Palästinenser getötet
Armeevorstoß im Gaza-Streifen

Bei einem Vorstoß der israelischen Armee in das Flüchtlingslager Chan Junis im Gaza-Streifen ist nach palästinensischen Angaben am Mittwoch ein Palästinenser getötet worden.

Reuters CHAN JUNIS. Armeeangaben zufolge zerstörten Soldaten bei dem Einsatz zwei leer stehende Häuser, die als Versteck für Heckenschützen gedient hatten. Gemäß eines vor drei Tagen vereinbarten israelisch-palästinensischen Sicherheitsplanes sollte Israel sein Militär aus Teilen des Gaza-Streifen abziehen. Der Plan soll der Entspannung im Gaza-Streifen und in Bethlehem im Westjordanland dienen. Mehrere Gewalttaten der vergangenen Tage hatten die Bemühungen um Sicherheit indes belastet.

Nach Angaben von palästinensischen Anwohnern und Sicherheitskreisen rückten die Soldaten im Morgengrauen mit bis zu 20 gepanzerten Fahrzeugen in einem Teil des Lagers vor. Mit Megafonen hätten sie Anwohner zur Räumung aufgefordert. "Es waren zwei Hubschrauber in der Luft", sagte ein Anwohner. "Sie fingen an, in den Straßen mit ihren Maschinengewehren auf Häuser zu schießen und durchtrennten Stromkabel." Das ganze Lager sei dunkel gewesen. Eines der zwei zerstörten Häuser sei explodiert und habe umliegende Häuser zum Einstürzen gebracht, berichteten Anwohner. Dabei sei ein Mann im Nachbarhaus von den Trümmern seines eingestürzten Hauses erschlagen worden. Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen war eines der Häuser mit einer Sprengfalle versehen.

Gemäß des Sicherheitsplans soll Israel zur Erleichterung der Lage der palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen und Bethlehem im Westjordanland beitragen. Im Gegenzug sollen die Palästinenser gegen Gewalt und Extremisten vorgehen. Israel hatte seinen Militäreinsatz in Bethlehem am Dienstag beendet und die Soldaten auf Positionen außerhalb der Stadt zurückgezogen.

Bethlehem ist eine von sieben palästinensischen Städten, die Israel seit Juni nach einer Serie von palästinensischen Selbstmordanschlägen besetzt hatte. Im Armeerundfunk sagte eine Armeesprecherin: "In Bethlehem war es möglich, (die Truppen) umzugruppieren...im Gaza-Streifen sehen wir in den jüngsten Tagen keine Zeichen eines Versuchs, die Ruhe zu bewahren." Ein Mitglied der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas hatte am Vortag im Gaza-Streifen nach Armeeangaben einen Soldaten erschossen.

Die Hamas wie auch Islamischer Dschihad und die Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) lehnen die Vereinbarung zur Deeskalation mit Israel ab.

Die PFLP hatte am Dienstag Vergeltung für den Tod an dem Bruder ihres Chefs angekündigt. Nach Armeeangaben erschossen Soldaten Mohammed Saadat, den Bruder des PFLP-Chefs, Ahmed Saadat, bei dem Versuch, ihn festzunehmen. Vor dem Vorfall hatte der Chef des palästinensischen Sicherheitsdienstes Suhair Manasra gewarnt, israelische Attentate könnten den Sicherheitsplan gefährden.

Bei dem seit September 2000 anhaltenden Palästinenser-Aufstand gegen die israelische Besetzung ihrer Gebiete sind mindestens 1507 Palästinenser und 589 Israelis ums Leben gekommen.

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