Pakistan will den USA die Luftraumbenutzung genehmigen
Taliban drohen ihren Nachbarländern

Das afghanische Taliban-Regime hat seinen Nachbarstaaten mit Angriffen gedroht, sollten diese den USA Land- oder Luftwege für Aktionen gegen Afghanistan zur Verfügung stellen. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP am Samstag.

dpa/ap/afp ISLAMABAD/ERIWAN/BUENOS AIRES. In einer offiziellen Erklärung des Außenministeriums in Kabul heiße es, jeder Vergeltungsschlag gegen Afghanistan wäre ein Angriff auf "einen souveränen und unabhängigen Staat". Wenn ein Nachbarstaat den USA seine Land- oder Luftwege zur Verfügung stelle, dann nähme er an einem Krieg gegen Afghanistan teil.

"In dieser Situation wäre es nicht unwahrscheinlich, dass wir das betreffende Land in größerem Ausmaß angreifen würden. Unsere Mudschaheddin (Heilige Krieger) würden in das Land eindringen, das diese Folgen selbst zu verantworten hätte", hieß es nach Angaben von AIP.

Russland sagt den USA Unterstützung zu

Der russische Außenminister Igor Iwanow hat unterdessen die Unterstützung Russlands für mögliche Vergeltungsangriffe der USA gegen Afghanistan signalisiert. Im Kampf gegen den Terrorismus dürfe "die Anwendung von Gewalt" nicht ausgeschlossen werden, sagte Iwanow am Samstag in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Falls nötig, müsse Gewalt angewendet werden. Am Freitag hatte der US-Kongress Präsident George W. Bush ermächtigt, auf die Terroranschläge in New York und Washington mit militärischer Gewalt zu reagieren. Der russische Präsident Wladimir Putin und Außenminister Iwanow halten sich zurzeit zu einem offiziellen Besuch in Armenien auf.

Auch südamerikanische Staaten auf Seiten der USA

Gegen den internationalen Terrorismus müsse entschieden vorgegangen werden, sagte der argentinische Präsident Fernando de la Rúa in Buenos Aires. In einem Telefonat habe er US-Präsident George W. Bush die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terror angeboten. Außenminister Adalberto Rodríguez Giavarini erklärte, Argentinien werde "die Kräfte des Guten" im Rahmen einer durch die UNO gestützten Operation unterstützen. Der paraguayische Außenminister José Moreno kündigte an, seine Regierung werde eine Anforderung von Truppen seitens der USA prüfen.

Der kolumbianische Präsident Andrés Pastrana hob die bisherige Zusammenarbeit mit Washington bei der Drogenbekämpfung hervor. Diese Kooperation müsse nun auch bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus greifen. Chiles Außenminister José Miguel Insulza erklärte, sobald die Schuldigen für die Terrorangriffe in den USA identifiziert seien, seien Vergeltungsmaßnahemn gerechtfertigt. Militärische Unterstützung boten jedoch weder Kolumbien noch Chile an. Brasilien und Mexiko schlossen eine militärische Beteiligung aus. Uruguay sprach sich sogar ausdrücklich gegen militärische Vergeltungsmaßnahmen aus.

"Der Tod kommt zu jedem"

Der geistliche Taliban-Führer, Mullah Mohammed Omar, stimmte die Bevölkerung von Afghanistan schon auf einen Militärschlag der USA ein. er rief die Menschen am Freitag in einer Rundfunkansprache dazu auf, "gegen den Feind" standhaft zu bleiben. "Der Tod kommt zu jedem", sagte er und forderte die Afghanen zur Verteidigung des Islam auf. "Glaubt an Gott, denn mit Gottes Gnade werden die amerikanischen Raketen fehlgehen, und wir werden gerettet werden." Er selbst habe keine Angst davor, die Macht zu verlieren, sei aber nicht gewillt, den Islam aufzugeben, betonte Omar. Aus pakistanischen Militärkreisen verlautete, der in Kandahar lebende Taliban-Führer sei angesichts der drohenden Militäraktion an einen geheimen Ort gebracht worden.

Pakistan will Benutzung des Luftraumes genehmigen

Pakistan ist trotz aller Drohungen offenbar bereit, auf alle Forderungen der USA für einen Angriff auf Afghanistan einzugehen. Wie am Samstag aus diplomatischen und Militärkreisen verlautete, gehört dazu auch die Stationierung einer multinationalen Streitmacht in Pakistan und eine Genehmigung für die Benutzung des Luftraums bei einem Angriff auf die Taliban und die in ihrem Land vermuteten Stützpunkte von Terroristen.

Wie es hieß, wurde die Entscheidung Pakistans am Freitag von Militärmachthaber Pervez Musharraf der amerikanischen Botschafterin Wendy Chamberlin übermittelt. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Das pakistanische Kabinett und der Sicherheitsrat des Landes wollten am Samstag wieder zusammenkommen. Wie es hieß, wollen die USA in einem "umfassenden Angriff" die Taliban und das Terroristennetzwerk vernichten.

Taliban wollen Bin Laden weiterhin nicht ausliefern

Pakistan hat die Taliban schon gewarnt, dass ein US-Angriff auf sie bevorsteht. Diese seien aber trotzdem nicht bereit, ihre Meinung zu ändern und wollten den als Urheber der Anschläge verdächtigten Osama Bin Laden nicht ausliefern. Das Taliban-Regime in Kabul wird von einem großen Teil der islamischen Öffentlichkeit Pakistans unterstützt.

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