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Oskar Voldemort

Von ANDREAS RINKE Alle Harry-Potter-Fans wissen es: Im Zauberinternat Hogwarts darf man vieles, aber eines auf keinen Fall - nämlich den Namen des Bösen aussprechen, den des Oberspitzbuben Lord VOLDEMORT.

Von ANDREAS RINKE

Alle Harry-Potter-Fans wissen es: Im Zauberinternat Hogwarts darf man vieles, aber eines auf keinen Fall - nämlich den Namen des Bösen aussprechen, den des Oberspitzbuben Lord VOLDEMORT. Die Angst vor seiner Macht und Schreckensherrschaft ist zu groß. Selbst in der Zaubererzeitung "Der Tagesprophet" wird Voldemort konsequent nur mit "Du-weißt-schon-wer" oder "Er, dessen Name nicht genannt werden darf" bezeichnet.

Passend zum Erscheinen des 6. Bandes der Harry-Potter-Serie hat sich nun die Spitze der deutschen Sozialdemokratie dieses Exorzisten-System abgeschaut. Auch sie will den Gegner dadurch bannen, dass sie seinen Namen nicht mehr ausspricht. Machen Sie den Test: Sie werden kein Interview von Bundeskanzler Gerhard Schröder in den vergangenen Wochen finden, in dem dieser den Namen Lafontaine in den Mund nimmt. Auch SPD-Chef Franz Müntefering hält sich daran. Der Kanzler spricht nur noch von "den Figuren" oder "diesen beiden Gesellen" , wobei er neben Lafontaine Gregor Gysi meint.

Das liegt am bitteren Beigeschmack, den der Saarländer beim Aussprechen seines Namens auf die Zunge von Sozialdemokraten zaubert, sagen Kenner. Jedenfalls ist er durch seine SPD-Zerlegungsstrategie zur Unperson mutiert. Man kann sich richtig vorstellen, wie partei-gläubige SPD-Spitzenpolitiker bei einem unbeabsichtigten Treffen in panischer Abscheu und Abwehr die Finger vor dem Gesicht kreuzen, um nicht vom Populismus infiziert zu werden. Fern aller politischer Differenzen ist der persönliche Hass mittlerweile so groß, dass eine rot-rot-grüne Koalition tatsächlich unvorstellbar scheint.

Ein Vorteil hat dies für Wähler und Journalisten: Wir müssen uns erst wieder Sorgen um ein Linksbündnis machen, wenn Schröder und Müntefering eines Tages den Namen "Lafontaine" doch wieder aussprechen sollten. Achten Sie darauf!


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