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Oststrategie von E.ON sorgt weiter für Fantasie

vwd DÜSSELDORF. Ende Oktober/ Anfang November ging es bei E.ON auf einmal sehr schnell: In nur zwei Wochen übernahm der Düsseldorfer Energieriese in Rumänien das Gasunternehmen Distrigaz Nord, in Bulgarien zwei Stromversorger und in Ungarn die Gassparte des MOL-Konzerns. Hinzu kam noch die Bewerbung um zwei regionale Stromgesellschaften in Rumänien. In gezielten kleinen und mittelgroßen Expansionsschritten erobert der Dax-Konzern derzeit in OstEuroopa einen Markt nach dem anderen. Auch ohne die jüngsten Zukäufe steht E.ON dort inzwischen für knapp 30 Prozent des gesamten Strom- und Gasmarktes. Im Jahr 2000 waren es nicht einmal 5 Prozent gewesen.

Ein Ende des Expansionshungers scheint noch nicht absehbar. Im Gegenteil: Noch bei der Vorlage der jüngsten Zwischenbilanz im November hatte der Vorstandsvorsitzende Wulf H. Bernotat angekündigt, E.ON wolle sich in der Region auch mittel- bis längerfristig weiter nach Wachstumsmöglichkeiten umsehen, um Größenvorteile und Synergien zwischen Strom und Gas zu nutzen.

Russland-Engagement könnte an Konturen gewinnen

E.ONs Blick in den Osten wird auch 2005 für Aufmerksamkeit und Interesse sorgen. Im Fokus vieler Anleger steht dabei vor allem das in vielen Punkten noch unklare Russland-Engagement des Konzerns. Zwar hatte E.ON schon im Juli eine Absichtserklärung für eine vertiefte Zusammenarbeit mit Gazprom unterzeichnet. Konkrete Vereinbarungen auf den vier in Blick genommenen Geschäftsfeldern liegen aber noch nicht vor. Für Fantasie - auch an der Börse - sorgen heute aber schon die mögliche Beteiligung an einem westsibirischen Gasfeld, der Bau einer Pipeline durch die Ostsee oder auch die Beteiligung von E.ON am russischen Strommarkt.

Viele Analysten glauben daher, dass bei der E.ON-Aktie - im Gegensatz zu den Titeln des Essener Konkurrenten RWE - auch 2005 noch Spielraum für Kurswachstum sein wird. Die Titel beider Unternehmen hatten in diesem Jahr bereits Steigerungsraten von 30 Prozent bis 40 Prozent verzeichnet. Im Gegensatz zu RWE hat E.ON für weitere Akquisitionen und auch für größere Wachstumsschritte aber noch das nötige Kleingeld. Zudem kann der Düsseldorfer Strom- und Gasversorger 2005 noch auf Buchgewinne durch weitere Desinvestitionen hoffen. Zumindest die Immobilientochter Viterra - davon gehen die Marktbeobachter fest aus - wird E.ON im kommenden Jahr abgeben.

E.ON von Regulierung stärker betroffen als RWE?

Große Fragezeichen setzen die meisten Analysten derzeit noch hinter das Thema Regulierung. Trotz des weiter unklaren gesetzlichen Rahmens für die künftige Kontrolle des deutschen Strom- und Gasmarktes gehen aber viele Beobachter davon aus, dass E.ON stärker noch als RWE von der neuen Aufsichtsbehörde betroffen sein wird. Grund hierfür ist die überragende Stellung der Tochter Ruhrgas auf dem deutschen Gasmarkt. Und auch E.ON wird sich eventuell die zum Jahreswechsel angekündigten Preiserhöhungen beim Regulierungsstart noch einmal nachträglich genehmigen lassen müssen.

Richtig große Sorgenfalten dürfte allerdings auch dies den Aktionären nicht bereiten. Denn zum einen hatte der Vorsitzende Bernotat jüngst vor voreiligen Spekulationen über die anstehende Regulierung gewarnt und betont, dass mögliche Einflüsse durch die neue Aufsichtsbehörde bereits in den Finanzzielen des Konzerns enthalten seien. Zum anderen können sich die Anleger wohl auch 2005 über ein starkes operatives Strom- und Gasgeschäft freuen - und eventuell sogar über eine Sonderdividende. Eine solche hatte Bernotat angesichts der erwarteten Erlöse aus dem Viterra-Verkauf und der ebenfalls abzugebenden Degussa-Beteiligung schon wiederholt in Aussicht gestellt.

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