Pakistanische Mission gescheitert
Bush: Jagd nach Terroristen ist "in vollem Gange"

Die Jagd nach den Helfern und Drahtziehern der Terroranschläge vom 11. September ist nach Worten von US-Präsident George W. Bush "in vollem Gange".

dpa/afp WASHINGTON/ISLAMABAD/GENF. Bei einem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. am Freitag in Washington hob Bush hervor, dass im Kampf gegen den Terrorismus einige Aktionen von den Menschen im Fernsehen gesehen werden könnten, andere aber nicht. Nach US-Medienberichten sind bereits seit einigen Tagen Elitekämpfer der USA und Großbritanniens in Afghanistan im Einsatz.

Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter der US-Regierung, diese Kommandos hätten den Auftrag, das Terrain zu erkunden und mögliche Luftangriffe vorzubereiten. Einen Bericht der Zeitung "USA Today", wonach die Elitesoldaten auch Jagd auf den Moslemextremisten Osama bin Laden machen, wollte der Mitarbeiter des Weißen Hauses laut CNN nicht kommentieren.

"USA Today" berichtete unter Berufung auf Mitarbeiter der US- und der pakistanischen Regierung, Gruppen aus jeweils drei bis fünf US-Kommandos suchten in der Region von Kandahar im Südwesten des Landes in Höhlen und unterirdischen Verstecken nach bin Laden, der als Drahtzieher der Anschläge auf New York und Washington verdächtigt wird. Die Kommandos würden aus der Luft von Hubschraubern des Typs "Blackhawk" unterstützt. Sie hätten die Anweisung, bin Laden festzunehmen oder zu töten oder, falls dies nicht möglich sei, zumindest sein Entkommen zu verhindern, bis die US-Streitkräfte aus der Luft angreifen könnten. Offiziell wollten weder das Weiße Haus noch das Verteidigungsministerium die Berichte über den Einsatz von Sonderkommandos kommentieren.

Verhandlungen ohne Erfolg

Eine pakistanische Delegation aus hohen islamischen Geistlichen und Geheimdienst-Mitarbeitern kehrte am Freitagabend nach eintägigen Verhandlungen mit der Talibanführung in Kandahar über das Problem Bin Laden am Abend nach Pakistan zurück. Teilnehmer sagten der Deutschen Presse-Agentur, die Taliban weigerten sich weiter, Bin Laden auszuliefern.

Die Vereinten Nationen warnten unterdessen in einem dramatischen Appell vor einer akuten Hungersnot und chaotischen Zuständen in Afghanistan. Inzwischen seien 7,5 Millionen der rund 25 Millionen Afghanen von ausländischer Hilfe abhängig.

Nach Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan sind in den kommenden sechs Monaten 584 Mill. Dollar (1,24 Mrd. Mark / 634 Mill. Euro) zur Finanzierung der Nothilfe notwendig. Die UN-Hilfsorgansationen gehen intern im Fall einer US-Militärintervention in Afghanistan von bis zu 1,5 Millionen Flüchtlingen aus.

USA wollen UN einbeziehen

Nach langem Zögern wollen die USA jetzt die UN in den Kampf gegen den internationalen Terrorismus einbeziehen. Der neue amerikanische UN-Botschafter John Negroponte legte dem Weltsicherheitsrat einen entsprechenden Resolutionsentwurf vor. Alle Staaten sollen darin zur Unterbindung jeglicher Form der Unterstützung für terroristische Organisationen oder Einzeltäter verpflichtet werden.

Einer der sechs in Spanien gefassten mutmaßlichen Gefolgsleute von Bin Laden hat sich nach Polizeierkenntnissen auf einen Selbstmordanschlag auf eine Synagoge oder das Hauptquartier der NATO in Brüssel vorbereitet. Das gehe aus sicher gestellten Notizbüchern der sechs Algerier hervor. In Großbritannien wurde ein Auslieferungsverfahren gegen den 27-jährigen Algerier Lofti Raissi eröffnet. Er hat nach Überzeugung der US-Bundespolizei FBI den Terrorpiloten der auf das Pentagon in Washington gestürzten Passagiermaschine ausgebildet.

Die britische Regierung rechnet mit neuen Anschlägen islamischer Terroristen. Der Staatsminister im Außenministerium, Peter Hain, sagte: "Soweit ich weiß, bereitet er (Osama Bin Laden) neue Terrorangriffe von großer Bedeutung in den kommenden Wochen vor. Wir müssen ihn finden, wir müssen ihn stoppen."

Das US-Justizministerium in Washington veröffentlichte unterdessen die Fotos aller 19 Selbstmordattentäter, die am 11. September an der Entführung von vier Verkehrsmaschinen zu Anschlägen in New York und Washington beteiligt gewesen sein sollen. Es erhofft sich davon, dass sich weitere Zeugen melden. "Einer oder mehrere" der Attentäter hätten Verbindungen zu Bin Ladens Terrororganisationen gehabt.

New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani korrigierte inzwischen die Zahl der beim Anschlag auf das World Trade Center vermutlich getöteten Menschen von 6 400 auf 5 960. Die zuvor höhere Zahl habe sich aus anfangs unzuverlässigen Angaben vor allem aus dem Ausland ergeben. Unter den Toten sind mehr als 2 000 Ausländer, davon bis zu 80 Deutsche.

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