Pakistan soll sich am "heiligen Krieg" beteiligen
Bin Laden ruft zum Kampf gegen "Kreuzritter" auf

Der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden hat die Moslems in Pakistan zum Kampf gegen die "amerikanische Kreuzzugsstreitmacht" aufgerufen.

ap DUBAI/WASHINGTON. Er sprach von einem "neuen Kreuzzug und einer jüdischen Kampagne, die vom großen Kreuzritter Bush unter der Fahne des Kreuzes angeführt wird" und rief alle Glaubensbrüder in Pakistan auf, sich mit voller Kraft einer amerikanischen Invasion Pakistans und Afghanistan zu widersetzen.

In einer Erklärung, die am Montag beim Satellitensender El Dschasira in Katar eingegangen und von Bin Laden unterzeichnet ist, hieß es: "Wir sind standhaft auf dem Pfad des Heiligen Krieges mit dem heldenhaften, gläubigen afghanischen Volk unter der Führung von Mullah Mohammed Omar." Bin Laden wird in Afghanistan vermutet.

US-Präsident George W. Bush hat unterdessen erste Schritte unternommen, um dem internationalen Terrorismus den Geldhahn zuzudrehen. Per Dekret fror er am Montag das Vermögen von insgesamt 27 Einzelpersonen und Organisationen ein. Bush sprach im Rosengarten des Weißen Hauses von einem "Schlag gegen die finanzielle Grundlage" von Terroristen.

Zu den Betroffenen, deren Vermögen eingefroren wurde, gehörten "terroristische Organisationen, Individuen, Terroristenführer, eine Firma, die als Fassade für Terrorismus dient und mehrere gemeinnützige Organisationen", sagte Bush. Auf der von ihm vorgelegten Liste steht unter anderem auch der Name Bin Ladens, der von den USA als Drahtzieher der Terroranschläge von New York und Washington verdächtigt wird.

Insiderhandel möglich

Auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel ermittelt mit Hochdruck im Zusammenhang mit der Terrorserie. Eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde sagte am Montag in Frankfurt am Main, diese Prüfungen hätten "absolute Priorität". Im Zusammenhang mit den Anschlägen wurden an den Märkten ungewöhnliche Aktienbewegungen festgestellt.

Pakistan zog unterdessen seine Diplomaten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ab. Ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums begründete den Abzug der Diplomaten aus Afghanistan mit der Sicherheitslage im Nachbarland. Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen hatten ihre ausländischen Mitarbeiter schon kurz nach den Anschlägen am 11. September zurückberufen. Pakistan und Saudi-Arabien sind die einzigen Staaten, die das Talibanregime noch als rechtmäßige afghanische Regierung anerkennen.

Die Taliban erklärten in Afghanistan, die USA hätten kein Recht, ihr Land anzugreifen. Sie seien mit allen nötigen Waffen und Munition ausgerüstet, um einen US-Angriff abzuwehren. "Etwa 300 000 heilige Krieger bewachen die Grenzen und alle anderen wichtigen Plätze in Afghanistan", erklärte der Taliban-Verteidigungsminister Mullah Obaidullah Achund.

US-Soldaten schon in Usbekistan?

Über mögliche Truppenbewegungen der US-Streitkräfte in Mittelasien gab es widersprüchliche Berichte. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, drei Transportflugzeuge der US-Luftwaffe seien am Wochenende mit 200 Soldaten in Usbekistan gelandet. Die Regierung wollte dies nicht bestätigen. Auch in Tadschikistan sollen bereits US-Truppen gelandet sein.

Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten beraten am kommenden Mittwoch in Brüssel über das weitere Vorgehen nach den Terroranschlägen gegen die USA. Nato-Generalsekretär George Robertson sagte am Montag, er erwarte, dass die USA bei dem Treffen neue Erkenntnisse über die Drahtzieher der Anschläge vorlegten. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat seine Teilnahme an dem Treffen abgesagt.

Eine ranghohe Delegation der Europäischen Union brach am Montag zu einer viertägigen Reise in mehrere moslemische Staaten auf, um die weltweite Koalition im Kampf gegen den Terrorismus zu festigen. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak sicherte unterdessen den USA Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zugesichert. UN-Generalsekretär Kofi Annan erklärte, nur die Vereinten Nationen könnten dem Kampf gegen den Terrorismus "globale Legitimität" verleihen.

Stück von Flugzeugrumpf gefunden

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach am Montag mit den Parteivorsitzenden beider Kammern des Parlaments über die Haltung des Landes im Kampf gegen den Terrorismus. Er habe keine endgültige Entscheidung treffen wollen, die Russlands Platz in der Welt heute und in der Zukunft bestimme, ohne darüber mit den Spitzenpolitikern zu sprechen, sagte Putin.

Rettungskräfte fanden unter den Trümmern des World Trade Centers in New York ein drei Meter langes Rumpfstück von einem der beiden entführten Flugzeuge, die am 11. September in die Zwillingstürme gelenkt wurden. Es wurde von den Ermittlern für eine genaue Untersuchung abtransportiert. Die Flugschreiber sind bislang nicht aufgetaucht.

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