Outsourcing bringt nur in bestimmten Bereichen Ersparnisse
Kein Allheilmittel

Viele Betriebe erhoffen sich von der Verlagerung bestimmter Tätigkeiten auf externe Spezialisten geringere Kosten. Doch gelegentlich trügt diese Hoffnung. Wir zeigen, worauf Sie achten sollten.

Die Entscheidung eines mittelständischen Betriebes des metallverarbeitenden Gewerbes war gefallen: Teile der bisher im eigenen Werk angefertigten Produkte wurden an einen externen Spezialisten vergeben. Erwartete Kosteneinsparung: 23 Prozent. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Die Abstimmungsprozesse und Korrekturen an den vorgegebenen Leistungsvereinbarungen erforderten derart viel Aufwand, dass mit Mühe eine Kosteneinsparung von knapp 17 Prozent erreicht wurde.

Kein Einzelfall: Viele Betriebe erhoffen sich von der Verlagerung bestimmter Tätigkeiten auf externe Spezialisten geringere Kosten. Doch gelegentlich trügt die Hoffnung, denn bei extern vergebenen Fertigungsleistungen schlägt sich der Koordinierungsaufwand häufig in höheren Fertigungsdurchlaufzeiten nieder. Und die wiederum können die erwartete Kosteneinsparung zunichte machen. Zu dieser Einschätzung kommt das Fraunhofer für Systemtechnik und Innovationsforschung-Institut ISI in Karlsruhe.

Zudem fand das Institut heraus, dass sich auch bei der Produktentwicklung höhere Eigenanteile auszuzahlen scheinen, vor allem in FuE-intensiven Betrieben: "Ein weiteres Outsourcing bei Forschung und Entwicklung könnte hier eher schaden als nutzen", warnt Dr. Steffen Kinkel, Projektleiter am Fraunhofer-ISI. Laut Kinkel ist die zögerliche weitere Verbreitung des Outsourcing daher verständlich. So sank der Anteil der Eigenleistung in der Fertigung lediglich von 77 Prozent (1999) auf 75 Prozent (2001), in der Entwicklung stieg er von 67 Prozent (1999) auf 69 Prozent (2001) sogar an. Entwicklung und Fertigung in Eigenregie haben damit für die Firmen nach wie vor einen hohen Stellenwert. Spitzenreiter mit 85 Prozent Fertigungstiefe ist die Chemische Industrie, den Outsourcing-Rekord halten die Hersteller von Metallerzeugnissen mit Fertigungstiefen von 56 Prozent. Steffen Kinkel warnt davor, dem viel gepriesenen Vorbild der Automobilindustrie mit Fertigungstiefen von 30 Prozent und weniger blind nachzueifern. "Outsourcing befindet sich zwar auf dem Vormarsch, ist aber kein Allheilmittel für alle Branchen."

Das gilt, wie bereits erwähnt, besonders für das Outsourcing von Forschung und Entwicklung. Bei Unternehmen, die diese Aufgaben im eigenen Unternehmen belassen, liegt der Anteil neuer Produkte am Umsatz deutlich höher als bei Unternehmen, die Forschung und Entwicklung an andere Firmen delegieren. Gerade FuE-intensive Betriebe mit einem Anteil der Ausgaben für FuE am Umsatz von mehr als fünf Prozent erreichen mit 27 Prozent den höchsten Umsatzanteil mit neuen Produkten, wenn sie einen hohen Eigenanteil ihrer FuE im Haus halten. Kinkel plädiert deshalb bei kleinen und mittleren Unternehmen für neue Kooperationsmodelle, die Entwicklungs- und Fertigungsleistungen in einem Netzwerk dort ansiedeln, wo die größte Kompetenz besteht, ohne die Fähigkeit zur Eigenleistung zu gefährden.

Mit kritischen Äußerungen zu Outsourcing-Fehlern anderer Manager zitierte der deutsche Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik den Chef des Pharmaherstellers Sanofi, Jean-François Dehecq, im Mai dieses Jahres: "Wer nach draußen gibt, kontrolliert nicht mehr." Die EDV übernimmt sein Unternehmen selbst, die Produktionslinien ebenfalls. Werden Überstunden notwendig, arbeiten alle im Unternehmen. Dehecq: "Machen Sie das mal mit Fremdfirmen." In der Forschung macht Sanofi es genau so. Damit bleiben die Firmengeheimnisse im Haus, und die Verantwortlichen wissen, was gut und schnell auf den Markt kommen kann. Externe Forschung kommt nur ergänzend in Frage. Dehecq warnt deshalb davor Synergien nur dort zu sehen, "... wo Köpfe rollen." Seit der Fusionierung mit Synthélabo 1999 habe das Unternehmen 4.000 Beschäftigte mehr, "weil wir gewachsen sind".

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