Palästinenser rufen Ausland um Hilfe
Israel bombardiert Gaza-Stadt

Mit einem Raketenangriff in Gaza-Stadt hat Israel am Montag Vergeltung geübt für einen Bombenanschlag, bei dem im Gaza-Streifen zwei Siedler starben. Nach Einbruch der Dunkelheit beschossen Kampfhubschrauber unter anderem die Zentralen der Polizei und des Geheimdienstes der palästinensischen Autonomie-Regierung in der Umgebung des Amtssitzes von Präsident Jassir Arafat.

rtr GAZA-STADT. Die Autonomie-Regierung teilte mit, auch die Zentrale der Befreiungsorganisation Fatah sei getroffen worden. Sie bat das Ausland um Schutz vor Israel. Israel macht die Fatah für den Anschlag nahe der Siedlung Kfar Darom verantwortlich.

In Gaza-Stadt brach nach Beginn des zweistündigen Angriffs gegen 17.00 Uhr (MEZ) die Stromversorgung zusammen. In das städtische Schifa-Krankenhaus wurden mindestens 30 Menschen eingeliefert, zumeist mit Schockzuständen und Abschürfungen. Die Entscheidung für den Vergeltungsangriff fiel auf einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Vorsitz von Ministerpräsident Ehud Barak in Jerusalem. Der Angriff konzentrierte sich auf die Umgebung des Präsidialamtes in der 350 000 Einwohner zählenden Stadt, die die Regierung der selbstverwalteten Palästinenser- Gebiete Gaza-Streifen und Westjordanland beherbergt.

Die Fatah ist die Hausmacht Arafats in der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), der Dachorganisation der Palästinenserverbände. Nach Angaben der Regierung in Gaza-Stadt wurden außer der Fatah-Zentrale und den Polizei- sowie Geheimpolizei-Gebäuden auch Sendeanlagen des palästinensischen Satellitenfernsehens getroffen. Angegriffen worden seien auch Verwaltungsgebäude in Chan Junis, Deir el Balah und Rafah, einem Grenzübergang zu Ägypten. Die Regierung appellierte unter anderen an die USA, Russland, die UNO und die Europäische Union, unverzüglich für den Schutz der Palästinenser gegen Israel zu sorgen.

Ein israelischer Regierungssprecher sagte nach dem ersten tödlichen Anschlag auf israelische Siedler im Gaza-Streifen seit dem Ausbruch des Palästinenser-Aufstandes vor sieben Wochen, verantwortlich seien die "Fatah Tansim", die Extremisten in der Organisation. Aus Damaskus hatte sich eine Fatah-Splittergruppe namens Fatah el Assifa gemeldet und erklärt, den Anschlag verübt zu haben. Ein Spitzenfunktionär der Fatah sagte, mit der Bombe bei Kfar Darom habe die Stammorganisation nichts zu tun. Wenn sie einen Anschlag verübe, dann stehe sie auch dazu.

Die Bombe wurde nach israelischen Angaben aus dem Hinterhalt mit einem Draht ferngezündet, als der Bus sich genau vor ihr befand. Die Detonation war so stark, dass Splitter die Panzerung des Busses durchschlugen. Eine Lehrerin und ein erwachsener männlicher Busbegleiter starben. Sie hinterlassen Familien mit insgesamt elf Kindern. Von den neun Verletzten des Anschlages sind vier Kinder. Sanitäter sagten, die Verletzungen seien überwiegend an den Beinen. Einige der Opfer müssten mit Amputationen rechnen. Ein Militärsprecher sagte, es habe sich um drei Täter gehandelt, die nach der Explosion geflohen seien. Mit dem Anschlag erhöhte sich die Zahl der Toten des Aufstandes auf 243.

Die Europäische Union verlangte von Israel und den Palästinensern am Montag, endlich die Vereinbarungen von Scharm el Scheich einzuhalten. Auf Vermittlung der USA, der UNO und der EU hatten Israel und die Palästinenser am 17. Oktober vereinbart, den Zustand vor Ausbruch der Unruhen am 28. September wieder herzustellen. Dies sollte die Wiederaufnahme der Verhandlungen über einen Palästinenser-Staat in den israelisch besetzten und teils autonomen Gebiete ermöglichen.

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