Paketdienst setzt vor allem auf Partnerschaften und Joint Ventures
German Parcel gibt Akquisitionspläne auf

Der zur britischen Post gehörende Paketdienst German Parcel und dessen Europa-Holding General Logistics Systems (GLS) haben ihren Plan vorerst aufgegeben, mit weiteren Firmenkäufen ihr Paketnetz in Europa zu vervollständigen. Statt dessen will die Nummer vier in Deutschland nach Zukäufen in Italien und Finnland ihre Lücken künftig nur noch mit Partnerschaften und Joint Ventures stopfen.

FRANKFURT/M. Das gelte neben Norwegen, der Schweiz und Griechenland auch für Spanien, wie German-Parcel-Chef Rico Back dem Handelsblatt sagte.

Noch vor wenigen Monaten hatte der Paketdienst für die iberische Halbinsel eine Übernahme in Aussicht gestellt. Doch sämtliche Gespräche mit insgesamt vier Kandidaten seien an deren überzogenen Preisvorstellungen gescheitert. "Die Deutsche Post hat in Spanien die Preise versaut", klagte Back. Nun will der Paketdienst dort ein Joint Venture bilden. Die Gespräche dazu sollen in den kommenden vierzehn Tagen beginnen. Nur in Italien plant Back noch einen Zukauf.

Hintergrund des Umdenkens sind nach Ansicht von Experten die hohen Verluste des Mutterkonzerns, der britischen Consignia. Wie berichtet hatten die Briten erst vor wenigen Tagen einen Rekordverlust von 1,7 Mrd. Euro und einen weiteren massiven Stellenabbau verkündet. Back streitet jedoch einen direkten Zusammenhang ab.

Die GLS steht nach diversen Firmenübernahmen inzwischen für einen Umsatz von rund 1 Mrd. Euro und beschäftigt rund 12 000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Oude Meer bei Amsterdam ist damit zusammen mit der britischen Post die Nummer fünf nach Marktanteilen in Europa. Doch der Verzicht auf weitere Zukäufe im Ausland wirft GLS nach Meinung von Fachleuten im Rennen um die Führungsrolle im europäischen Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) zurück.

Nach Auffassung der Unternehmensberatung MRU, auf deren Daten auch die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zurückgreift, haben auf dem hart umkämpften KEP-Markt ohnehin nur drei Unternehmen gute Chancen auf die vorderen Plätze: Europas Marktführer, die Deutsche Post, die Nummer zwei, die niederländische TPG-Group, sowie der amerikanische United Parcel Service (UPS), der nach der französischen Post auf Platz vier in Europa liegt.

Grund dafür sei, dass sie im Gegensatz zur Konkurrenz über zusammenhängende Beförderungsnetze zu Lande und in der Luft verfügen. German-Parcel-Chef Back sieht das anders. GLS konzentriere sich zwar auf den Landverkehr, nutze aber auch die Angebote von Partnern, um den rund 150 000 Kunden ein umfassendes Beförderungsangebot zu machen. "Wir brauchen kein Geld für Akquisitionen ausgeben, solange wir die Kunden auch so bedienen können", meinte Back. Der Anteil internationaler Transporte liegt bei der GLS lediglich bei 5 %.

Statt auf weitere Übernahmen will sich die Europa-Holding in den kommenden Jahren vor allem auf eine Steigerung der Profitabilität konzentrieren. Erstmals nannte Back exakte Gewinnziffern: So peilt GLS im laufenden Geschäftsjahr 2002/03 (31.3.) bei einem Umsatz von 1,25 Mrd. Euro und einem operativen Cash Flow von 54 Mill. Euro ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,7 % an. Im Vorjahr habe sich die Rendite noch auf 1,7 % bei 1 Mrd. Euro Umsatz belaufen. Von der angepeilten Zielrendite von 5 % im Jahr 2004 sei das Unternehmen allerdings noch ein gutes Stück entfernt, räumte Back ein.

Den Weg dorthin will der Paketdienst vor allem mit Kosteneinsparungen ebnen. Zugleich will GLS aber auch dem Beispiel der Deutschen Post folgen und noch in diesem Jahr die Preise erhöhen. Geplant sei eine Steigerung um durchschnittlich 3,5 %, sagte Back. Mit der Einführung der LKW-Maut werde GLS zudem noch einen gesondert ausgewiesenen Zuschlag von 0,10 Euro pro Paket einführen.

Die überwiegend gewerblichen Kunden von German Parcel müssen sich allerdings in Zukunft an einen neuen Namen gewöhnen: Der Paketdienst wird unter einer neuen Dachmarke antreten. Vom Jahr 2003 an sollen die selbstständigen German Parcel-Spediteure in Deutschland unter der Flagge GLS General Logistics Systems fahren. Damit soll der Auftritt im Ausland erleichtert werden - der bisher nationale Verweis im Namenszug stieß außerhalb Deutschlands offenbar auf wenig Gegenliebe.

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