bloom. Im Oktober 2000 gab der inzwischen schwergewichtige und kahlköpfige Filmstar sein letztes Ja-Wort.

In der schwarzen Komödie "Der Himmel von Hollywood" (2001) unter der Regie des deutschen Filmemachers Sönke Wortmann spielt Steiger einen alten Oscar-Gewinner, der sich mit der Installation von Alarmanlagen über Wasser hält. So schlecht ist es Steiger trotz Depressionen und Drehpausen nie ergangen. Mit größeren Produktionen wie "Mars Attacks" und "End Of Days - Nacht ohne Morgen" fand er in den 90er Jahren wieder zu erfolgreichen Filmen zurück.

Rückblickend bezeichnete Steiger es als seine dümmste Karriere- Entscheidung, die ihm 1969 angebotene Titelrolle des General Patton abgelehnt zu haben. Als Kriegsgegner wollte er nicht Gefahr laufen, einen Film zu drehen, der den Krieg verherrlichen könnte. George C. Scott, der am Ende den US-Panzergeneral spielte, wurde dafür mit einem Oscar ausgezeichnet, den er jedoch ablehnte. Der eigenwillige Steiger war wieder einmal seinen Prinzipien treu geblieben, obwohl er in der Rolle des Helden bestimmt geglänzt hätte.

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