Osteuropa etabliert sich als attraktiver Standort für die Softwareentwicklung und Outsourcing
Konkurrenz für indische IT-Dienstleister

Osteuropa auf dem Weg zum High-Tech-Zentrum: Wer bei der Kundenbetreuung oder der Software-Entwicklung Geld sparen will, blickt derzeit nach Osteuropa. Neben dem Offshoring, der Verlagerung von Geschäftsprozessen in asiatische Länder, hat sich das Nearshore-Outsourcing für vor allem für deutsche Unternehmen zu einer echten Alternative entwickelt.

Beispiel Rumänien: Dort wird sich der Markt für IT-Services in den kommenden Jahren rasant entwickeln, erwarten die Berater von Pierre Audoin Consultants (PAC). Rund 450 IT-Firmen bieten dort ihre Dienste an. Nach dem Exodus der Fachkräfte in die USA oder nach Westeuropa zwischen 1989 und 2001 kehren viele nun zurück, um bei heimischen Firmen als erfahrene Projektmanager zu arbeiten.

Gleichzeitig machen die Marktforscher von Forrester Research einen Boom für russische Service-Unternehmen aus. Das Volumen des russischen Marktes für Auftragsentwicklung von Software beziffern sie auf 250 bis 300 Mill. Dollar - PAC geht in Rumänien bereits von rund 146 Mill. Euro aus.

Der Vergleich zum Vorreiter Indien, dass die osteuropäischen Märkte noch am Anfang stehen. Rund um Bangalore und Hyderabad werden mit Offshore-Leistungen jährlich rund 9,5 Mrd. Dollar umgesetzt. Doch die osteuropäischen Auslagerungspartner holen auf. IT-Fachleute in Moskau und Bukarest, sprechen häufig deutsch oder französisch - für viele Entscheider ist das ein wichtiger Faktor. Hinzu kommt, dass osteuropäische Offshore-Un - ternehmen auf hochwertige Leistungen wie Software-Entwicklung und-Management spezialisiert sind. Beim Wettbewerb um globale Großaufträge ist das von Vorteil. "Im Offshore-Bereich wurde viel Lehrgeld gezahlt", sagt Karsten Leclerque, Berater bei PAC. "Es hat sich gezeigt: Je tiefer es in die Prozesse geht, desto komplizierter ist es, Leistungen herauszugeben."

Das musste auch der Computerhersteller Dell erkennen, der einer der eifrigsten Nutzer von Offshore- Leistungen ist: unter anderem in Panama, Marokko und in der Slowakei. Bei der Auslagerung des Kundendienstes für Optiplex-Desktops und Latitude-Notebooks scheitere das Unternehmen. Das zuständige Call Center in Indien beriet die Kunden so schlecht, dass die Service-Einheit in die USA zurückverlagert wurde. McDonald?s lehnte es IBM gegenüber von vorne herein ab, de facto aus der Ferne betreut zu werden. Die Fast-Food-Kette beendete im Februar Verhandlungen mit Big Blue über die Auslagerung des Finanz- und Rechnungswesens. "IBM wollte 70 Prozent der Finanz- und Rechnungsbearbeitung in Offshore-Länder auslagern", wird Jerry Calabrese, Leiter der Shared Services Unit bei McDonald?s zitiert. "Doch das war uns zu riskant." Peter Hermann, Deutschlandchef des internationalen IT-Dienstleisters Logica CMG, versteht die Vorsicht der Entscheider: "Sie wissen, dass auch ihr Kopf auf dem Spiel steht, wenn ein unvorsichtig ausgewählter Dienstleister Fehler macht.

Zwar gibt es immer noch neue spektakuläre Offshoring-Abkommen wie die Vereinbarung zwischen Shell sowie IBM und dem indischen Software-Exporteur Wipro. Die Abteilungen Buchhaltung und Marketing des Ölkonzerns sollen im Zuge des eine Milliarde Dollar schweren Geschäfts in Zukunft von Indien aus mit IT-Dienstleistungen versorgt werden. Shell will außerdem bis zu 2 800 von 9 300 Stellen im IT-Bereich in den USA und Westeuropa streichen. Doch auch der Nearshore-Markt boomt: Unternehmen wie Motorola, SAP, Siemens, und Tetra Pak lassen in Russland derzeit extrem komplexe Anwendungen wie Content Management Systeme entwickeln.

Die bestehenden indischen Dienstleister geraten unter Druck: Infosys, Wipro oder Satyam Computer müssen ihren Technikern immer mehr zahlen, um sie bei der Stange zu halten. Gleichzeitig kopieren westliche Wettbewerber die Erfolgsrezepte. "Offshore-Leistungen spielen für uns eine wachsende Rolle", sagt Hermann von Logica CMG. Bei der Einführung eines SAP-Systems bei einem europäischen Großkunden setzt Logica CMG zum großen Teil auf billige indische Software- Entwickler. Viele Mitbewerber reagieren ähnlich. Accenture will die Beschäftigtenzahl in Indien bis Ende des Jahres auf 10 000 verdoppeln. Ähnliche Pläne verfolgen IBM und Hewlett-Packard.

Die indische Anbieter reagieren darauf, indem sie ihrerseits Standorte in osteuropäischen Ländern wie Tschechien, Ungarn oder Polen aufbauen. So eröffnete etwa Tata Consultancy Services im vergangenen Jahr ein Zentrum für Software- Entwicklung in Budapest mit rund 160 Ingenieuren. Die Backoffice- Sparte des Softwarekonzerns Infosys will in Tschechien ein Call Center mit rund 150 Beschäftigten einrichten.

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