Ostbarometer bricht drastisch ein
Deutschland steht am Rande der Rezession

Der Handelsblatt-Frühindikator ist im Oktober zum vierten Mal in Folge gefallen. Das zeigt: In Deutschland liegt die Erholung der Konjunktur auf Eis, dem Land droht ein neuer Abschwung. Selbst im besten Fall dürfte die Wirtschaft nur im Zeitlupentempo wachsen.

HB DÜSSELDORF. Kein Licht am Ende des Tunnels: Die Aussichten für die deutsche Konjunktur haben sich weiter verschlechtert. Der Handelsblatt-Frühindikator ist im Oktober den vierten Monat in Folge zurückgegangen. "Die deutsche Wirtschaft steht am Rande einer Rezession", kommentiert Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Universität Münster, der den Indikator entwickelt hat.

Besonders düster ist das Bild in Ostdeutschland: Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die neuen Länder fiel wie auch schon im September wie ein Stein zu Boden - es sank auf minus 0,7 % nach plus 0,1 % im September. Innerhalb von nur zwei Monaten ist das Barometer damit um 1,1 Punkte eingebrochen. Auch der Indikator für Gesamtdeutschland ist von seinem Höchststand weit entfernt. Im Oktober signalisiert er ein Wachstum von 1,1 % in gleitender Jahresrate, im Juni waren es noch 1,7 %.

Und schlimmer noch: Der derzeitige Indikator-Stand dürfte den tatsächlichen Wachstumstrend deutlich überzeichnen. Denn in den ersten Monaten des laufenden Jahres beflügelte vor allem eines den Handelsblatt-Frühindikator: der schier überschäumende Optimismus in der Industrie. Doch die tatsächliche Geschäftslage weigerte sich hartnäckig, den positiven Zukunftserwartungen der Unternehmen zu folgen. Kein Wunder, dass die Stimmung in der Industrie nun wieder auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet ist. Der zu Jahresbeginn von vielen gesehene Aufschwung blieb damit rein virtueller Natur. Um so größer - und für die Konjunktur gefährlicher - ist jetzt die Enttäuschung bei Unternehmern und Verbrauchern.

"Eine grundlegende Konjunkturerholung liegt in Deutschland aller Voraussicht nach vorerst auf Eis", betont van Suntum. Selbst im besten Fall sei in den nächsten Monaten nur mit äußerst moderatem Wachstum zu rechnen. Und falls die Weltwirtschaft ins Stocken gerät, drohe Deutschland das Abrutschen in eine neue Rezession - denn eine Trendwende bei der lahmenden Binnennachfrage ist noch immer nicht in Sicht.

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