Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen
Fatah ruft wieder zur Gewalt gegen Israel auf

Reuters JERUSALEM. Begleitet von neuen Auseinandersetzungen in den besetzten Gebieten hat die Fatah-Organisation von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zur Fortsetzung des Aufstandes gegen Israel aufgerufen. Der Kampf werde weitergehen, egal wie hoch der Preis dafür sei, sagte das führende Fatah-Mitglied, Ahmed Hellas, am Samstag. Im Gaza-Streifen töteten israelische Soldaten am Sonntag einen Palästinenser und verletzten sechs weitere. In der jordanischen Hauptstadt Amman schossen Unbekannte auf den Vizekonsul der israelischen Botschaft und verletzten ihn leicht. Zwei bisher unbekannte Gruppen bekannten sich zu dem Anschlag.

Am Grenzübergang Karni im Gaza-Streifen schossen israelische Soldaten einem 14-jährigen Palästinenser nach Krankenhausangaben in die Brust. Er sei sofort tot gewesen. Zuvor war nach Angaben der israelischen Armee ein Bus auf dem Weg zur jüdischen Siedlung Netzarim beschossen worden. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Die Armee schloss den Grenzübergang. Nach Armeeangaben gab es am Wochenende in den Palästinensergebieten mehr als 20 Schießereien.

Nach Angaben aus Botschaftskreisen in Amman wurde der israelische Diplomat beim Verlassen seines Hauses vor seinem Auto angeschossen. Wie das israelische Außenministerium bestätigte, arbeiten die jordanischen Behörden bei der Aufklärung des Anschlags mit Israel zusammen. Es ist der erste Übergriff auf einen Israeli in Jordanien seit dem Ausbruch der Unruhen im benachbarten Westjordanland und im Gaza-Streifen. Allerdings hatte es in den vergangenen Wochen bereits mehrere Demonstrationen gegeben, bei denen ein Abbruch der Beziehungen zu Israel gefordert wurde. Israel und Jordanien hatten 1994 nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak nannte den Vorfall in Amman sehr ernst. Zu dem Anschlag auf den Vizekonsul bekannten sich später zwei bisher unbekannte Organisationen: Die Gruppe des Heiligen Kriegers Ahmad el Dakamsah und die Jordanische Islamische Wiederstandsbewegung für den Kampf. Beide Gruppen drohten mit weiteren Angriffen auf Israelis und forderten den Abbruch der Beziehungen zu Israel.

Arafat hatte am Freitag Ende der Gewalt angeordnet

Fatah-Vertreter Hellas rief am Samstag vor Tausenden Palästinensern auf einem Trauermarsch für den Polizisten Baha Said zur Fortsetzung der Unruhen auf. Der Polizist hatte einen israelischen Soldaten getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Arafat hatte dagegen am Freitag angeordnet, den Beschuss israelischer Ziele aus den von Palästinensern kontrollierten Gebieten heraus zu stoppen.

Israel hoffte unterdessen, ein Ende der Unruhen durch ein Treffen des früheren israelischen Präsidenten Eser Weizman mit Ägyptens Präsident Husni Mubarak zu beschleunigen. Er hoffe, dass die Zusammenkunft im ägyptischen Scharm-el-Scheich zur Beendigung der Gewalt beitragen werde, sagte Danny Jatom, ein Berater von Ministerpräsident Barak. Nach dem Zweistündigen Treffen äußerte sich Weizman nicht. Er hatte zuvor dem israelischen Armee-Rundfunk gesagt, er hoffe, Mubarak werde Arafat dazu bewegen, dass die Palästinenser nicht mehr auf israelische Soldaten schössen. Ein Treffen mit weiteren arabischen Staatschefs sei nicht geplant. Weizman, der bis August israelischer Präsident war, war maßgeblich am Zustandekommen des Friedensabkommens zwischen Israel und Ägypten 1979 beteiligt.

Mubarak wolle sich am Dienstag auch mit Palästinenser-Präsident Arafat treffen, verlautete in Scharm-el-Scheich.

Am Montag wird zudem der amerikanische Vermittler Dennis Ross in Nahost zu einer neuen Vermittlungsrunde erwartet, wie aus politischen Kreisen in Jerusalem am Samstagabend verlautete. Bei den seit mehr als sieben Wochen andauernden Unruhen in den Palästinensergebieten starben bislang mindestens 239 Menschen.

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