P-Aktien sind Chinas neue Börsen-Sternchen
Aktien chinesischer Privatunternehmen erfordern starke Nerven

Chinesische Privatfirmen überflügeln die Kurse börsennotierter Staatskonzerne. Manche Analysten glauben, mit den Small- Caps sei auf Dauer gutes Geld zu verdienen. Doch taugen die Aktien nicht für Anleger mit schwachen Nerven.

HONGKONG. Seit einem halben Jahr ist die Buchstabensuppe chinesischer Aktienklassen um einen Begriff reicher: Nach A-, B-, H- und N-Werten kommen nun P-Aktien in Mode. UBS Warburg widmet den "Private-Chips" sogar einen Index. Er umfasst zwölf Titel chinesischer Privatunternehmern, die den USA und in Hongkong gelistet sind. Seit Anfang 2001 erreichten die Werte Kursgewinne von 43 %; H-Aktien brachten es auf 8 %, Red-Chips trugen 18 % Verlust ein. Glaubt man UBS Warburg, wird sich die Performance der P-Aktien dank der Dynamik privaten Unternehmertums nicht als Eintagsfliege erweisen.

Typische P-Werte sind vier bis sechs Jahre jung, auf eine Nische fokussiert und agieren in Wachstumsbranchen. In einem Schwellenland wie China können das auch Schlachthöfe, Gemüsezucht oder Gasverteilung sein. "Private Chips sind das beste, was die Volksrepublik zu bieten hat", schwärmt Joe Zhang, Chef des UBS-China-Researchs. "Bis 2005 und darüber hinaus werden sie sich als Lieblinge des Markts erweisen." Zhangs Begründung: P-Werte steigern ihre Gewinne schnell, denn sie schaffen sich eigene Märkte, treten in fragmentierten Branchen als Konsolidierer auf oder füllen ein Vakuum, wo Staatskonzerne kollabieren. Privatunternehmen schaffen bereits 40 % des Bruttoinlandsprodukts.

Doch Vorsicht: Zhang kann auch eine Grusel-Liste denkbarer Risiken bei P-Werten herunterbeten: Vetternwirtschaft, Intransparenz, autoritäre Führung, Mangel an internen Kontrollmechanismen, geringe Marktkapitalisierung, usw. Der Analyst warnt: "Anleger sollten diese Unternehmen wie Wagniskapital-Projekte behandeln". Hoch auf seiner Kaufliste rangieren die Gaslieferanten Xinao Gas und Wah Sang Gas. Sie bauen Erdgasnetze in Provinzstädten auf. Xinao und Wah Sang seien Beispiele für Unternehmen, die sich selbst einen Markt schaffen. Ein weiterer Liebling Zhangs: Chaoda Modern Agriculture. "Eine Gemüsefarm, klingt nicht aufregend", gibt er zu, "aber Agrarfabriken gehört in Chinas rückständiger Landwirtschaft die Zukunft".

Auch wenn es keine Technologie-Titel sind: P-Aktien taugen nicht für schwache Nerven. Zwei der Index-Werte sind in den vergangenen Wochen eingebrochen. Den Absturz des Orchideenzüchters Euro-Asia hat Zhang mit ins Rollen gebracht. Er wies Anleger auf Ungereimtheiten in der Bilanz hin. und auf möglicherweise unvorteilhafte Geschäftsverbindungen zwischen Euro-Asia und einem nicht gelisteten Privatunternehmen seines Gründers. An einem Tag verlor die Aktie 24 %. Kurz zuvor war der Kühlflüssigkeitshersteller Greencool um 40 % abgestürzt. Das Wirtschaftsmagazin Cajing hatte die Qualität der Produkte und die Bilanzen in Zweifel gezogen.

Noch nicht einmal alle Profis blicken bei P-Aktien richtig durch: "Ich habe zehn davon intensiv studiert", stöhnt Charles Cheung, Chef des China-Researchs von Salomon Smith Barney, "aber ich verstehe die Branchen nicht und ich finde es schwer, Geschäftsmodellen und Gewinnvoraussagen zu vertrauen". Weil sie ihm zu unreif, zu klein und zu intransparent sind, hat Cheung keinen einzigen P-Wert in seine Research aufgenommen. Das wird sich aber ändern, denn im Prinzip setzt auch er große Hoffnungen auf Chinas Privatunternehmer: "Die nächste Welle der Börsenkandidaten dürfte interessanter werden", erwartet er. In ein, zwei Jahren rechnet er mit durchschaubareren, solideren "Private Chips". Dann wird auch die Auswahl größer sein: Über die Hongkonger Börse rollt derzeit eine IPO-Welle dieser Aktienklasse. Zhang reibt sich die Hände: Er will seinen Index in den nächsten Wochen auf 18 Titel vergrößern.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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