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Palästinenser: „Arafat geht es viel besser“

Vier Tage nach dem dramatischen Kollaps von Palästinenserpräsident Jassir Arafat (75) haben palästinensische Politiker am Sonntag nach einem Ausweg aus einer Führungskrise gesucht.

dpa RAMALLAH/PARIS. Vier Tage nach dem dramatischen Kollaps von Palästinenserpräsident Jassir Arafat (75) haben palästinensische Politiker am Sonntag nach einem Ausweg aus einer Führungskrise gesucht.

Die politischen Institutionen der Palästinenser tagten in Ramallah ohne den zur Behandlung nach Frankreich ausgeflogenen Präsidenten, während seine Erkrankung zunächst Rätsel aufgab. Arafat ging es nach Angaben von engen Vertrauten aber "viel besser". Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath sagte: "Er spricht besser, er fühlt sich besser." Arafat wird in einer Militärklinik bei Paris behandelt.

Der palästinensische Nationale Sicherheitsrat tagte in Ramallah, um über die Sicherheitslage zu beraten. Unter dem Vorsitz von Regierungschef Ahmed Kureia wurde besprochen, wie Recht und Ordnung aufrechterhalten werden könnten. Später tagten das Parlament und das Zentralkomitee von Arafats Fatah-Bewegung. "Die heutigen Umstände erfordern es, dass wir alle Meinungsverschiedenheiten überwinden", sagte der frühere Regierungschef Mahmud Abbas. Unter seinem Vorsitz hatte am Vortag das Exekutivkomitee der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) erstmals ohne Arafat getagt.

Arafat wird seit Freitag in dem auf Blutkrankheiten spezialisierten Hospital Percy untersucht. Der Verdacht, er leide an Leukämie, ist trotz mehrerer Dementis führender Palästinenser noch nicht offiziell ausgeräumt. Erst für Mittwoch wird nach der Serie von Untersuchungen mit einer Diagnose gerechnet. "Er kann geheilt werden, er leidet nicht an Leukämie, und er hat auch kein anderes ernsthaftes Problem", bekräftigte Arafats Chefberater Nabil Abu Rudeineh am Sonntag vor dem Krankenhaus. "Es geht ihm besser als angenommen. Seine Krankheit ist nicht so ernst, und wir hoffen, dass er sich rasch erholen wird."

Über die Erkrankung Arafats solle nicht vor den Ergebnissen aller Untersuchungen spekuliert werden, hatte ein namentlich nicht genannter französischer Militärsprecher am Vortag in Paris erklärt. Aus französischen Militärkreisen wurde bekannt, Arafat sei "wie die anderen Kranken in einem ganz normalen Zimmer untergebracht, das wohl nur ein bisschen besser ausgestattet ist".

Mehrere palästinensische Diplomaten besuchten Arafat am Samstag. Der französisch-israelische Autor und Journalist Amnon Kapeliouk gab an, Arafats Ärzte hätten diesem dringend zu dieser Behandlung in Frankreich geraten, weil er sonst sterben werde.

Nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN betrachten führende Palästinenser die Ära Arafat jedoch für beendet. Der Sender berief sich auf Palästinenser aus der Umgebung Arafats. In Ramallah gebe es deshalb Treffen, um die Vorgehensweise und die zukünftige Aufgabenverteilung zu klären. "Wir dementieren, was CNN im Zusammenhang mit Arafat berichtet hat", sagte Rudeineh dazu.

Israelische Soldaten haben am Sonntag bei einer Schießerei in Dschenin im Westjordanland einen bewaffneten Palästinenser getötet. Ein zweiter Palästinenser sei verletzt, fünf weitere Menschen seien festgenommen worden, teilte die Armee in Tel Aviv mit. Nach diesen Angaben hatten die Palästinenser das Feuer auf die Soldaten eröffnet, die in Dschenin nach versteckten Waffenlagern suchten.

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