Palästinenser bewerfen betende Juden mit Steinen
Israelische Polizei stürmt den Tempelberg

Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es am Sonntag zu Auseinandersetzungen zwischen israelischer Polizei und Moslems gekommen.

ap JERUSALEM. Rund 400 Polizisten drangen in den islamischen Bezirk auf dem Tempelberg ein und gingen mit Blendgranaten gegen Moslems vor, die Steine und Flaschen auf betende Juden an der Klagemauer warfen. Dabei wurden 15 Polizisten und zehn Palästinenser verletzt. Die Polizei nahm 28 Palästinenser fest. Zunächst hatte ein starkes Aufgebot von Sicherheitskräften befürchtete Zusammenstöße zwischen Juden und Moslems am jüdischen Gedenktag Tischa B'Av verhindert.

Der Tempelberg mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom ist die drittheiligste Stätte des Islams. Als einstiger Standort zweier jüdischer Tempel ist er aber auch heilige Stätte des Judentums. Zu einer angekündigten symbolischen Grundsteinlegung für einen neuen Tempel erschienen etwa 30 Anhänger der jüdischen Extremistengruppe Getreue des Tempelbergs. Sie durften auf einem Parkplatz außerhalb der Altstadt eine kurze Zeremonie abhalten. Der Grundstein, den sie mit sich führten, wurde später wieder entfernt, um keinen Ärger mit den Moslems zu provozieren. Auf dem Tempelberg fanden sich unterdessen rund 2 000 Moslems ein. Einer ihrer Führer kündigte an, die Moscheen gegen mögliche Eindringlinge zu verteidigen.

Ultraorthodoxe Rabbiner der Siedlerbewegung hatten für Sonntag zum Marsch auf Jerusalem und Gebeten auf dem Tempelberg aufgerufen. Der israelische Oberrabbiner Meir Lau hatte das verboten. Der oberste islamische Geistliche im Heiligen Land, Mufti Ikrema Sabri, forderte die Moslems auf, am Sonntag zu Tausenden auf den Tempelberg zu strömen, um die heiligen Stätten zu schützen. Der Polizeichef von Jerusalem, Mickey Levi, erklärte, Juden würden nicht auf den Tempelberg vorgelassen.

Feuergefecht im Westjordanland

An der Klagemauer begingen Gläubige den Gedenktag Tischa B'Av, an dem Juden in aller Welt der Zerstörung des letzten jüdischen Tempels durch die Römer im Jahr 70 nach Christus gedenken. Zum Schutz der Gläubigen waren zahlreiche Sicherheitskräfte postiert. Polizeichef Levi sagte, die Polizeiaktion auf dem Tempelberg habe weniger als zwei Minuten gedauert. Die meisten Moslems seien zurück in die Moscheen gedrängt worden, die die Polizisten nicht betreten hätten.

Der jetzige Ministerpräsident Ariel Scharon hatte als Oppositionsführer im vergangenen September mit einem Besuch auf dem Tempelberg die jüngsten Unruhen ausgelöst, denen seither 533 Palästinenser und 133 Israelis zum Opfer gefallen sind.

Die Unruhen dauerten unterdessen an. Am Sonntag wurden bei einem Feuergefecht in Surda bei Ramallah im Westjordanland nach israelischen Angaben zwei israelische Soldaten und drei Palästinenser verletzt. Am Samstag griffen israelische Kampfhubschrauber erneut Ziele im Gazastreifen an. Zwei Helikopter feuerten bei Chan Junis nach israelischer Darstellung auf eine Anlage zur Herstellung von Munition und Mörsergranaten. Palästinensische Sicherheitskräfte und Augenzeugen berichteten dagegen, die Hubschrauber hätten ein Elektrizitätswerk beschossen. Bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten im Westjordanland wurde ein palästinensischer Polizist schwer verletzt.

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