Outsourcing als Lösungsweg: Airports suchen Ausweg aus öffentlichem Dienst

Outsourcing als Lösungsweg
Airports suchen Ausweg aus öffentlichem Dienst

Der wachsende Wettbewerbsdruck im Luftverkehr bringt auch die deutschen Verkehrsflughäfen unter Zugzwang. Angesichts sinkender Erträge versuchen die Airports, ihre Kosten zu beschneiden. Als erster tritt der Flughafen Düsseldorf, drittgrößte Drehscheibe hinter Frankfurt und München, die Flucht nach vorne an und gliedert 1 000 der rund 2400 Beschäftigten in eine Tochtergesellschaft aus.

HB DÜSSELDORF. "Wir sind auf dem Weg von öffentlich-rechtlichen Strukturen hin zu industriellen Standards", beschreibt Rainer Schwarz, Chef der zu 50 % privatisierten Flughafen Düsseldorf GmbH, sein Restrukturierungsprogramm. Zum 1. Mai sollen die Mitarbeiter für die Bodenverkehrs- und Gepäckdienste in die Tochter überführt werden. Sie genießen weiter die Privilegien des öffentlichen Dienstes, doch sie arbeiten dafür zwei Stunden pro Woche länger. "Am Anfang war sehr viel Streit, doch wir haben zugestimmt, um die vorhandenen Arbeitsplätze zu sichern", sagte Betriebsratsvorsitzender Jürgen Berger dem Handelsblatt. Auch Peter Büddicka von der Dienstleistungsgesellschaft Verdi sieht das so. "Unsere Clearingstelle wird morgen voraussichtlich ihre Zustimmung zum neuen Tarifvertrag geben." Denn er sichere auch weiterhin wesentliche Bestandteile des öffentlichen Dienstes.

Die anhaltende Ertragskrise in der Luftfahrt werde nicht nur den Airport in Düsseldorf zwingen, "mit großen Schritten eine Anpassung an die Kosten zu erreichen", urteilt Dieter Schneiderbauer, Verkehrsexperte der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting. Die Deregulierungs-Politik der EU werde den Prozess beschleunigen.

So denkt auch die Flughafen München GmbH intensiv über neue Wege nach. "M-Power - fit für die Zukunft" heißt das Programm. Erträge steigern und Kosten minimieren, heißen die Ziele. Auch Auslagerung und Privatisierung sind kein Tabu, sagt Flughafenchef Michael Kerkloh: "Um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens langfristig zu erhalten, kann auch eine solche Option nicht ausgeschlossen werden." Mittelfristig strebe das Unternehmen an die Börse.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat bereits eine Tochter für den Frachtbereich gegründet, die ab 1. Juli rund 600 Beschäftigte übernimmt, berichtete Fraport-Vorstand und Arbeitsdirektor Herbert Mai. Er verwies auf derzeit laufende bundesweite Verhandlungen der Flughafenarbeitgeber mit Verdi zur Modernisierung des öffentlichen Dienstrechtes. "Der Wettbewerb drückt uns, wir brauchen flexiblere Arbeitszeiten und leistungsgerechte Bezahlung."

Das Düsseldorfer Modell sieht vor, neben der 100 %-igen Bodenverkehrstochter ein zweites Unternehmen zu gründen. Diese Firma, an der die Flughafengesellschaft nur noch 49 % halten will, wird Personal für die Abfertigungsdienste einstellen - billiger als im öffentlichen Dienst. Potenzielle Partner sind schon ausgeguckt. Es könnten die auf dem Airport tätigen Dienstleister Klüh oder Wisser sein. Schwarz nennt noch keine Namen: "Wir stehen in Verhandlungen."

Der Flughafenchef betont, dass seine immer wieder betonte "Bereitschaft zur Veränderung" weiter gilt. Die Ausgliederungen würden zwangsläufig "Anpassungen im Overhead-Bereich" nach sich ziehen. Und es werde untersucht, ob andere Unternehmensteile auszugliedern oder in Joint- Ventures mit privaten Partnern profitabler zu betreiben seien. Betriebsrat Berger befürchtet eine weitgehende Zerschlagung. Er sieht zwar Wettbewerbsdruck bei den Bodenverkehrsdiensten, nicht aber in anderen Bereichen. "Man kann nicht immer Firmen finden, die alles billiger machen."

Quelle: Handelsblatt Nr. 045 vom 04.03.04 Seite 11

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