Palästinenser verlassen Konferenz
Arabergipfel beginnt mit Eklat

Der Gipfel der Arabischen Liga hat am Mittwoch in Beirut mit einem Eklat begonnen. Die palästinensische Delegation verließ die Konferenz unter Protest nach wenigen Stunden, weil die Rede von Palästinenserpräsident Jassir Arafat aus Ramallah nicht direkt übertragen wurde.

dpa BEIRUT/KAIRO. Der saudische Kronprinz Abdullah Ibn Abdelasis erläuterte zum Auftakt der zweitägigen Beratungen seinen Vorschlag für eine umfassende Friedensordnung in Nahost.

Arafat nannte den Friedensplan eine "weitsichtige und mutige Initiative". Seine Grußbotschaft wurde vom arabischen TV-Sender El Dschasira ausgestrahlt. Er rief die arabischen Staatschefs auf, den saudischen Vorschlag zu einer "arabischen Initiative für einen Frieden der Mutigen zu machen". Gleichzeitig dankte er US-Präsident George W. Bush, weil dieser sich entschieden habe, die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates zu unterstützen.

Kurz vor dem Auszug der Palästinenser aus dem Konferenzsaal, dem sich auch einige andere Gipfelteilnehmer anschlossen, hatte Abdullah seinen Vorschlag präsentiert. Er appellierte an das israelische Volk, sich von ihrer Regierung und deren zerstörerischer Politik abzuwenden. "Frieden kommt vom Verstand und vom Herzen und nicht durch Artillerie", sagte Abdullah.

"Ich schlage vor, dass die Arabische Liga dem UN-Sicherheitsrat ein gemeinsames Programm vorlegt, das Israel normale Beziehungen (zu den arabischen Staaten) und Sicherheit garantiert", fügte er hinzu. Im Gegenzug sollten die Israelis einen unabhängigen palästinensischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt akzeptieren und sich aus den seit 1967 besetzten Gebieten zurückziehen. Abdullah bekräftigte außerdem das Rückkehr-Recht der 1948 geflohenen Palästinenser. Der Kronprinz wandte sich Ausdrücklich an "das israelische Volk". Ministerpräsident Ariel Scharon erwähnte er mit keiner Silbe.

Arafat hatte seine Teilnahme am Gipfel in Beirut wegen der von Scharon gestellten Bedingungen abgesagt. Scharon hatte gedroht, ihn nicht in die Palästinensergebiete zurückkehren zu lassen. Daraufhin hatte die Arabische Liga beschlossen, die Botschaft Arafats per Satellit live zu übertragen. Die Libanesen nannten "technische Schwierigkeiten" als Ursache für den Ausfall der Übertragung.

Der jordanische König Abdullah II. und der ägyptische Präsident Husni Mubarak, die beide eine arabische Aussöhnung mit Israel befürworten, hatten ihre Teilnahme in letzter Minute abgesagt. Er sei nicht nach Beirut gereist, weil er gegen die Versuche Israels, Arafat zu erpressen und das palästinensische Volk zu demütigen, protestieren wolle, sagte Mubarak. Israel behandele Arafat wie einen "Schuljungen". Aus Delegationskreisen in Beirut hieß es jedoch, Jordanien und Ägypten hätten sich bei den Beratungen über den saudischen Friedensvorschlag an den Rand gedrängt gefühlt.

Über den Friedensvorschlag und eine gemeinsame Erklärung zum Irak wurde im Chaos nach dem Auszug der Palästinenser kaum noch diskutiert. In einigen Delegationen wurde bereits von einem Scheitern der Konferenz gesprochen. Von 21 Staatschefs und Monarchen der Mitgliedstaaten waren nur 10 nach Beirut gekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%