Outplacement-Beratung
Starthilfe geben

Entlassungen ramponieren Image und Betriebsklima. Unternehmen könnten das aber verhindern: Wenn sie gefeuerten Mitarbeitern bei der Jobsuche helfen.

HB DÜSSELDORF. Im Oktober 1998 sahen die 900 Beschäftigten des Lörracher Großversandhauses Schöpflin erst einmal schwarz. Das Mutterhaus, die Quelle AG, hatte das Aus des Betriebes zum August des folgenden Jahres verkündet. Auf die Mitarbeiter wartete eine Arbeitslosenquote von mehr als 12 % im Kreis Lörrach. Ein vergleichbares Unternehmen in der Region gab es nicht. Regionale Protestaktionen waren an der Tagesordnung, die Kirchen initiierten Boykottaufrufe gegen Quelle.

Was in einer solchen Situation oft übersehen wird: Nicht nur die Arbeitnehmer leiden unter Betriebsschließungen, sondern auch der Arbeitgeber. "Massenentlassungen rücken ein Unternehmen unweigerlich in ein negatives Licht", sagt die Kölner Personalberaterin Tanja Baum.

Es droht ein Imageverlust, wenn die Unternehmensspitze nicht versucht entgegenzusteuern. Ein Unternehmen, das sich für seine Mitarbeiter verantwortlich fühlt und entsprechend handelt, steht in der Öffentlichkeit besser da als eins, das sich mit einem Schulterzucken von seinen Mitarbeitern verabschiedet.

Im Fall Schöpflin reagierte der Konzernvorstand von Quelle sofort: Eine Outplacement-Beratung sollte die qualifizierten Kräfte so schnell wie möglich an den Arbeitsmarkt weitervermitteln. Für die weniger Qualifizierten handelten Betriebsrat und Gewerkschaft mit dem Vorstand eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) aus. Rund 320 Mitarbeiter konnten so an maßgeschneiderten Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, nachdem Schöpflin die Tore geschlossen hatte.

Häufig müssen derartige Initiativen vom Arbeitnehmer ausgehen. "Man braucht Mitarbeiter, die den Arbeitgeber über die Abfindung hinaus in die Verantwortung nehmen wollen", betont Gerd Vetter, stellvertretender Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi Südbaden. Die Arbeitgeber jedoch erkennen zunehmend den Nutzen von Maßnahmen wie Outplacement-Beratungen und BQG - nicht nur für den gekündigten Arbeitnehmern, sondern vor allem auch für die Unternehmen.

Produktivität bis zur Schließung aufrechterhalten


Imagepflege ist dabei nur ein Grund von vielen. Arbeitnehmer, die an einer Outplacement-Beratung oder einer BQG teilnehmen, müssen beispielsweise auf Kündigungsschutzklagen verzichten. Folge: Der Trennungsprozess verkürzt sich, ebenso wie die Restlaufzeiten der Verträge, wenn der Arbeitnehmer vorzeitig eine andere Stelle findet.

"Wer die Mitarbeiter systematisch unterstützt, sich neu zu orientieren, trägt auch dazu bei, die Produktivität bis zur Schließung aufrecht zu erhalten", sagt Outplacement-Berater Herbert Mühlenhoff. Das könne vor allem im Dienstleistungssektor wichtig sein. Außerdem sende der Arbeitgeber ein wichtiges Signal an die verbliebenen Mitarbeiter aus: Dass das Unternehmen bis zuletzt seiner Fürsorgepflicht nachkomme und Wert auf eine gute Trennungskultur zwischen Unternehmen und Angestellten lege.

Die Siemens AG geht noch einen Schritt weiter: Der Bereich IC Networks bietet Mitarbeitern "New- Placement-Beratungen" an. Außerdem unterstützt er sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit - das alles, ohne vorher Kündigungen auszusprechen. Bis Ende 2003 muss der Konzern weltweit 16 500 Stellen abbauen. "Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen und das darauf folgende gesetzlich festgelegte Prozedere zu vermeiden", erklärt Unternehmenssprecher Andreas Fischer.

Dafür müssen die Arbeitgeber jedoch auch Geld in die Hand nehmen, denn Outplacement-Beratungen und BQG sind teuer. Üblich sind solche Maßnahmen deshalb vorrangig in größeren Unternehmen, und zwar in solchen denen es "grundsätzlich gut geht", sagt Berater Mühlenhoff.

Doch auch mittelständische Betriebe würden sich mittlerweile verstärkt für Trennungsmanagement interessieren. "Die Verlierer", sagt der auf die Arbeitnehmerseite spezialisierte Anwalt Wolfgang Stather, "sind die gekündigten Mitarbeiter kleiner Unternehmen, die nicht das Geld für solche Angebote haben".

Trennungsmanagement steckt noch in den Kinderschuhen

Mehr als 27 000 Personen bezogen vergangenes Jahr "Strukturkurzarbeitergeld". Das heißt, sie waren in einer BQG beschäftigt. "Die Tendenz ist steigend", fürchtet Roland Wolf, Leiter der Arbeitsrechtsabteilung der deutschen Arbeitgeberverbände. Das kann der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater nur bestätigen: An Outplacement-Beratungen nahmen vergangenes Jahr 15 300 Personen teil. Das waren immerhin 2 550 mehr als im Vorjahr.

Trotzdem steckt das Trennungsmanagement in Deutschland in den Kinderschuhen, kritisiert Mühlenhoff. "In Frankreich ist die Outplacement-Beratung das Bestandteil des Sozialplans, in Deutschland leider immer noch Verhandlungssache". In diesem Punkt ist er sich mit Arbeitnehmervertreter Stather einig: "Moderne Sozialplanpolitik heißt nicht maximale Abfindung, sondern aktive Vermittlung in den Arbeitsmarkt."

TIPPS: Was tun nach der Kündigung?

Es ist die schlimmste Situation nach der Kündigung: Eigentlich ist man schon draußen - aber nicht freigestellt. Rechtlich haben Gekündigte sehr wenig Möglichkeiten, sich am Arbeitsplatz um eine neue Stelle zu kümmern. Der Mitarbeiter kann lediglich während der Arbeitszeit zum Arbeitsamt oder zu einem Bewerbungsgespräch gehen. Bei folgenden Schritten muss er fragen:
1. Ob er freigestellt wird und wenn ja, ob er während dieser Zeit bezahlt wird oder nicht,
2. Ob er seinen Computer während der Arbeitszeit nutzen kann, um Bewerbungen zu schreiben,
3. Ob er an Bewerbungstrainings beim Arbeitsamt während der Arbeitszeit teilnehmen kann und trotzdem seinen Lohn erhält.
Gute Voraussetzungen für eine Unterstützung sind: ein großes Unternehmen, ein starker Betriebsrat, eine gute Unternehmenskultur.

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