Ostseestadion ausverkauft
Völler streicht Lehmann aus USA-Aufgebot

Jens Lehmann muss auch in der Nationalmannschaft eine Zwangspause einlegen, der Dortmunder "Sünder" erhielt aber von Teamchef Rudi Völler zugleich einen Freifahrtschein zur WM.

dpa FRANKFURT/MAIN. Der ungeliebte Torhüter, der nach einem bösen Tritt gegen den Freiburger Soumaila Coulibaly vom DFB für vier Bundesliga-Spiele gesperrt worden ist, fehlt zwar im 24-köpfigen Aufgebot für den Weltmeisterschafts-Test am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) gegen die USA in Rostock. Doch von Suspendierung oder Rausschmiss könne nicht die Rede sein, betonte Völler: "Das ist absoluter Käse. Wenn die Leistungen und alles andere stimmen, wird er mit zur WM fahren", legte sich der 41-Jährige fest.

Völler will die Nichtnominierung von "Sünder" Lehmann mehr als Schutzsperre statt als Strafmaßnahme verstanden wissen. "Er hat eine Dummheit gemacht und ist bestraft worden - basta", unterstrich Völler, der Lehmann eigentlich im sechsten Länderspiel gegen die USA einen Einsatz reserviert hatte. Denn in Absprache mit Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld verzichtet er im zweiten WM-Test des Jahres 2002 auf die Nummer eins, Oliver Kahn. "In Rostock lässt ihn Völler pausieren, weil er dort das Thema Lehmann nicht haben will", erläuterte Völler-Intimus Rainer Calmund die Hintergründe der Entscheidung im Fall des Dortmunders.

Offenbar fürchtet Völler weitere negative Stimmung gegen seinen Torhüter Nummer zwei, zumal der in Rostock schon zwei Mal (1999/2000) "Rot" gesehen hatte. "Den Oscar der Beliebtheit wird Jens Lehmann nicht mehr gewinnen", weiß der Teamchef um das arg ramponierte Image des 32-Jährigen. Etwas habe der miese Fußtritt gegen Coulibaly zwar seine Nominierung für das USA-Spiel mit beeinflusst, gab Völler zu. Doch aus eigener leidvoller 18-jähriger Profierfahrung könne er auch mit Lehmann fühlen. "Er hat sich bei uns immer tadellos benommen. Das ist als zweiter Mann nicht immer so einfach. Ich will ihn schützen."

Manchmal müsse man in so einer Situation "aus der Not eine Tugend" machen, formulierte Diplomat Völler. "Es ist eine Möglichkeit, den dritten Torwart rauszufiltern", erhob er das Rostocker Match damit praktisch zum Ausscheidungsspiel um das WM-Ticket zwischen dem Leverkusener Hans-Jörg Butt und dem Bremer Frank Rost. Möglicherweise werden beide im mit 28 835 Zuschauern längst ausverkauften Ostseestadion je eine Halbzeit lang im "Kasten" stehen. Für Rost wäre es das Nationalmannschafts-Debüt, Butt durfte schon im Juni 2000 gegen Liechtenstein eine Halbzeit ran. Eine Entscheidung über die Nummer drei will der Teamchef nach dem Länderspiel am 17. April in Stuttgart gegen Argentinien fällen.

Wegen Verletzungen fehlen in Rostock aus dem Kandidatenkreis der WM-Fahrer Carsten Jancker, Mehmet Scholl (beide FC Bayern) und Marko Rehmer. Auch Rehmers Berliner Vereinskollege Sebastian Deisler ist noch nicht wieder dabei. Für den Hertha-Spielmacher, der nach fünfmonatiger Zwangspause am Samstag im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg vor seinem Comeback steht, aber gebe es keinerlei Deadline, um die WM-Chancen zu wahren. "Er wird noch einige Spiele für Hertha absolvieren", ist sich Völler sicher. Schon gegen die USA kehrt trotz fehlender Spielpraxis und neuer Blessur der Münchner Alexander Zickler in den Kreis der Nationalelf zurück.

In den Dunstkreis der DFB-Auswahl, die sich am Sonntag an der Ostseeküste versammelt, rückte mit Thomas Brdaric urplötzlich ein neuer Name. Völler ist "hocherfreut" über die Leistungsexplosion des ehemaligen U21-Spielers bei Bayer Leverkusen. Angesichts seiner Sorgen im Angriff räumte der Teamchef sogar ein: "Im Hinblick auf die WM bleibt er im Hinterkopf." Seinen 23-Mann-Kader für die WM-Endrunde vom 31. Mai bis 30. Juni muss Völler am 21. Mai benennen.

Eine Ausbootung für die WM würde "Sünder" Lehmann selbst auch als unfair empfinden, weil sich auch andere Spieler ähnlicher Vergehen schon schuldig gemacht hätten. "Wenn man die Geschichte mit mir generalisieren würde, dürfte fast keiner mehr mit nach Japan fahren. Kein aktueller Profi kann sich davon freisprechen, nicht mal in eine Situation zu geraten, die ihm eigentlich nicht passieren dürfte", sagte der Dortmunder in einem Interviews mit dem "Kicker". Lehmann hat sich inzwischen für sein Fehlverhalten mehrmals entschuldigt und gelobte Besserung: "Selbst wenn mir einer das Bein bricht, werde ich versuchen, mich zu beherrschen", sagte er.

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