Paketverkauf für Deutsche Bank möglicherweise schwierig
WAZ plant vorerst keinen Einstieg bei Springer

Der geplante Einstieg der Essener Verlagsgruppe WAZ bei Springer ist nach dem Widerstand von Anteilseignern zunächst gescheitert. Damit könnten die Chancen des Schweizer Verlags Ringier für eine Übernahme von Leo Kirchs 40-prozentigem Paket am Axel Springer Verlag steigen.

Reuters DÜSSELDORF/MÜNCHEN. "Es ist zwar die Aussage noch richtig, dass ein Einstieg bei Springer in Betracht gezogen werden könnte", erklärte die Funke-Familien-Gesellschaft, die 50 Prozent an der WAZ hält, am Montag in Essen. Die Mehrheit der Funke-Stämme lehne einen Einstieg aber ab. Zugleich ließen sich die Anteilseigner aber eine Hintertür offen: Eine Zustimmung für den Einstieg bei Springer sei "unter den gegebenen Umständen" nicht zu erwarten, hieß es. Die Geschäftsführung der WAZ war nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Unterdessen hat auch der Ringier Verlag erstmals Gespräche über ein mögliches Engagement bei Springer bestätigt. In verhandlungsnahen Kreisen hieß es, trotz des internen Klärungsbedarfs bei der WAZ liefen die Gespräche mit Leo Kirch weiter. Zugleich gebe es aber auch Pläne, das Paket an Ringier zu verkaufen, der sich dann später über die Börse von einem Teil trennen und sich auf eine Sperrminorität zurückziehen könnte.

Paketverkauf für Deutsche Bank womöglich schwierig

Trotz des "internen Diskussionsbedarfs" stünden die Chancen für einen Abschluss zwischen Leo Kirch und der WAZ weiter etwas besser als 50 Prozent, hieß es aus den Kreisen. Das bedeute aber, dass ein Scheitern durchaus ebenfalls möglich sei.

Das Kirch-Aktienpaket dient der Deutschen Bank als als Sicherheit für einen Kredit über 720 Millionen Euro an Kirch. Eigentlich wollte das Institut schon Ende August auf die Beteiligung zugreifen, der Medienunternehmer konnte aber vor Gericht zunächst einen Aufschub erreichen. Am Dienstag wird voraussichtlich vor dem Landgericht München entschieden, ob Leo Kirch noch länger die Möglichkeit hat, selbst nach einem Käufer zu suchen, oder ob der 40-prozentige Springer-Anteil sofort an die Deutsche Bank geht. Diese hatte in der Vergangenheit erklärt, die Aktien an der Börse platzieren zu wollen.

Das Institut habe mittlerweile den Kapitalmarkt getestet und festgestellt, dass es angesichts des derzeitigen Umfelds möglicherweise schwer werden könnte, das Paket zu platzieren, hieß es aus verhandlungsnahen Kreisen. Deshalb sehe ein Szenario nun vor, Kirch das Paket an Ringier verkaufen zu lassen. Dieser solle sich zu einem späteren Zeitpunkt über die Börse von einem Teil der Aktien trennen. Ringier sagte am Wochenende dem verlagseigenen Sonntagsblick: "Es gibt Gespräche über eine Zusammenarbeit mit Springer." Die Berichte der letzten Tage seien aber aus der Luft gegriffen.

Kreise: Ringier will mitreden

Verhandlungsnahen Kreisen macht Ringier ein Engagement bei Springer allerdings davon abhängig, dass er Einfluss in dem Berliner Verlag erhält. Dabei gebe sich der Schweizer nicht mit einem Aufsichtsratsposten zufrieden, sondern bestehe auf einem Vorstandsressort, hieß es. Medienberichten zufolge sind Springer Hauptaktionärin Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner, die eine WAZ-Beteiligung ablehnen, grundsätzlich zu einem Einstieg Ringiers bereit.

Mit einer Einstweiligen Verfügung, die sie vor Gericht durchgesetzt haben, wollen sie verhindern, dass Kirch seinen Anteil an unliebsame Käufer veräußern kann. Leo Kirch hatte dagegen allerdings Widerspruch eingelegt. Am kommenden Donnerstag soll in der Angelegenheit endgültig entschieden werden.

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