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Ostfriesischer Seebär ging vor 25 Jahren in Angola an Land

Benguela (dpa) - «Commandante Hein» ist hart im Nehmen. Seit der Ostfriese vor mehr als einem Vierteljahrhundert in Angola vor Anker gegangen ist, hat der Auricher Käpt'n Hein Heldt ein wild bewegtes Leben in dem ehemaligen afrikanischen Bürgerkriegsland geführt.

Benguela (dpa) - «Commandante Hein» ist hart im Nehmen. Seit der Ostfriese vor mehr als einem Vierteljahrhundert in Angola vor Anker gegangen ist, hat der Auricher Käpt'n Hein Heldt ein wild bewegtes Leben in dem ehemaligen afrikanischen Bürgerkriegsland geführt.

Als Regierungsberater, Flugzeugverkäufer, Handelsvertreter und Kapitän hat er sich in dem einst streng kommunistisch geprägten Staat zu einer Zeit durchgeschlagen, als Westdeutsche noch überaus skeptisch beäugt wurden. Zwei Jahre nach dem Ende des knapp drei Jahrzehnte währenden blutigen Konflikts arbeitet er heute in Benguela am kulinarischen Aufbau des afrikanischen Staates mit.

«Germania» heißt das Restaurant, das der 57-Jährige als Anlaufpunkt für die ins Land strömenden ausländischen Facharbeiter betreibt. «Eigentlich mache ich es nur aus Liebhaberei», lässt der Graubart geflissentlich fallen. Denn der Ex-Kapitän, der sich selbst als «Commandante» bezeichnet, hat auch zwei Jahre nach seiner vorzeitigen Pensionierung noch viele Eisen im Feuer. Neben einer Consulting-Firma gehören zwei Flugzeuge am Flughafen Benguela dazu. Die stehen dort seit den letzten Kriegstagen. Hein Heldt ist überzeugt, dass UNITA-Rebellen bei einem letzten Aufbäumen Flughafen und Flugzeuge attackiert haben.

Das Fahrwerk und ein Triebwerk haben Handgranaten-Splitter abbekommen. Die Versicherung will jedoch nicht zahlen, weil die Regierung von «Viehdieben» als Täter sprach. Heldt: «Deshalb stehen die Maschinen nutzlos herum». Sollte der international ausgefochtene Rechtsstreit zu seinen Gunsten ausgehen, will er neuere Modelle kaufen, um sich damit im aufstrebenden Nachkriegs-Angola am Boom zu beteiligen. Der kommt momentan durch Amerikaner, Franzosen, Norweger und Italiener zu Stande, die in Scharen im Lande auftauchen. Das Öl- Geschäft brummt, und die Facharbeiter wollen nicht nur transportiert werden, sondern auch in Benguela gut essen und trinken. Und da ist Käpt'n Heins «Germania» bisher konkurrenzlos.

Seine Landsleute sieht er dagegen selten. «Wo sind meine Landsleute aus Ostfriesland, die nach neuen Chancen suchen?», fragt er sich. Tagtäglich hat der «angespülte» Seemann mit Problemen zu kämpfen: «Wir haben hier Spitzenleute, aber die haben fast alle keine Ausbildung. Was wir hier bräuchten, wäre eine Berufsschule», meint er. Zu Hause in Aurich erzählt er jedoch nur wenig über seine zweite Heimat. «Ist viel zu kompliziert, das versteht da eh keiner.» Spätestens nach dem vierten angolanischen «Cuca»-Bier beginnt Commandante Hein Seemannsgarn zu spinnen. Von damals erzählt er dann, als er weit und breit der einzige Schiffskommandant war, der mit seinem Schiff nur drei Tage vor dem Hafen Luanda auf Reede lag, bis die Ladung gelöscht wurde.

«Irgendwann wurde dann der damalige Transportminister auf mich aufmerksam und bot mir einen Beraterposten an», sagt der Seebär. Mit glänzenden Augen berichtet er, wie er Luandas Hafenbetrieb auf Vordermann brachte und dafür sogar einen Orden bekam. Klar war auch Abenteuerlust im Spiel. Und Heimweh? Hein Heldt winkt ab: «In Deutschland würde ich mehr Ruhe haben, hier dagegen kann ich mich noch so richtig aufregen», lächelt er und ergänzt verschmitzt: «Außerdem gibt es hier die schönsten Frauen Afrikas. Das hält jung.»

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