Palästinenser drängen auf "sofortiges" Spitzentreffen
Israels Armee zieht sich zurück

Unter dem Eindruck der Terroranschläge in den USA haben Israelis und Palästinenser am Dienstag erstmals seit Monaten konkrete Schritte in Richtung Entspannung unternommen. Der palästinensische Präsident Jassir Arafat verkündete einen einseitigen Waffenstillstand, der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben Elieser ordnete daraufhin den Stopp offensiver militärischer Aktionen gegen die Palästinenser an.

ap-afp GAZA/JERUSALEM. Die Armee kündigte ferner den sofortigen Rückzug aus palästinensisch kontrollierten Gebieten an, auf die sie in den vergangenen Tagen vorgerückt war. Augenzeugen berichteten vom Abzug zahlreicher Panzer aus Dschenin. Auch aus Jericho zog die Armee nach eigenen Angaben ab. Am Abend kam es in Hebron und Rafah jedoch wieder zu Schießereien.

US-Außenminister Colin Powell sprach von einer "ermutigenden Entwicklung". Powell konferierte nach eigenen Angaben am Dienstag telefonisch mit Arafat, dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Außenminister Schimon Peres. Die USA befürchten offenbar Schwierigkeiten bei der Bildung einer internationalen Allianz gegen den Terrorismus, die arabische Staaten einschließen soll, sollten die Kämpfe im Nahen Osten andauern.

Die radikalislamischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad lehnen allerdings die von Palästinenserpräsident Jassir Arafat verkündete Waffenruhe ab. Dies teilten beide Palästinenserbewegungen am Mittwoch in Gaza mit.

In Berlin äußerten sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer positiv zu dem bislang weitesten Vorstoß Arafats. In Brüssel begrüßte der Außenpolitische Repräsentant der EU, Javier Solana, den Schritt im Namen der Europäischen Union. Der UN-Gesandte für Nahost, Terje Roed-Larsen, sprach von einem Gesinnungswandel bei Arafat hin zum Glauben an die Macht der Diplomatie. Peres selbst begrüßte die Äußerungen Arafats.

Es war bereits das dritte Mal seit den Terroranschlägen der vergangenen Woche in den USA, dass Arafat seine Entschlossenheit zu einem Waffenstillstand bekundete. Die Erklärung vom Dienstag, zu der er Vertreter der EU, Russlands und der USA in seine Residenz geladen hatte, war jedoch die weitestgehende und im Ton versöhnlichste. Er fühle sich in der Pflicht, mit Israel einen Waffenstillstand auszuhandeln, sagte Arafat. Dazu sei er bereit, sich jederzeit mit Peres zu treffen. Die Palästinenser würden das Recht Israels auf eine Existenz in sicheren Grenzen ausdrücklich anerkennen. Außerdem sagte Arafat den USA die Unterstützung seiner Autonomieregierung im Kampf gegen den Terrorismus zu.

Gleichzeitig verschickte die palästinensische Autonomieregierung eine schriftliche Erklärung des gleichen Inhalts an Staatschefs und Regierungen in der ganzen Welt. Ministerpräsident Scharon will einem Treffen Arafats mit Scharon erst dann zustimmen, wenn vorher 48 Stunden absolute Ruhe geherrscht hat.

Zwei Palästinenser erschossen

Ungeachtet der diplomatischen Fortschritte wurden am Dienstag bei Zusammenstößen im Westjordanland zwei Menschen getötet. In Nablus fuhren zwei Palästinenser mit einem Traktor auf einen israelischen Militärposten. Die Soldaten eröffneten das Feuer und töteten einen der Männer. Der Traktor habe nicht angehalten, obwohl die Soldaten zuvor Warnschüsse abgegeben hätten, hieß es von der Armee. In Hebron wurde die Leiche eines palästinensischen Taxifahrers gefunden, der in ein Feuergefecht während der Nacht geraten war.

Israelische Panzer beschossen zwei palästinensische Polizeiposten südlich von Gaza. Verletzt wurde offenbar niemand. Im Schatten der Terroranschläge von New York und Washington hat Israel seine Schläge auf palästinensische Ziele in den autonomen Gebieten in den letzten Tagen verstärkt. Dabei sind 26 Palästinenser und sechs Israelis ums Leben gekommen.

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