Palästinenser rufen "Tag des Zorns" aus
Erneuter Selbstmordanschlag in Israel

Bei einem Bombenanschlag auf ein Restaurant nahe der israelischen Küstenstadt Haifa sind am Sonntag nach Polizeiangaben rund 20 Menschen verletzt worden. Rundfunkberichten zufolge sprengte sich der Attentäter in die Luft. Sonst sei niemand getötet worden.

ap JERUSALEM. Unterdessen verschärften die israelischen Behörden ihr Vorgehen gegen palästinensische Einrichtungen in Ostjerusalem. Heute droht eine weitere Zuspitzung der Lage, nachdem die Palästinenser einen "Tag des Zorns" angekündigt haben.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag auf das "Wall Street Cafe" in Kirjat Motskin, einem Vorort von Haifa, rund 80 Kilometer nördlich von Tel Aviv. Erst am Donnerstag waren bei einem Bombenanschlag auf eine Pizzeria in Jerusalem 15 Menschen getötet und nahezu 100 verletzt worden. Israel reagierte darauf mit der Besetzung des Orient-Hauses in Jerusalem, der inoffiziellen Vertretung der PLO. Am Sonntag riegelte die Polizei zudem das palästinensische Zentrum für Telekommunikation im Jerusalemer Vorort Abu Dis ab.

Der palästinensische Präsident Jassir Arafat verlangte ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. Parlamentspräsident Ahmed Kureia sagte vor Journalisten: "Israel hat die Schlacht um Jerusalem eröffnet. Wir werden nicht vergessen, bis sie sich von jedem Zentimeter aus Jerusalem zurückziehen."

Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Usi Landau, sagte dagegen, mit der Besetzung des Orienthauses zementiere Israel seinen Anspruch auf die gesamte Stadt. Die Regierung werde alles tun, um die PLO künftig aus Jerusalem fern zu halten.

Kritik aus dem Ausland

Scharfe Kritik an der Besetzung der inoffiziellen Vertretung der PLO in Jerusalem kam auch aus dem Ausland. US-Außenamtssprecher Richard Boucher erklärte, die Besetzung bedeute eine politische Eskalation. Durch solche Aktionen werde das Vertrauen in eine Verhandlungslösung untergraben.

Am Samstag und Sonntag versuchten Demonstranten, zum Orienthaus zu gelangen. Sie wurden an Absperrungen von der Polizei vertrieben. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. "Dies ist unsere Stadt, und das Orienthaus ist unser Haus", erklärte die palästinensische Abgeordnete Hanan Aschrawi. Sie kündigte an, es solle jeden Tag von neuem versucht werden, zu dem Gebäude vorzudringen.

Schröder telefoniert mit Scharon

Die palästinensische Polizei nahm unterdessen den mutmaßlichen Hintermann des Bombenattentats von Jerusalem fest. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, handelt es sich um ein Mitglied der militanten Hamas-Organisation. Der Mann soll den Selbstmord-Attentäter nach Jerusalem geschickt haben. Die Behörden seien auf einen Hinweis Israels tätig geworden, hieß es weiter.

Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon am Samstag in einem Telefonat dazu, alles zu unterlassen, was zu einer weiteren Eskalation führen könnte. Das Leid der Menschen müsse ein Ende haben, sagte Schröder nach Angaben der Bundesregierung.

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