Pakistanische Führung soll gegen Extremisten vorgehen
Neue Gefechte in Kaschmir

Ungeachtet der laufenden diplomatischen Bemühungen um eine Eindämmung des Kaschmir-Konflikts haben sich Indiens und Pakistans Armeen am Mittwoch erneut Gefechte im Grenzbereich geliefert.

Reuters ISLAMABAD. Bei den Scharmützeln, die in der Nacht begannen und bis zum späten Morgen andauerten, kamen nach Angaben örtlicher Militär- Sprecher Granatwerfer und automatische Waffen zum Einsatz. Berichte über Verluste an Menschenleben lagen zunächst nicht vor.

Tausende Bewohner nahe der Grenze zwischen dem pakistanischen Teil der Himalaya-Region und dem indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir haben inzwischen wegen der seit Wochen andauernden Gefechte und aus Angst vor einem neuen Kaschmir-Krieg ihre Häuser verlassen. Nachdem die USA bereits eine entsprechende Warnung an die US-amerikanischen Staatsbürger erlassen hatten, forderten nun auch Australien und Neuseeland ihre Staatsangehörigen auf, die Ausreise aus Indien und Pakistan zu erwägen.

Die Situation in der überwiegend moslemisch geprägten Region Kaschmir, um die Pakistan und Indien seit der Unabhängigkeit bereits zwei von drei Kriegen geführt haben, hatte sich nach dem Anschlag moslemischer Extremisten auf eine indische Kaserne am 14. Mai verschärft. Indien wirft Pakistan vor, die Infiltration kaschmirischer Extremisten nach Indien zu dulden und nicht genügend zur Bekämpfung des Terrorismus zu tun.

Nach Gesprächen mit dem pakistanischen Präsidenten General Pervez Musharraf und Vertretern der Regierung in Islamabad setzte der britische Außenminister Jack Straw am Mittwoch seine Vermittlungsbemühungen in Neu-Delhi fort. Nach einem Treffen mit dem indischen Innenminister Lal Krishna Advani sagte Straw, er habe seine und die Auffassung der britischen Regierung verdeutlicht, wonach der "Terrorismus in all seinen Formen" zu bekämpfen sei. Dazu gehöre auch der "grenzüberschreitende Terrorismus" und "der Terrorismus, der im Gewand von Freiheitsbewegungen daher kommt", sagte Straw. Den Vermittlungsbemühungen Straws parallel läuft ein Besuch des japanischen Vize-Außenministers Seiken Sugiura in Indien und Pakistan. Japan erwägt, gegebenenfalls seine Entwicklungshilfe als diplomatisches Druckmittel einzusetzen, um Indien und Pakistan von Abenteuern mit ungewissem Ausgang abzuhalten.

In der kommenden Woche wird US-Vizeaußenminister Richard Armitage Indien und Pakistan bereisen. Die USA sehen in Musharraf einen wichtigen Verbündeten in dem von ihnen ausgerufenen Kampf gegen den internationalen Terrorismus, nachdem sich Musharraf nach den Anschlägen vom 11. September eindeutig auf die Seite der USA gestellt hatte. Allerdings haben auch die USA Musharraf deutlich gemacht, dass sie ein entschiedeneres Vorgehen der pakistanischen Führung gegen die Extremisten in Kaschmir erwarten. Dies hatte auch Straw bei seinem Treffen mit Musharraf in Islamabad deutlich gemacht.

Politische Beobachter sagten, vieles an den jüngsten offiziellen Verlautbarungen der indischen und der pakistanischen Regierung deute auf ein Säbelrassen und bloße Rhetorik hin. Allerdings könne sich die Lage dramatisch verändern, sollte es erneut zu einem schweren Anschlag in Indien kommen wie beim Anschlag im Dezember auf das indische Bundesparlament. Dann nämlich könnte dessen Regierung aus Gründen der Gesichtswahrung zur Einleitung militärischer Maßnahmen gezwungen sein. Beide Seiten haben über eine Million Soldaten zusammen gezogen.

Indiens Außenminister Jaswant Singh verschärfte den Druck auf Musharraf, indem er erklärte, Musharraf habe jetzt genug Zeit gehabt. Er müsse endlich den Ernst der Lage begreifen, sagte Singh. Zugleich verwies er darauf, dass verschiedene Vorschläge vorlägen, wie überwacht werden könne, dass Musharraf seine Zusage der Terrorismusbekämpfung auch wirklich einlöse.

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